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Fotoreportage

"Momente voller Herzlichkeit": Eine Reise durch den Iran, ein Land voller Überraschungen

Er hat eine Mission: Dominik Täuber möchte sich sein eigenes Bild von der Welt machen. Davon, wie viel Wahrheit in den Vorurteilen gegenüber dem Islam steckt, wie berechtigt die Unsicherheit ist. Das Ergebnis ist eine bewegende Reportage aus einem Land, das herzlicher nicht sein könnte. 

"Eine junge Frau arbeitet als Verkäuferin in einem Geschäft in Shiraz. Beim Vorbeilaufen hat mir sofort der Farbkontrast zwischen ihrer Kleidung und der Waren im Hintergrund gefallen und ich habe sie gefragt, ob ich sie fotografieren darf."

"Eine junge Frau arbeitet als Verkäuferin in einem Geschäft in Shiraz. Beim Vorbeilaufen hat mir sofort der Farbkontrast zwischen ihrer Kleidung und der Waren im Hintergrund gefallen und ich habe sie gefragt, ob ich sie fotografieren darf."

"Herrscht dort nicht Krieg?" und "Ist das nicht gefährlich?" Zwei Fragen, die Dominik Täuber mehr als einmal zu hören bekam. Zwei Reaktionen, die ihn, bei seinem Vorhaben in den Iran zu reisen, nicht überrascht haben. Doch der in Oberfranken aufgewachsene Hobbyfotograf hat eine Mission: Er möchte sich selbst ein Bild machen vom mittleren Osten. Davon, wie viel Wahrheit in den Vorurteilen unserer Gesellschaft gegenüber islamischen Ländern steckt, wie berechtigt die spürbare Unsicherheit ist. 

Wie können wir beurteilen, was wir selbst nicht kennen?

In einer Zeit der Verunsicherung und Unwissenheit, in der die Medien sich auf negative Inhalte beziehen, in der die Gesellschaft nicht mehr differenziert, ist es schwer, sich ein eigenes Bild zu machen. So geht es auch Dominik Täuber. Er ist schockiert: Keiner hinterfragt mehr, Meldungen werden von vielen unkritisch aufgenommen, ganze Völker, Länder und Regionen werden mit Vorurteilen behaftet. Die Stimmung gegenüber dem Islam und den Muslimen ist angespannt – doch wie können wir urteilen, wenn wir selbst nie dort waren? Mit diesem Gedanken macht sich Täuber auf den Weg, Land und Leute fotografisch zu dokumentieren: eine Reise durch die islamische Republik des Iran, ein Besuch bei einem Volk im alten Persien.

"Welcome to Iran, welcome to Esfahan!", singt ein Mann und nimmt den Fotografen herzlich in die Arme. Täubers erster Eindruck: freundliche Menschen, interessiert an seiner Geschichte und Person und stolz, dass er ihr Land besucht. Viele möchten ein Foto mit dem Fotografen machen. Sie wollen ihren Familien beweisen, dass es immer noch Leute aus dem Westen gibt, die ihr Land besuchen. In den Gesprächen spürt Täuber die Traurigkeit – darüber, dass viele Westler Angst mit dem Land verbinden. Umso herzlicher wird jeder Gast empfangen: Kaum retten kann sich der Fotograf vor Essenseinladungen, liebevollen Worten, Kindern, die ihm süße Köstlichkeiten schenken, und stolzen Iranern, die ihm ihre Architektur präsentieren.

"Eine Herzlichkeit, die ich nicht gewohnt bin"

Die Leute nehmen sich Zeit für Täuber, tragen ihn sozusagen auf Händen durch ihre Stadt, zeigen ihm eine Herzlichkeit, wie er sie nicht gewohnt ist. Er tauscht sich mit ihnen über die unterschiedlichen Leben aus, lacht und singt mit ihnen, probiert ihre einheimischen Gerichte und genießt jeden gemeinsamen Augenblick.

Ein Moment ist dem Fotografen ganz besonders in Erinnerung geblieben. Er befand sich auf dem Borj-e Milad, einer Aussichtsplattform in 435 Metern Höhe. Vor ihm zwei Iranerinnen, wunderschön gekleidet, volles Haar, das Kopftuch praktisch nur noch als Schal umgeschlungen. Bis ein Polizist sie mit einem knappen Satz und dem Blick auf ihre Köpfe zurechtweist. Sichtlich beschämt über die Ermahnung hüllen sie sich ein. Für Täuber sind es solche kulturellen Unterschiede sowie die Begeisterung für ein Land aus Basaren, Gewürzen und einem Meer an Farben und Gerüchen, die sein eigenes Bild dieses Landes ausmachen.

Zwischen Volk und Regierung muss man unterscheiden

Wenn es ein Gefühl gibt, das der Fotograf im Iran immer wieder spürt, dann ist es die Herzlichkeit seiner Einwohner. Oft weiß er nicht, wo er zuerst hinschauen soll. Überall versammeln sich Nachbarn, Familien, Freunde. Genießen die Gesellschaft und die Atmosphäre. Lachen ihn an, reichen ihm Essen, ziehen ihn in ihre Mitte. "Ich bekam Gänsehaut. So habe ich mir den Orient vorgestellt", erzählt Täuber.

Als Fotograf möchte er sich nicht auf Diskussionen einlassen. Er will lediglich Alltagseindrücke festhalten. Mit seinen Bildern möchte er klarmachen, dass man zwischen Volk und Regierung trennen muss. Dass die Mehrheit der Menschen nämlich in Frieden mit uns leben möchte. 

Weitere Bilder von Dominik Täuber finden Sie auch in unserer VIEW Fotocommunity.

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gho
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