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Quarantänehilfe: Im Supermarkt kam die Idee: Studentin organisiert Hilfe für ihre Nachbarn

Millionen Menschen müssen zuhause bleiben – und benötigen Hilfe. In ganz Deutschland bieten daher Nachbarn ihre Unterstützung an. Wie zum Beispiel Jessica König. Sie organisiert via Facebook die Quarantänehilfe Potsdam.

Quarantäne-Hilfe

Jessica König will ihren Nachbarn helfen

Es ist nur eine kleine Facebook-Gruppe, doch die Wirkung soll im Ernstfall groß sein: Jessica König aus Bornstedt organisiert online die "Quarantänehilfe Potsdam". Seit Tagen und Wochen werden viele solcher lokaler Gruppen für Orte in ganz Deutschland gegründet. Die Menschen verbinden sich digital, um sich gegenseitig zu unterstützen. Das Coronavirus schweißt sie zusammen, auch wenn sie sich persönlich (noch) nicht kennen. Königs Geschichte steht stellvertretend für die Welle der Hilfsbereitschaft, die aktuell durch Deutschland schwappt. 

Vor zwei Wochen beschloss die 23-Jährige, selbst anzupacken, nachdem sie im Supermarkt eine Frau getroffen hatte, der zur Kassiererin sagte: "Ich komme gleich nochmal. Das ist alles gar nicht für mich, ich kaufe gerade für andere ein." Die Lehramtsstudentin, deren Praxissemester aufgrund des Schulausfalls aktuell warten muss, lief nach Hause, setzte sich vor den Computer und eröffnete die Gruppe.

Nach 24 Stunden waren schon 700 Menschen beigetreten, längst wurde die Marke von 1000 Mitgliedern geknackt.

"Die Lage in Potsdam ist aktuell noch einigermaßen ruhig und übersichtlich", sagt König. "Mein Ziel ist es, dass wir gut organisiert sind, falls es tatsächlich zum Ernstfall kommt und viele Menschen Hilfe benötigen."

"Haben uns gegenseitig Hilfe versprochen"

Sie selbst habe auch schon einen Deal mit der eigenen Nachbarin abgeschlossen: "Wir haben uns versprochen, dass wir uns gegenseitig helfen, wenn wir Hilfe benötigen." In erster Linie denkt sie aber an ältere Personen wie ihre eigene Mutter, die in Berlin wohnt und "bei der ich nicht einfach vorbeischneien kann, um zu helfen. Wenn meine Mutter zuhause bleiben muss, dann hoffe ich sehr, dass jemand für sie einkaufen geht."

Und weil viele ältere Menschen sich nicht selbst online organisieren können, kümmerte sich König um Hilfsangebote, die Freiwillige in ihrer Nachbarschaft in die Hausflure hängen können – und zwar in unterschiedlichen Sprachen: "Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft und es wird Fälle geben, in denen Menschen zuhause bleiben müssen, die vielleicht kein perfektes Deutsch sprechen." Also übersetzte sie zum Start ihrer Initiative mit Hilfe anderer eine Aushangvorlage auf zehn Sprachen: Rumänisch, Arabisch oder Vietnamiesisch.

Ganz konkret entscheidet jeder Freiwillige, welche Art von Hilfe er anbietet, in welchen Häusern er die Zettel anbringt und wie er sich von anderen kontaktieren lässt. Und natürlich sprechen sich auch in der Gruppe selbst die Menschen bereits ab und bieten Unterstützung an. Ein Schulsozialarbeiter beispielsweise wollte Eltern, gemeinsam mit seiner Schwester, Kinderbetreuung anbieten. König versucht, die riesige Hilfsbereitschaft zu strukturieren: "Wir fragen, in welchen Teilen der Stadt die Menschen wohnen – und ob sie Hilfe benötigen oder Hilfe anbieten." 

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"Bewegt und begeistert" von der Hilfsbereitschaft

König sagt, dass sie "bewegt und begeistert" sei von der Offenheit vieler Menschen. "Manche halten unsere Vorsorgen für übertrieben und sagen das auch, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das böse meinen." Sie konzentriert sich vielmehr auf die Unterstützung und die positiven Stimmen: "Gestern schrieb eine ältere Frau, dass sie völlig einsam und ohne Hilfe wäre, falls sie in Quarantäne muss. Sie hat niemanden, der für sie da ist. Das haben wir nun geändert. Und darauf kommt es an."

Wenn Sie weitere Beispiele von Solidarität in Zeiten der Coronavirus-Krise kennen, senden Sie uns gerne eine E-Mail mit einer kurzen Beschreibung des Projekts samt Ort und Ansprechpartner an coronahilfe@stern.de.

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