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Produkt-Fälschungen: Billig ist böse

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries und die deutschen Wirtschaftsverbände sorgen sich um das Konsumverhalten der Deutschen. Diese würden immer noch gerne zu billigen aber gefälschten Produkten greifen. Deshalb warnen die Hersteller nun vor den Gefahren von Plagiaten.

Deutsche Verbraucher greifen immer noch gerne zu billigen, aber gefälschten und oft gesundheitsgefährdenden Produkten. Von einer Trendumkehr kann nach Feststellung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) keine Rede sein. Weltweit richte Produktpiraterie jährlich einen wirtschaftlichen Schaden von mindestens 142 Milliarden Euro an, sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) jetzt. Gemeinsam mit Wirtschaftsverbänden stellte sie ein neues Internetportal vor, wo sich Unternehmen und Verbraucher über Produktpiraterie informieren können.

Zypries kritisierte die "Geiz-ist-geil-Mentalität". Der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer, Axel Nitschke, forderte: "Wir brauchen dringend einen Bewusstseinswandel bei den Käufern. Sie sind der eigentliche Hebel." Auf die von Emnid im Auftrag der Internationalen Handelskammer (ICC) gestellte Frage, was sie tun würden, wenn ein vermeintliches Markenprodukt deutlich günstiger als normal angeboten wird, sagten nur acht Prozent, sie würden vom Kauf Abstand nehmen, aber 38 Prozent, sie würden kaufen. Mit 48 Prozent lagen dabei die ostdeutschen Kaufwilligen weit vor den Westdeutschen (35 Prozent). 51 Prozent der Verbraucher wollten sich aber nach der Herkunft des billigen Produkts erkundigen.

"Die Verbraucher müssen begreifen, dass sie sich mit dem Kauf gefälschter Produkte selbst schädigen", sagte der Präsident der ICC Deutschland, Manfred Gentz. Die ICC schätzt mit 600 Milliarden Dollar den Schaden noch weitaus höher. Es gehe hier nicht um harmlose Kleinkriminalität, sagte Gentz. In Deutschland wird der Schaden auf 20 bis 30 Milliarden Euro taxiert. Durch Produktpiraterie seien bereits 70.000 Arbeitsplätze vernichtet worden, schätzt der DIHK.

Zypries und die Verbände warnten zudem vor gesundheitlichen Risiken. Nachgemachte Medikamente enthielten oft falsche Zusammensetzungen. Gefälschte mit billigen Materialen hergestellte Kleidungsstücke könnten zu Allergien und Hautausschlägen führen.

Die meisten Plagiate kommen nach Feststellung der Wirtschaft aus Asien. China stehe hier an der Spitze. Aber auch in Russland, Brasilien und Indonesien würden Marken gefälscht. Zypries wies darauf hin, dass dies auch Thema im Rechtsstaatsdialog mit China sei. Mit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) habe China die Rechtslage anerkannt. Das Problem sei aber die Umsetzung der Bestimmungen. Zypries hofft, dass der von den Chinesen wegen des Treffens von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem Dalai Lama abgesagte, nächste Termin in München bald nachgeholt wird.

Eine wichtige Rolle bei der Vermarktung von Plagiaten spielt das Internet. Die Wirtschaftsvertreter beklagten, dass die Verbraucher hier oftmals ein gesundes Misstrauen vermissen ließen. Zu den oft im Internetauktionshaus E-Bay angebotenen Fälschungen sagte Zypries, das werde beobachtet.

AP / AP

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