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Einfach vegan: Zehn Euro geschenkt – für eine Stunde Kino

Der Hamburger Norman Gagg hat sich eine sehr ungewöhnliche Aktion ausgedacht. Er möchte gerne mehr Menschen dazu bringen, sich damit auseinanderzusetzen, woher unser Fleisch kommt und wie wir mit Tieren umgehen. Er glaubt, dass den meisten einfach nur die Information als Grundlage für dieses Nachdenken fehlt. Deshalb schenk er interessierten Menschen nicht nur einen Kinobesuch, sondern jeder Zuschauer, der sich am 21. November die Dokumentation „Earthlings“ bis zum Ende ansieht, bekommt von ihm zusätzlich zehn Euro.

Er hält das für einen lohnenden Weg. Wenn nach dem Film nur ein einziger 25-jähriger Zuschauer für den Rest seines Lebens keine tierischen Produkte mehr konsumiert, rechnet Gagg mit 7500 Tieren, die nicht gegessen werden. Vermutlich ist das ziemlich pessimistisch gerechnet, denn in Veganerkreisen glaubt man, dass kein anderer Film mehr Menschen zum Veganismus gebracht hat, als „Earthlings“.
Der Schauspieler Joaqin Phoenix (Gladiator, Walk the Line, Her) ist der Sprecher des Films und er sagte: „Von allen Filmen, in denen ich mitgewirkt habe, ist dieser der, über den am meisten gesprochen wird. Jede Person, die „Earthlings“ gesehen hat, wird davon drei weiteren Personen erzählen.“ Auch Norman Gagg ist von der Macht des Filmes überzeugt, er finanziert das Projekt aus eigener Tasche und aus Spenden, und er hat sogar schon Nachahmer in Nürnberg gefunden.

Eine preisgekrönte Dokumentation
Shaun Morgan, der Produzent und Regisseur des Filmes brauchte sechs Jahre, um den Film fertigzustellen, denn in einigen der gezeigten Industriebereiche war es besonders schwer, zu drehen. 2005 wurde der Film veröffentlicht und er wird heute von vielen Organisationen für den bedeutendsten Film im Bereich Tierrecht gehalten.
Der Film gewann eine Auszeichnung als beste Dokumentation auf dem Artivist Film Festival und auf dem San Diego Film Festival, sowie einen Preis für den besten Inhalt auf dem Boston International Film Festival. Joaquin Phoenix erhielt den Humanitarian Award für sein Mitwirken in diesem Film. Die Musik stammt von Moby.

Alltag der Tierindustrie
Ich habe den Film vor vielen Jahren gesehen und ich fand ihn unglaublich beeindruckend. Obwohl ich von einem Bauernhof komme und selbst beim Schlachten von Hasen und Rehen dabei war, hat mich der Film schockiert. Er zeigt das Alltägliche, die Routine und die Normalität in der Fleisch- und Pelzindustrie in seiner ganzen Brutalität. Er zeigt, wie wir Tiere behandeln und welchen Wert wir ihnen zugestehen. Es sind harte, ekelhafte, unangenehme Bilder und teilweise sind sie wirklich unerträglich. Manche Zuschauer sagen, dass sie nach dem Film Albträume haben. Es wird einem durch „Earthlings“ klar, wie weit die schöne Werbewelt der glücklichen Tiere und das wirkliche Leben und Sterben der Tiere auseinander liegen. In dem Film gibt es einen häufig kritisierten Vergleich von Mastanlagen mit Konzentrationslagern. Dieser Vergleich ist menschenverachtend und falsch, selbst wenn die mechanische Massentötung von Mensch und Tier Parallelen hat. Schlachthöfe sind Teil eines ökonomischen Systems, die Shoah war die geplante Vernichtung einer ganzen Kultur. Die Peta hat auch diesen Vergleich in einer ihrer Kampagnen benutzt, sie wurde als meschenverachtend verboten und durfte nicht mehr gezeigt werden. Wegen des Vergleichs wurde auch in einigen Städten gegen die Aufführung des Films protestiert und zum Boykott aufgerufen. Mich hat der Film damals stark bewegt, er hat mich aber nicht dazu gebracht Vegetarier oder Veganer zu werden. Vermutlich weil die Szenen alle nicht aus Deutschland stammen und dann die Verdrängung nach dem Motto „Bei uns wird das nicht so schlimm sein“ ganz gut funktionierte. Erst das Buch „Tiere essen“ hat mir gezeigt, dass bei uns nicht viel anders mit Tieren umgegangen wird. Eine Szene aus dem Film hat sich trotzdem in meinen Kopf eingebrannt: Einem Hund oder Fuchs in einer Pelztierfarm wird ohne richtige Betäubung das Fell abgezogen und der vermeintlich tote Körper wird auf einen Haufen mit anderen toten Tieren geworfen. Er hebt den Kopf und schaut in die Kamera.

Die Aktion findet am 21. November am späten Nachmittag im Abaton Kino in Hamburg statt. Auf der Homepage earthlings-kino.de kann man sich für zehn Euro eine Karte reservieren. Sieht man sich den Film bis zum Schluss an, bekommt man danach zwanzig Euro zurück.