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Einfach vegan: Mit zweierlei Maß

Unser Verhältnis zu Tieren ist schon mehr als absurd. Diese Woche gab es zwei entlarvende Ereignisse. Mit Willkür entscheiden wir darüber, was wir in den Topf stecken. Und mit der gleichen Willkür entscheiden wir darüber, wann das Tierschutzgesetz gilt und wann nicht.

Katzen braten
Meine Kollegin von stern.de berichtete über Katzen, die zu Weihnachten in der Schweiz als Festtagsbraten auf den Tisch kommen. Schweizer dürfen ihre eigenen Katzen töten, braten und essen. Wir dürfen das nicht. Kaninchen geht aber. Was ist der Unterschied zwischen einer Katze und einem Kaninchen, bitte? Wer legt das fest? Und weshalb ist das bei unseren direkten Nachbarn ganz anders?

Möwen retten
Und dann der zweite Fall. In Hamburg wurde der Berufsverkehr lahmgelegt, weil eine Möwe mit gebrochenem Flügel auf den Gleisen lag. Eine halbe Stunde dauerte der Einsatz der Polizei, zahlreiche Pendler kamen zu spät. Die Bahn begründete ihr Vorgehen damit, dass sie grundsätzlich auf Tiere achte und sie zitierte das Tierschutzgesetz „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“

Hühner quälen
Was ist ein vernünftiger Grund? Wenn man zum Beispiel Lust auf ein leckeres Hähnchen Curry hat, dann ist es erlaubt, die männlichen Küken in den Schredder zu werfen oder zu vergasen. Den Weibchen werden ohne Betäubung die Schnäbel gekürzt, sie werden zu Tausenden auf engstem Raum zusammengepfercht, ein Huhn hat kaum mehr als ein DIN A 4 Blatt Platz, gemästet, bis sie unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen. Sind sie dick und fett zieht man sie durch ein elektrisch geladenes Wasserbad und schneidet ihnen anschließend den Kopf ab. Hat man Lust auf ein Schweinefilet, dann ist es vollkommen o.k., wenn man kleinen Ferkeln ohne Betäubung die Hoden aus dem Skrotum reißt. Muttersäue darf man in so enge Käfige stecken, dass sie sich nicht mehr umdrehen können. Beim Schlachten ist in zehn Prozent der Fälle die Betäubung so mangelhaft, dass diese Tiere ihre eigene Schlachtung bei vollem Bewusstsein erleiden müssen. Hat man Lust auf ein Glas Milch, dann darf man eine Kuh gewaltsam schwängern, ihr direkt nach der Geburt das Kalb wegnehmen und die Milch trinken, die eigentlich für ihr Kalb gedacht war. Kein Problem, denn das Kalb wird eh bald getötet.

Geld verdienen
Liegt aber eine Möwe auf den Gleisen, dann ist sie auf einmal ein schützenswertes Geschöpf. Der Bahnverkehr kommt zum Erliegen, Tausende zu spät zur Arbeit, Termine platzen, Geld geht verloren, die Stadt erlebt ein kurzzeitiges Chaos. Kein Grund. Aber Gaumenfreude ist ein Grund Tiere zu töten. Und Fleisch billig anzubieten ist ein Grund Tiere zu quälen, denn Masse und niedriger Preis sind nicht anders zu machen. Dass es aber auch ohne Qual geht, zeigt Familie Maier mit ihren Uria Rindern. Aber sie können nur kleine Mengen verkaufen und ihr Fleisch kostet das Doppelte. Wer es billiger anbieten will und dabei noch Geld verdienen möchte, kommt um qualvolle Zustände scheinbar nicht drumherum. Also ist ein guter Grund Marge und Profit. Das gilt aber nur für die Tierindustrie, nicht für die Bahn. Und für den Genuß von Fleisch darf man auch ein Tier töten. Gilt für Kaninchen, aber nicht für Katzen. Kann mir das mal jemand erklären?