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Studie: Lehrqualität durch Studiengebühren verbessern

Studiengebühren von 500 Euro pro Semester würden einer Studie zufolge Universitäten ermöglichen, ihr Lehrangebot deutlich zu verbessern.

Zum ersten Mal liegen in Deutschland konkrete Modellrechnungen zu den möglichen finanziellen Effekten von allgemeinen Studiengebühren vor. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) gelangt in einer Untersuchung, die in Zusammenarbeit mit den Universitäten Bayreuth und Erlangen-Nürnberg durchgeführt wurde, zu dem Ergebnis: Studiengebühren von 500 Euro pro Semester würden Universitäten ermöglichen, ihr Lehrangebot deutlich zu verbessern.

"Die bisherigen Berechnungen sind realitätsfern, weil sie lediglich die Zahl der Studierenden mit der Höhe der Gebühren multiplizieren", kritisiert Frank Ziegele vom CHE. "Unsere Studie legt dagegen realistische Nettozahlen vor. Dabei werden beispielsweise Kosten für Einzug und Verwaltung von Gebühren sowie für die Sicherung der Sozialverträglichkeit berücksichtigt. Im Ergebnis können wir aufzeigen, dass die zusätzlichen Einnahmen das Lehrangebot erheblich verbessern würden."

Gebühren abhängig vom Einkommen zurückzahlen

Schon eine Gebühr von 500 Euro pro Semester würde die Hochschulen in die Lage versetzen, die Qualität ihres Lehrangebots deutlich zu steigern. Beispielsweise könnte die Universität Erlangen-Nürnberg ihren Haushalt um 10 Prozent erhöhen und damit 260 zusätzliche Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter schaffen.

Die ebenfalls in der Studie untersuchten Gebührenmodelle, die sich an den fachbezogenen, realen Kosten des Studiums orientieren oder an den finanziellen Vorteilen, die Absolventen später am Arbeitsmarkt haben, könnten noch höhere Einnahmen erbringen. "Studierende sind zunehmend bereit, für eine optimale Studiengestaltung auch zusätzliche eigene Mittel aufzubringen. Über ein durchdachtes Lehrsystem könnten Universitäten auch mit vereinnahmten Studiengebühren Studierende in höheren Semestern als Tutoren finanzieren", sagt Helmut Ruppert, Präsident der Universität Bayreuth.

Ein weiterer wesentlicher Untersuchungsaspekt der Studie ist die Finanzierung von Darlehenssystemen. Diese würden es den Studierenden ermöglichen, die Gebühren einkommensabhängig zurück zu zahlen. Belastungen entstünden erst, wenn auch ein Einkommen vorliegt. "Wir haben verschiedene Modelle durchgerechnet und können ein differenziertes Bild zeigen. Es wird klar, dass sozialverträgliche Lösungen möglich sind. Das Argument, die Finanzierung der Darlehen und die zu erwartenden Ausfälle machten die finanziellen Effekte zunichte, lässt sich nicht halten", sagt Ziegele.

Tatsächlich die Qualität ausbauen

Die Studie setzt Rahmenbedingungen für die Einführung von Studiengebühren, die klare Forderungen an die staatliche Seite richten. "Natürlich entstünden die positiven Effekte nur unter der Bedingung, dass die Hochschulen das Geld auch wirklich erhalten", sagt Karl-Dieter Grüske, Rektor der Uni Erlangen-Nürnberg. "Auch müsste den Hochschulen erlaubt werden, tatsächlich die Qualität auszubauen. Wenn Hochschulen aus den Gebühreneinnahmen mehr Personal einstellen, darf dies nicht automatisch in höhere staatlich regulierte Kapazitäten münden, sondern muss bessere Betreuung ermöglichen."

Das CHE betont, dass die beiden Beispielhochschulen derzeit nicht beabsichtigen, Studiengebühren einzuführen. Sie seien lediglich bereit gewesen, im Sinne einer Versachlichung der Debatte die benötigten Zahlen zur Verfügung zu stellen.

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