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Interview

Star-Koch Jamie Oliver: "Ich habe Salz komplett aus meiner Ernährung verbannt"

Seit Jahrzehnten ist Jamie Oliver mit seinem Gastro-Imperium dick im Geschäft. Seine Familie ist es, die ihn erdet. Im ersten Teil des stern-Interviews spricht der Starkoch über Burn-outs, Ernährung und die Pflichten eines Familienvaters.

Jamie Oliver

Regelmäßige Work-outs, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf Salz – Jamie Olivers neuer Lebensrhythmus

Herr Oliver, Sie sind Ehemann, Vater von fünf Kindern und Chef eines Gastronomie-Imperiums mit über 6000 Mitarbeitern. Fallen Sie damit in die Kategorie gestresste Berufstätige, die Sie mit Ihrer neuen Koch-Show und dem dazugehörigen Buch "Jamies 5-Zutaten-Küche" erreichen wollen?

Kann man so sagen, ja. Ich habe in meinen vorherigen 19 Büchern die verschiedensten Aspekte des Kochens unter bestimmten Voraussetzungen aufgegriffen. Kochen unter Zeitdruck, für den schmalen Geldbeutel und so weiter. Die Rezepte in meinem neuen Buch basieren auf jeweils fünf Zutaten und richten sich an Studenten genauso wie an Berufstätige, denn im Grunde genommen will doch jeder gut und günstig kochen und das mit möglichst geringem Aufwand. 

Es ist noch gar nicht so lange her, da klagten Sie über Kreislaufprobleme, Schlafmangel und standen nach eigenen Angaben kurz vor einem Burn-out. Wie geht es Ihnen heute?

Sehr gut, sieht man mir das nicht an? (kneift sich in an der Hüfte) Ich habe zwölf Kilo abgenommen und lebe jetzt viel ausgeglichener und gesünder als noch vor zwei Jahren.

Fiel Ihnen diese Umstellung leicht?

Nein, überhaupt nicht. Ich musste meinen bisherigen Lebensrhythmus komplett umstellen, aber ich wusste, dass es fünf vor zwölf ist. Ich konnte den Burn-out förmlich riechen. Wenn du 40 wirst, denkst du, du hast noch Zeit, aber die Uhr tickt. Dein halbes Leben ist schon vorbei, das ist einfach so. Ich möchte so alt wie möglich werden, aber dafür muss man ein entsprechendes Leben führen. Das sind nun mal die Regeln des Spiels.

Fragen. Verstehen: Ist (zu) salziges Essen wirklich schädlich?

Mehr Struktur im Arbeitsalltag, keine spätabendlichen Leckereien und viel Bewegung – muss man sich die Maßnahmen ungefähr so vorstellen?

Genau. Ich konsultierte Ernährungsexperten und Schlafwissenschaftler und stellte eine Liste von Dos und Don'ts auf. Zu den Don'ts zählt ganz klar Salz, das ich komplett aus meiner Ernährung verbannt habe. Außerdem trinke ich keinen Alkohol mehr nach 22 Uhr. Meine Do-Liste besteht im Wesentlichen aus regelmäßigen Work-outs im Fitnessstudio und ausreichend Schlaf, denn wer zu wenig Schlaf bekommt, lebt nicht nur ungesund, sondern nimmt auch zu. Schlaf ist mir sehr wichtig geworden. Ich habe nie genug davon bekommen und nicht verstanden, wie kostbar er ist. Mit Ende zwanzig schlief ich nie länger als dreieinhalb Stunden am Tag. Jetzt behandle ich meinen Schlaf wie Arbeit. Ich habe so ein vibrierendes Ding, das mich daran erinnert, wann es Zeit ist, ins Bett zu gehen. Mit 42, wie bei einem Kleinkind. (lacht). Aber sonst würde ich bis spät in die Nacht arbeiten und Emails beantworten.

Sie sind es gewohnt, hart zu arbeiten. Mit fünf Jahren halfen Sie schon in der Gaststätte Ihrer Eltern aus, spülten Gläser hinter der Theke und schnitten Gemüse in der Küche. Ihre älteste Tochter Poppy wird nächstes Jahr 16. In dem gleichen Alter sind Sie von der Schule abgegangen um Ihre Koch-Ausbildung zu absolvieren.

Ich bemühe mich, meinen Töchtern die gleiche Arbeitsmoral einzutrichtern, wie ich sie damals von meinen Eltern beigebracht bekommen habe. Ich würde mir wünschen, dass sie in der Gaststätte ihres Großvaters aushelfen, so wie ich das getan habe. Ich habe dort in einem jungen Alter schon wertvolle Lektionen für mein späteres Leben gelernt. Wie man respektvoll und freundlich mit seinen Mitmenschen umgeht. Höflich zu bleiben, obwohl du im Stress bist und dir die Füße schmerzen. Die wichtigste Lektion aber war: Wenn du etwas erreichen möchtest, musst du dafür deine Ärmel hochkrempeln und dich ins Zeug legen. Mit neun Jahren konnte ich genauso gut mit dem Messer umgehen wie heute. Ich kochte schon damals geiles Zeug. 

Ihre Shows und Bücher haben Sie zu einem Weltstar gemacht. In Großbritannien sind Sie mehr als das. Ihr Ansehen ist mit dem der Queen vergleichbar, die Sie 2003 zum "Order of the British Empire" ernannt  hat. Was macht das mit Ihren Kindern, wenn Daddy ein Ritter und Nationalheiligtum ist?

Für meine Kinder bin ich kein Star, sondern derjenige, der morgens den Müll rausbringt. Natürlich wachsen sie in privilegierten Verhältnissen auf, es fehlt ihnen an nichts. Aber bei uns wirft niemand mit Geld um sich und meine Frau und ich achten sehr darauf, dass unsere Kinder so normal wie möglich aufwachsen. Ich glaube, dass die meisten Kinder prominenter Eltern auch deshalb durchdrehen, weil sie ihr Leben lang verhätschelt oder vernachlässigt wurden und man ihnen nie eine gesunde Einstellung zu Geld und Arbeit vermittelt hat.

Als meine älteste Tochter Poppy 14 wurde, sprach ich mit ihr über ein paar Fehler, die ich in meinem Leben gemacht habe. Ich wollte, dass sie versteht, dass jeder Erfolg seinen Preis hat und man sich immer selbst treu bleiben muss. Ich erwarte von meinen Kinder nicht, perfekt zu sein. Ebenso wenig, dass sie eines Tages in meine Fußstapfen treten. Es wäre natürlich schön, wenn zumindest eines meiner Kinder mir nachfolgen und mein Unternehmen eines Tages übernehmen würde. 

Sie sagten einmal, mit 18 war es Ihr Ziel, so viele Frauen wie möglich ­flachzulegen.

Das habe ich gesagt? (Lacht.) Keine Frage, hätten damals 100 Frauen mit mir schlafen wollen – ich hätte sie alle genommen. Aber leider interessierte sich keine für mich.

Was sich schlagartig änderte, als Sie durch Ihre erste Kochshow "The Naked Chef" bekannt ­wurden.

Wissen Sie, mit Anfang 20 gab es viele unerhörte Momente: Nacktfotos im Briefkasten, Mädchen, die sich an mich warfen.

Hat Sie das verändert?

Überhaupt nicht. Ich bin mit derselben Frau zusammen, seit ich 17 bin. Die meisten Freunde stammen noch aus meiner Schulzeit – und treten mir gehörig in den Hintern, wenn es nötig ist. Und in der Arbeit bin ich von einem Rudel Rottweiler umgeben: lauter Frauen. Die sorgen dafür, dass ich nicht außer Kontrolle gerate (lacht). Zuhause ist es nicht anders. Ich habe einen seltsamen Job, ein seltsames Leben. Da ist es gut eine Familie zu haben, die einen erdet.

Ab Donnerstagabend, 5. Oktober, 20.15 Uhr läuft Jamie Olivers neueste Kochreihe "Jamies 5-Zutaten-Küche" auf RTL Living. 

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