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PISA-Studie: Kultusminister wollen Schulen schneller reformieren

Nach der Veröffentlichung der dritten PISA-Studie über die Mängel der deutschen Schulen wollen die Kultusminister ihr Reformtempo erhöhen.

Nach der Veröffentlichung der dritten PISA-Studie über die Mängel der deutschen Schulen wollen die Kultusminister ihr Reformtempo erhöhen. Die mit der Untersuchung offenkundig gewordene «Beliebigkeit» bei der Notenvergabe an den Schulen unterstreiche die Notwendigkeit der neuen gemeinsamen Bildungsstandards in allen Bundesländern, sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Hessens Schulministerin Karin Wolff (CDU), am Donnerstag in Berlin. Sie gehe davon aus, dass diese für alle Schulen verbindlichen Standards bereits zum Schuljahr 2004/2005 in Kraft treten werden. Das ist deutlich früher als zunächst geplant.

Mehr individuelle Förderung von Ausländern

In ihrem Beschluss sprechen sich die Kultusminister für mehr individuelle Förderung der Ausländerkinder in den Schulen aus. Die PISA-Untersuchung hatte aufgezeigt, dass ein Ausländeranteil von mehr als 20 Prozent an einer Schule zu einer «sprunghaften» Verringerung des Lern- und Leistungsniveaus führen kann. Auch gelinge die Integration der Ausländer an deutschen Schulen viel schlechter als in anderen Staaten. Einen größeren Stellenwert sollen künftig auch soziale Lernziele in den Schule erhalten. PISA hatte ein deutliches Ost-West-Gefälle bei der Bereitschaft zum gesellschaftlichen Engagement der Schüler ergeben.

Bis zum Jahresende wollen die Kultusminister auch erstmals einen «Bildungsbericht für Deutschland» vorlegen, in dem sie künftig regelmäßig ihre Reformschritte dokumentieren wollen.

Gegen Aufsplitterung des Schulsystems

Bei dem KMK-Treffen in Berlin wurde erstmals seit Veröffentlichung der ersten PISA-Ergebnisse im Dezember 2001 die Zukunft des in Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Gesamtschule zergliederten deutschen Schulsystems kritisch debattiert - ohne dass allerdings Konsens über konkrete Konsequenzen bestand. Der Schulforscher und deutsche PISA-Chef Jürgen Baumert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung forderte, «im Interesse besserer Förderbedingungen» und zur Verringerung der sozialen Selektion die Aufsplitterung des Schulsystems «eher zurückzunehmen und sie nicht weiter voranzutreiben».

Mehr Durchlässigkeit geplant

Die Kultusminister wollen nunmehr «verschiedene Lösungswege» für mehr Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Schulformen «intensivieren». Hintergrund bildet dabei die offene Kritik der Forscher in der neuen Studie an der Zergliederung des Schulsystems, das sich durch verschiedene politische Schwerpunkte in den 16 Ländern noch weiter auseinander entwickelt habe. Die Wissenschaftler machen deutlich, dass die in Deutschland übliche frühe Aufteilung der Kinder nach der vierten Schulklasse auf unterschiedliche Schulformen soziale Selektion bei der Bildung verschärfe und die Förderung benachteiligten Kinder erschwere.

Zudem gebe es bei der Leistung quer durch alle Länder zu große Schwankungen auch innerhalb einer Schulform. «Realschulen könnten als Gymnasien, und Hauptschulen als Realschulen oder Gesamtschulen durchgehen und umgekehrt», heißt es in der Studie.

Bulmahn will Zahl der Studienabbrecher senken

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) bot den Ländern einen «Pakt» zur Verbesserung der Studienbedingungen an. Ein Ziel müsse dabei sein, die Zahl der Studienabbrecher zu senken, die mit 27 Prozent zu hoch sei. Zudem müssten die Studierenden von den Professoren besser betreut werden, sagte Bulmahn bei der Vorstellung einer Studie über Studienabbrecher in Berlin.

Der Bildungssprecher der unionsgeführten Länder, Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU), lehnte Bulmahns Vorstoß als Einmischung in die Länderkompetenzen ab. Der Bund solle sich um die Dinge kümmern, für die er zuständig sei und seine Zusagen bei der Forschungsförderung einhalten. Hintergrund der Kritik ist die Absicht des Bundes, die Mittel für die Forschungsorganisationen entgegen einer früheren Abmachung mit den Ländern in diesem Jahr einzufrieren.

Nach den Daten der Studie nennen 71 Prozent der Studienabbrecher schlechte Bedingungen an den Hochschulen als einen von mehreren Gründen für ihr Scheitern. «Drei von vier Abbrechern fühlen sich durch ihre Professoren nicht richtig betreut und erleben die Studienorganisation als unübersichtlich», sagte Bulmahn.

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