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Einfach vegan: Fleisch essen ist natürlich

Schon unsere Vorfahren ernährten sich hauptsächlich von Fleisch. Vermutlich ist es das Fleisch, das für unsere Entwicklung verantwortlich war. Aber dürfen wir uns heute auf diesem Argument ausruhen?

Fleisch essen, ist vollkommen natürlich. Schon unsere Vorfahren in der Urzeit haben sicher Fleisch gegessen und auch die mit uns verwandten Schimpansen gehen regelmäßig jagen. Ein Argument, das gerne gegen Veganismus vorgebracht wird. Die Zeit in der unsere Vorfahren vom Pflanzenfresser zum Allesfresser wurden, ist schon sehr lange her. Man vermutet, dass die neue Nahrung aus Fleisch oder Insekten für den plötzlichen Entwicklungsschub der Hominiden in der Urzeit verantwortlich war. Aber ist es richtig, sich genau diesen Zeitraum aus der Geschichte zu picken, in dem wir vermutlich anfingen Fleisch zu essen? Weshalb wird die Zeit davor ausgeblendet? Und ist es wirklich das Fleisch, was uns nach vorne gebracht hat, oder vielleicht sehr energiereiche Nahrung? Wurde der Mensch schlauer, weil er Fleisch aß, oder konnte er jagen, weil er schlauer wurde? Vergrößerte Fleisch sein Hirnvolumen oder wuchs es, weil eine neue Sozialstruktur das erforderte? Und die urzeitlich begründete Natürlichkeit? Ist sie ein Grund weiter Fleisch zu essen? Bedeutet natürlich auch moralisch richtig? Darf ich mir ein Argument herauspicken, auch wenn der Rest meines Lebens alles andere als natürlich abläuft?

Mein natürliches Leben
Ich schlafe auf aufgeschäumtem Polyurethan und lasse mich von einem Ding wecken, was seine Zeit automatisch von eine Atomuhr bezieht. Licht mache ich nicht mit dem Reibholz, sondern die Glut entsteht durch Elektronen, die ich durch einen Draht quetsche und sie leuchtet sicher verpackt in einem durchsichtigen Ball aus Glas. Zum Frühstück gibt es Dinge, für die hatten unsere Vorfahren nicht einmal Namen. Das Wasser kommt aus einem Rohr an der Wand und es ist warm, ohne dass ich Feuer machen muss. Dann muss ich schnell zu einer Riesenhöhle, in der viele andere Jäger vor leuchtenden Scheiben sitzen. Selbst, wenn ich die Sonne nicht sehen kann, erwarten sie, dass ich genau zur selben Zeit dort bin, wie sie. Gut, dass ich diesen kleinen, schwarzen Monolithen dabei habe, der mir sagt, dass ich mich beeilen muss. Also rase ich mit meinem stählernen Pferd so schnell es geht. Alles ganz natürlich, oder? Es gab übrigens zur Zeit der ersten Eisenbahn Wissenschaftler, die meinten, dass der Mensch sich nicht schneller als dreißig Kilometer pro Stunde fortbewegen könne, das sei ja nicht natürlich und er würde es einfach nicht aushalten und vermutlich sterben.

Es könnte so einfach sein
Wenn ich Fleischessen mit Blick auf die menschliche Urzeit als natürlich ansehe, könnte ich mit genau dieser Mechanik nicht auch andere Dinge rechtfertigen? Sagen wir mal, Wohnungssuche auf natürliche Art. Da gibt es ein Haus bei uns im Dorf, das gefällt mir ganz gut. Nix, Makler und bewerben und so. Einfach klingeln und sich den Hausherren ansehen. Ist er 1,98 und breitschultrig, ist das Haus doch nicht mehr so toll. Bei 1,68 und schmal gibt’s ein paar auf die Glocke und der Kasten gehört mir. Die Kinder fliegen auch raus, ich will meine eigenen. Die Frau darf bleiben, vielleicht, wenn sie gut aussieht und jung genug ist. Dass ich der neue Dude bin, spricht sich herum. Ein paar Frauen aus der Nachbarschaft schmeißen ihre Kinder dann auch raus, weil sie jetzt unbedingt eins vom neuen Chef haben wollen. Ich muss nicht mehr arbeiten gehen, die kleineren Männer bringen mir immer etwas von ihrer Kohle mit. Schönes Leben, bis es an der Tür klingelt, äh, Höhle klopft und mich ein Zweimetermann anlächelt. Ganz natürlich.