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Spitzenleistungen: Elite-Unis "nicht per Verordnung"

In der von der SPD angestoßenen Diskussion über Spitzenleistungen an Hochschulen setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass Elite-Unis nicht per Verfügung entstehen.

In der von der SPD angestoßenen Diskussion über Spitzenleistungen an Hochschulen setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass Elite-Unis nicht per Verfügung entstehen. In diesem Sinne haben sich am Wochenende unter anderem Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD), Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel und CDU-Chefin Angela Merkel geäußert. Der Wissenschaftsrat will laut "Focus" die Empfehlung beschließen, dass sich die Unis die Hälfte ihrer Studenten selbst aussuchen können.

Bulmahn erklärte in einem Interview der "Welt am Sonntag": "Elite wird man nicht dadurch, dass das von jemandem bestimmt wird." Spitzen-Universitäten müssten sich im Wettbewerb entwickeln. Zugleich wandte sich die Ministerin gegen eine einseitige Ausrichtung auf Spitzen-Hochschulen. "Es wird und muss auch eine gute Breitenförderung geben, aber eben auch eine gut sichtbare Spitze", sagte sie.

Sollten neue Elite-Universitäten geschaffen werden?

Elite-Hochschulen entstehen nicht durch Verordnung

Nach Ansicht der Ministerin gibt es "ganz gute Universitäten" in Deutschland. Die aber seien "noch zu wenig in ihren Stärken sichtbar". Hier müsse man die Spitzen stärken, um international mithalten zu können. Vorschläge, wie das geschehen kann, will Bulmahn am 26. Januar auf einem Kongress mit Wissenschaftlern und Forschern aus Universitäten und Industrie zur Diskussion stellen.

Auch Teufel erklärte in einem in Stuttgart veröffentlichten Thesenpapier, Spitzenleistung und Spitzen-Unis könnten nur aus dem Wettbewerb zwischen den Hochschulen entstehen. Der Staat könne nur die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Allerdings brauchten die Länder dafür keine Vorgaben des Bundes. Der CDU-Politiker forderte die Abschaffung des Hochschulrahmengesetzes (HRG) und der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) sowie die Einführung von Studiengebühren. Außerdem müssten die Hochschulen ihre Studenten selbst auswählen dürfen.

CDU-Chefin Angela Merkel erklärte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", der SPD-Vorstoß sei "so, wie er vorgebracht wurde, undurchdacht". "Wir brauchen Elite-Hochschulen. Aber die entstehen nicht durch Verordnung. Wir müssen die Rahmenbedingungen, auf die Politik Einfluss hat, verändern", zitiert das Blatt die CDU-Vorsitzende.

EU-Kommissarin warnt vor Alleingang

Der Wissenschaftsrat, ein Beratungsgremium aus Vertretern von Bund, Ländern und Lehre, will nach Informationen des Münchner Magazins "Focus" die Empfehlung beschließen, dass sich die Unis 50 Prozent ihrer Studenten selbst aussuchen. Damit wäre die ZVS nur noch für die andere Hälfte der Studienplatzbewerber zuständig. Die Wissenschaftsminister von Bayern und Baden-Württemberg, Thomas Goppel (CSU) und Peter Frankenberg (CDU), wollen dem Bericht zufolge den Hochschulen sogar das Recht geben, alle ihre Studenten selbst auszuwählen.

Unterdessen warnte die EU-Bildungskommissarin Viviane Reding Deutschland vor einem Alleingang bei der Hochschulreform. In der Zeitung "Bild am Sonntag" forderte sie stattdessen eine stärkere Beteiligung deutscher Unis an europäischen Netzwerken von Universitäten und Forschungszentren. Außerdem dürfe eine Bildungsoffensive nicht nur bei den Universitäten ansetzen. Auch die Qualität des Schulsystems müsse verbessert werden. "Wer nur auf einem Bein hüpft, fällt irgendwann um", zitiert das Blatt die Kommissarin.

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