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Schulsystem: Vorbild Finnland

Seit dem guten Abschneiden finnischer Schüler bei der Pisa-Studie gilt das Schulsystem aus dem hohen Norden als vorbildlich. Die Grundprinzipien der finnischen Gesamtschule könnten nach Auffassung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auch dem deutschen Bildungssystem den Ausweg aus seiner Krise weisen. Denn in Finnland stehe die individuelle Förderung der Schüler im Vordergrund und nicht das Abschieben auf niedrigere Schulen, sagt die GEW-Schulexpertin Marianne Demmer.

In Finnland besuchen alle Schüler neun Jahre lang eine Gesamtschule. Die Schüler werden ein Jahr später als in Deutschland eingeschult, erst mit sieben Jahren beginnt für sie der Schulalltag. Die Gesamtschulzeit ist in zwei Abschnitte gegliedert: Sechs Jahre verbringen die Schüler in der Primarstufe, dann folgen drei Jahre in der Oberstufe der Gesamtschule, wo der Fachunterricht in den Vordergrund rückt. Danach können die dann in der Regel 16-Jährigen sich für eine Berufsausbildung oder für die gymnasiale Oberstufe entscheiden.

Fast jeder finnische Schüler erreicht das Klassenziel

Den entscheidenden Vorteil des Systems sieht die GEW im Umgang mit schwachen Schülern: An jeder Schule gebe es Sonder- und Sozialpädagogen für die individuelle Förderung von Kindern mit sozialen oder schulischen Problemen, sagt Demmer. Mehr Gruppenarbeit im normalen Unterricht ermögliche es auch den Lehrern, sich gezielt um schwächere Schüler zu kümmern. In Deutschland werden diese Ansätze laut Demmer dagegen - wenn überhaupt - nur in den Grundschulen praktiziert.

Das Ergebnis: Während kaum ein finnischer Schüler das Klassenziel nicht erreicht, sind deutsche Schüler nach Angaben der GEW traurige Spitzenreiter im Sitzenbleiben. Das deutsche System mit seinen drei Schularten sei zu sehr auf Auslese und zu wenig auf die Förderung einzelner Schüler ausgerichtet, kritisiert Demmer.

Lehrer werden nach sozialer Kompetenz ausgesucht

In Finnland gelte das Grundprinzip, jedem Schüler mindestens eine mittlere Bildung zu garantieren. Da es nur die Gesamtschule gebe, bleibe den Schulen auch gar nichts anderes übrig. "In Deutschland glaubt man dagegen, man könne die Kinder im zarten Alter von zehn Jahren danach sortieren, ob der eine Professor werden wird und der andere Maurer", kritisiert Demmer.

Auch die Lehrerausbildung ist anders gegliedert, so sammeln finnische Lehramtsstudenten ihre ersten pädagogischen Erfahrungen frühzeitig und nicht erst am Ende ihrer Universitätsausbildung. Und zu dieser zugelassen zu werden, ist in Finnland richtig schwer: Da sich zehn Bewerber um einen Studienplatz streiten, gibt es ein hartes Auswahlverfahren, bei dem vor allem soziale und kommunikative Fähigkeiten getestet werden, wie Demmer berichtet. Nicht zuletzt liegen die Bildungsausgaben in Finnland weit über dem deutschen Niveau: Werden in Finnland laut GEW 7,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Bildung investiert, sind es hier zu Lande nur 5,2 Prozent.

Isabell Scheuplein, AP

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