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Interview

Star-Koch Jamie Oliver: Töchter durchtrennten Nabelschnur des Bruders: "Es war der richtige Augenblick für uns als Familie"

Es vergeht kaum ein Monat, indem Jamie Olivers Postings nicht für erhitzte Gemüter oder Diskussionen sorgen. Im stern-Interview spricht der Starkoch über Shitstorms im Netz und warum er seine Töchter, die Nabelschnur ihres Bruders durchtrennen ließ.

Jamie Oliver

Jamie Oliver und seine Familie mit dem Neugeborenen im August 2016 in London. Die zwei ältesten Töchter durchschnitten die Nabelschnur ihres Bruders.

Seit Jahrzehnten ist Jamie Oliver mit seinem Gastro-Imperium dick im Geschäft. Seine Familie ist es, die ihn erdet. Im ersten Teil des stern-Interviews spricht der Starkoch über Burn-outs, Ernährung und die Pflichten eines Familienvaters. Lesen Sie mehr dazu hier.

Im zweiten Teil des Interviews spricht der Star-Koch über polarisierende Posts, Vaterfreuden mit 42 und das Erfolgsrezept seiner Ehe

In Ihre Sendungen fließt viel von Ihrem Privatleben ein: Familienstreits, Tränen und die Kameras sind immer dabei. Auch auf Ihrem Instagram-Kanal hat man oft das Gefühl mittendrin statt nur dabei zu sein, wenn Sie mit ihren Kindern  im Garten spielen. Ist das Teil Ihrer Vermarktungsstrategie?

Die TV-Kameras sind nur dabei, wenn ich das so will. Oft gehen sie mir ziemlich auf die Nerven. Soziale Netzwerke wie Instagram nutze ich dagegen gezielt, um mit meinen Fans zu interagieren und den Menschen meine Gedanken zu teilen. 

Es vergeht kaum ein Monat in dem nicht eines Ihrer Postings für erhitzte Gemüter oder Diskussion sorgt. Ob Sie sich nun mit Premierministerin Theresa May wegen des Essens an den britischen Schulen anlegen oder ein Paella-Rezept mit Chorizo posten - der Shitstrom ist meistens vorprogrammiert. Gewöhnt man sich daran?

Erinnern Sie mich bloß nicht daran! Bei sechs Millionen Follower auf Instagram kann man es nicht jedem recht machen, und in Bezug auf kritische Kommentare habe ich mir ein dickes Fell zugelegt. Ich teile ja auch gerne aus und muss daher auch einstecken können. Auf den Shitstorm, den mein Paella-Rezept mit Chorizo unter den Spaniern ausgelöst hat, war ich allerdings überhaupt nicht vorbereitet. Es war abstrus, die reinste Hexenjagd. Es schien fast so, als habe sich ganz Spanien gegen mich verschworen. Menschen schrieben auf Twitter, ich hätte nicht nur die spanische Gastronomie, sondern auch die Kultur des Landes beleidigt. Nur wegen ein bisschen Wurst! Mal abgesehen davon: Mit Chorizo schmeckt Paella 1000 Mal besser! (lacht)

Dass Ihre Töchter Poppy und Daisy die Nabelschnur durchtrennen, durften als Ihre Frau Jools im vergangenen August Ihren jüngsten Sohn Rocket Bean zur Welt brachte, hatten Sie ebenfalls auf Instagram gepostet. Was folgte, waren heftige Debatten darüber, ob eine Kinderseele diesen Eindrücken überhaupt gewachsen sei.

Diese Diskussion hat mich schon ein bisschen entsetzt. Es war das richtige Alter für meine Töchter, und der richtige Augenblick für uns als Familie. Natürlich waren sie total emotional, als ihnen der Kleine übergeben wurde, aber auf eine positive Weise. Ich weiß, sie respektieren ihre Mama jetzt noch mehr als zuvor. Es war auch keine spontane Idee. Wir hatten uns das vorher lange überlegt und haben den Entschluss gemeinsam getroffen.

Nach der Geburt meinten Sie, die Familienplanung sei nun endgültig abgeschlossen. Wie stehen Sie heute dazu, ein Jahr nach Rockets Geburt? Ist der Ofen endgültig aus oder darf es noch ein Nachschlag geben?

Ich war nach der Geburt meines Sohnes sehr glücklich, aber auch sehr, sehr platt, und meine Frau hatte mich wegen meiner Aussagen ganz schön gerüffelt. Ihrer Meinung nach sollte man niemals nie sagen. Ich dachte ja schon nach dem vierten Kind, dass wir mit der Familienplanung durch sind. Aber da habe ich die Rechnung ohne Jools gemacht. Sie ist diejenige, die den Kindermotor am Laufen hält und ich mache einfach nur, was mir aufgetragen wird (lacht). Ich würde also sagen, die Chancen, dass wir noch mal Eltern werden, stehen bei 50:50 - mit Tendenz zu 70:30 dagegen. Mit 42 sollte man sein biologisches Glück nicht überstrapazieren. Außerdem habe ich keinen Platz mehr in meinem Auto. Bei einem weiteren Kind müssten wir uns einen Kleinbus kaufen und ich hasse Busse.

Können Sie die Vaterfreuden mit 42 mehr genießen als noch mit 27 als Sie zum ersten Mal Vater wurden?

Ja, auf jeden Fall! Als meine ersten drei Kinder auf die Welt kamen, war ich an allen Ecken umtriebig und schwer mit dem Aufbau meiner Firma und den Shows beschäftigt. Ich möchte das nicht entschuldigen. Ich tat, was ich tun musste. Wenn man mit Mitte 20 die Chance erhält mit Leidenschaft etwas aufzubauen, dann tritt man nicht auf die Bremse, sondern gibt Vollgas. Auch heute kann ich nur schwer ein paar Gänge zurückschalten, aber ich gehe die Dinge gelassener an. Was bei fünf Kindern in verschiedenen Altersklassen auch besser ist. Bei uns zu Hause herrscht manchmal das totale Chaos. Es ist ein täglicher Kampf mit Windeln, die überall herumliegen, auf den Stühlen und Treppen. Unsere beiden ersten Kinder sind Teenager und dazu auch noch Mädchen, die nicht viel mit dem Anfangen können, was ich ihnen zu bieten habe. Mein ältester Sohn ist sechs und fängt gerade an, sich für Fußball zu begeistern.

Sie haben Ihre Frau mit 17 Jahren in der Highschool kennengelernt und im Jahr 2000 geheiratet. Was ist das Erfolgsrezept Ihrer Ehe?

Jools ist nicht nur meine Ehefrau und die Mutter meiner Kinder. Sie ist auch meine beste Freundin. Uns verbindet ein tiefer Respekt voreinander. Wenn wir privat sind, reden wir nie über die Arbeit, das finde ich wichtig. Meine Follower auf Instagram wissen womöglich mehr über meine tägliche Arbeit als meine eigene Frau. Bei fünf Kindern ist es außerdem wichtig, sich Freiräume zu gönnen und den anderen auch mal aus der Schusslinie zu nehmen. Wenn ich merke, dass Jools gestresst ist, organisiere ich uns einen kinderfreien Abend und bekoche sie vom Allerfeinsten.

Hat Ihre Frau bei Ihnen zu Hause die Hosen an?

Auf jeden Fall. Leider ist sie eine furchtbare Köchin – sie macht immer nur Eintopf. Aber die Kinder lieben es. Ich habe große Ehrfurcht vor der Leistung meiner Frau als Mutter. Sie hält das tägliche Chaos unter Kontrolle und ist wirklich die wunderbarste Mutter, die man sich nur wünschen kann. 

Interview: Renato Leo