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privatunis: International University in Germany (IU)

Risikofreudige Rektorin

Bruchsal, Baden-Württemberg, statt Boston, Massachusetts: Keine wirkliche Alternative? Seit September 1998 sieht das anders aus. Da nahm die »International University in Germany« ihren Betrieb auf - ausgerechnet in Bruchsal bei Heidelberg. Und am 17. Juli 2000 verließen die ersten Studenten mit Abschluss die neu gegründete Privatuniversität: Blaue Mäntel, blaue Hüte, alles glich einer Graduation in den Vereinigten Staaten.

Die Studenten leben auf dem Campus und studieren zwei Jahre lang äußerst intensiv. Verständlicherweise fördern Industrie-Größen wie SAP, Siemens oder IBM die teilweise noch im Aufbau befindliche »International University«, denn dort werden die Informatik-Fachkräfte ausgebildet, die nicht nur die deutsche Wirtschaft derzeit händeringend sucht.

Antreibende Kraft zur Gründung der »International University in Germany« war Professorin Heide Ziegler. Eine Frau, über die die Wochenzeitung »DIE ZEIT« schrieb: »Die meisten Menschen riskieren in einem ganzen Leben nicht so viel, wie Heide Ziegler in den vergangenen Jahren.« Als Rektorin der Universität Stuttgart stieß sie mit ihrem Reformwillen schnell an die Grenzen des behäbigen Wissenschaftsbetriebs. Nur in einer Privatuniversität konnte sie ihre Ideen verwirklichen.

Kritiker bemängeln die »Schmalspur-Bildung« bei den wenigen Studiengängen, die die International University anbietet. Dafür kommen bei der IU höchstens sieben Studenten auf eine Lehrkraft. Ein optimales Betreuungsverhältnis, »das sich nur über Studiengebühren verwirklichen lässt«, so die Privatuniversität.

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Regelmäßig 50- bis 60-Stunden-Wochen

Das Jura-Studium hatte Clemens Bergmann, 28 Jahre, längst in der Tasche. Doch das reichte ihm nicht: Seit Januar 2000 studiert Bergmann nun im sogenannten MICT-Programm (Master of Information and Communication Technology) an der International University Bruchsal.

Sie hatten das Jura-Studium schon in der Tasche, dazu noch mit einem sehr guten Abschluss - wieso hatten Sie keine Lust mehr auf die Juristerei?

»Ich habe eine neue Herausforderung gesucht und wollte vor allem etwas machen, was mit Computern zu tun hat. Das Jura-Studium hat mir schon Freude gemacht - es war nur nicht das, was ich mein Leben lang machen wollte. Und da ich mit einem guten Staatsexamen aufgehört habe, kann ich das später im Lebenslauf auch besser verkaufen - ansonsten hätte es den Anschein gehabt, dass ich nur vor etwas fliehen wollte.«

Und dann ausgerechnet Bruchsal?

»Ich habe nach einem Programm gesucht, das in relativ kurzer Zeit mit einem internationalen Abschluss beendet ist. In Bruchsal studiert man zwei Jahre, unterteilt in sechs Trimester. Außerdem wollte ich etwas mit großem Auslandsbezug studieren. Hier verbringt man ein ganzes Trimester im Ausland, die meisten in den USA. Ein weiteres Trimester lang absolviert man ein Praktikum in der Industrie, was mir auch nicht ganz unwichtig war.«

Was für ein Praktikum planen Sie?

»Das weiß ich noch nicht, das dauert noch ein bisschen. Über vier Monate arbeiten wir dann mit einem kleinen Team von zwei bis vier Leuten an einem speziellen Projekt in einem Unternehmen. Das Ergebnis wird zum Schluss auch bewertet. Allerdings wendet sich die Industrie meist sehr kurzfristig an die Uni; zum größten Teil sind es Sponsoren-Unternehmen, die dann sozusagen Feedback von uns Studenten bekommen.«

Wie läuft das Studium an der International University ab?

»Wenn man von einer staatlichen Uni kommt und gerade bei Jura-Vorlesungen mit 400 Leuten zusammen in einem Hörsaal sitzt, ist das Studium hier eine sehr positive Erfahrung. In meinem MICT-Jahrgang haben mit mir sechs Leute angefangen, drei Pakistani, eine Chinesin, ein Deutsch-Türke und ich. Allerdings ist es nicht so, dass wir sechs alle Kurse zusammen belegen, da wird schon gemischt. In der Regel läuft der Unterricht über drei Säulen: Eine theoretische Vorlesung, ein Tutorial mit der Verbindung von Praxis und Theorie und zuletzt ein parallel laufendes Projekt. Außerdem kennt hier jeder jeden und alles. Die Lehrkräfte haben grundsätzlich Zeit und ein offenes Ohr für die Studenten. Die Universität begreift ihre Ausbildung einfach als ganz normales Produkt; wir müssen schließlich auch Gebühren dafür zahlen.«

18.000 Mark im Jahr, das ist nicht gerade wenig.

»Im Vergleich zu den Eliteschulen in den USA ist das noch preiswert! Natürlich ist diese Idee der Studiengebühren für Deutschland relativ ungewöhnlich. Ich habe allerdings auch ein Teilstipendium bekommen, den Rest trage ich privat. Es ist auch kein Problem, sich von den örtlichen Kreditinstituten unter die Arme greifen zu lassen. Diese «student loans» sind ein völlig übliches Modell.«

Haben Sie denn regelmäßig Prüfungsstress?

»Es finden schon regelmäßig Leistungskontrollen statt. Für manche ist das einfach auch gut für die Motivation. Natürlich ist hier auch der Leistungsdruck höher, gerade in Kleingruppen. Aber man darf nicht vergessen, dass das alles selbst gemachter Stress ist. Wir haben uns die Uni doch selbst ausgesucht, und wir wussten ja, was auf uns zukommen würde. An der Uni haben wir regelmäßig 50- bis 60-Stunden-Wochen.«

Also bleibt für das Studentenleben keine Zeit?

»Klar. Ab und zu setzen wir uns schon mal in den Biergarten, aber ansonsten ist das heftige Studentenleben hier nicht angesagt. Aber das ist auch nicht das, was wir hier suchen. Dafür ist Bruchsal auch nicht geeignet. Zumal die Leute in meinem Studiengang alle schon studiert haben und daher das Studentenleben auch schon hinter sich haben.«

Was sagt Ihr Freundeskreis dazu, dass Sie sich in der Uni einbunkern?

»Meine Freunde finden das alle sehr anständig. Das wird akzeptiert. Hätte ich nach dem Jura-Studium ein Referendariat angefangen, hätte ich doch genauso viel arbeiten müssen.«

Immerhin leben Sie ja auch auf dem Campus. Wie ist denn das Klima unter den Studenten?

»Hier zu wohnen ist eine einmalige Erfahrung: Bruchsal hat 50 bis 70 Prozent ausländische Studenten. Zur Zeit wohne ich mit einem Chinesen zusammen - das schult selbstverständlich den Geist für kulturelle Unterschiede und für gegenseitige Toleranz. Von der Kleiderordnung her: Casual. Überhaupt wird in der IT-Branche ja nicht so viel Wert auf Tradition gelegt.«

Jetzt schwärmen Sie so vom Studium an der International University - gibt es auch Kritikpunkte?

»Eigentlich bin ich absolut zufrieden. Natürlich sind die Strukturen hier noch nicht so eingefahren wie an staatlichen Unis - das hat einerseits den Vorteil, dass alles etwas flexibler gehandhabt wird, andererseits kann man manchmal auch überrascht werden. Wir sind eben die Pioniere hier.«

Wo sehen Sie Ihre berufliche Zukunft nach dem Studium in Bruchsal?

»Ich möchte in der IT-Strategie-Beratung innerhalb einer Unternehmensberatung arbeiten, zumindest für ein paar Jahre. Langfristig aber plane ich, mich selbstständig zu machen.«

Florian Neuhann

Ziel der Ausbildung

Führungskräfte der IT- und Business-Branche nach anglo-amerikanischem Vorbild.

Fachrichtung, Abschlüsse

- Master of Information and Communication Technology (MICT)

- Master of Business Administration (MBA)

- Bachelor of Science (B.Sc.)

- Bachelor of Business Administration (International Management)

Berufsbegleitend:

- CISCO Networking Certification Programs

- Quick start (Weiterbildung für Unternehmer)

Studiendauer

MICT und MBA: Sechs Trimester

Bachelor of Science: Neun Trimester

Auslandssemester

Integriertes Auslandstrimester im MICT- und MBA-Programm. Die Hälfte der Studenten stammt aus dem Ausland.

Praktika

In allen drei Studiengängen ein Trimester »internship«.

Besonderheiten des Studiums

Komplett englischsprachig, organisiert nach dem Vorbild des anglo-amerikanischen Systems, unterteilt in Trimester. Die Studenten leben und arbeiten gemeinsam auf dem Campus-Gelände in Bruchsal.

Größe der Universität

210 Studenten, bis 2003 soll die Studentenzahl auf 400 bis 500 anwachsen.

Studiengebühren

10.000 Euro im Jahr; Teilstipendien möglich.

Aufnahmebedingungen, Voraussetzungen

Vordiplom bzw. entsprechende Uni-Nachweise für den MICT- und MBA-Studiengang, High-School-Abschluss bzw. Abitur für den Bachelor-Studiengang. Die International University hat keinen festen Numerus Clausus, allerdings wird es bei einem Schnitt schlechter als 2,0 schwierig. Zudem möchte die Universität zwei Empfehlungsschreiben, ein gutes Ergebnis im TOEFL (Test of English as a Foreign Language) sowie einen Essay. Danach folgt ein persönliches Interview.

Vor Ort

Rheinhessen: bei Karlsruhe und Heidelberg

Wer dahinter steckt

Zu den Groß-Sponsoren der Universität gehören SAP, IBM, Siemens, Alcatel und SEW-Eurodrive.

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