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Nach "NDR"-Recherchen: Restaurants schummeln beim Fisch: So mies ist die Qualität an der Ostsee

Wer unweit vom Meer Urlaub macht, der freut sich auf einen frischen Fisch im Restaurant. Doch die Realität sieht oft anders aus: tranig in der Nase, ungenießbar auf dem Gaumen. So steht's um die Fisch-Qualität an der Ostsee.

Die Scholle kommt eigentlich aus der Ostsee. Trotzdem wird sie oft tiefgefroren.

Die Scholle kommt eigentlich aus der Ostsee. Trotzdem wird sie oft tiefgefroren.

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Fischrestaurants an der Ostseeküste sind vor allem bei Touristen sehr beliebt: Der Fisch kommt schließlich frisch aus dem Meer auf den Teller. So zumindest die Annahme der Verbraucher. Aber ist der Fisch wirklich immer frisch? Der "NDR" hat einen Fisch-Sommelier zum Frische-Test begleitet und herausgefunden: Die Realität sieht leider anders aus.

Mit versteckter Kamera besuchen der Fisch-Experte und eine "NDR"-Redakteurin verschiedene Fischrestaurants in Heiligenhafen. Beim ersten Blick auf die Speisekarte ist die Auswahl an Fischgerichten riesig. Ist der auch frisch?, fragen die Tester die Angestellte. Ihre Antwort ist erstaunlich: 100 prozentigen frischen Fisch dürfen sie nicht verkaufen, der müsse vorher wegen der Kontrolle vorher tiefgekühlt sein.

Der Sommelier klärt auf: So eine Vorschrift gebe es nur bei Fisch für Sushi, bei Hering und Matjes. Die müssen einen Schutzfrost haben. Der Fisch wird dafür über 20 Stunden lang auf circa minus 20 Grad Celsius tiefgekühlt, damit alle Keime absterben. Seelachs und Dorsch darf man dagegen bedenkenlos frisch verkaufen.

Die Tester bestellen im ersten Restaurant direkt am Yachthafen Scholle Finkenwerder Art und Pannfisch mit Senfsauce. Das Fazit: essbar, geschmacklich aber tranig und matschig. Das Fleisch der Scholle beispielsweise zieht durchs Einfrieren viel Feuchtigkeit. Beim Auftauen und Weiterverarbeiten wird der Fisch dann von der Konsistenz faserig und weich.

Häufig landet TK-Ware vom Großhändler auf den Tisch

Wie sieht es auf Fehmarn aus? In einem Restaurant bekommen die Tester keine Scampi, sondern günstigere Garnelen aufgetischt. Die Betreiber entschuldigen sich später, es sei ein Fehler des Lieferanten, der bereits behoben wurde. Die Scholle aber soll frisch aus der Ostsee sein. Das Ergebnis? Viel Flüssigkeit deutet auf TK-Ware hin. Ein Kellner streitet das auch nicht ab und sagt sogar, dass es geschmacklich keinen Unterschied mache, ob frisch oder TK-Ware. Der Sommelier ist da anderer Meinung.

Im nächsten Restaurant gibt es einen Ostseeteller. Welcher Fisch ist da drauf?, wollen die Tester wissen. Bei der Antwort horcht der Fischexperte auf: Rotbarsch, Seelachs und Dorsch ist die Antwort der Kellnerin. Dabei gibt es weder Rotbarsch, noch Seelachs in der Ostsee. Der Name ist also irreführend. Rotbarsch und Dorsch sind zudem TK-Ware. Die Begründung der Betreiber: Es gebe nicht mehr viele lokale Fischer, von denen man Ware beziehen könnte. Der Großteil wird vom Großhändler bezogen.

Von fünf getesteten Restaurants konnte nur eins den Fisch-Sommelier überzeugen. Er empfiehlt das Restaurant "Nordpol" in Heiligenhafen, dort haben die Tester frischen Fisch erhalten. Das Fazit der Experten: Nur weil das Restaurant an der Ostsee liegt, sollte man nicht erwarten, dass der Fisch frisch auf den Teller kommt.

Die ganze Sendung können Sie hier in der Mediathek sehen!

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