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Paleo im Selbstversuch: Habe ich die Low-Carb-Grippe?

Tag 21-23: Dieser Paleo-Selbstversuch ist ein ewiges Auf und Ab. Das soll auch so sein. Trotzdem muss ich gerade sehr mit mir kämpfen. Und was ist dran an der Low-Carb-Grippe?

Von Denise Wachter

Bin ich krank? Habe ich eine Low-Carb-Grippe? Schnief, schnief.

Bin ich krank? Habe ich eine Low-Carb-Grippe? Schnief, schnief.

Fast hätte ich diesen Text nicht schreiben können, denn seit einigen Tagen quäle ich mich mit perfiden Wortfindungsstörungen und Nebel im Kopf. Mir geht es nicht gut. Morgens wache ich auf und bin müde, im Büro kann ich mich kaum konzentrieren, weil mir die Augen fast zufallen, obwohl ich ausreichend geschlafen habe. Acht Stunden schaffe ich locker pro Nacht. Ich habe es mit Sport versucht. Normalerweise habe ich keine Probleme, 30 bis 45 Minuten auf dem Crosstrainer zu strampeln und mich danach noch ausgiebig bei einem einstündigen Pilates-Kurs zu dehnen. Jetzt aber fühlen sich zwanzig Minuten auf dem Laufband an, als wäre ich 100 Kilo schwer und hätte in meinem Leben noch nie Sport gemacht.

Zwei Tage lang hatte ich keine Lust zu sprechen und wegen jeder Kleinigkeit hätte ich aus der Haut fahren können. Im Moment sollte man lieber einen Bogen um mich machen, denn meine Launen sind unberechenbar. Sollte ich mich nach der Ernährungsumstellung nicht besser fühlen anstatt schlechter? Also was soll das?

Man ist irgendwie im Nebel

Paleo-Pionier #link;Paleo-Pionier ;Mark Sisson# spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer "Low Carb Flu", einer Art Grippe, die auftritt, wenn man deutlich weniger Kohlenhydrate zu sich nimmt: Der Kopf ist langsamer, irgendwie im Nebel, alles wirke verschwommen. "Obwohl der Körper schon so weit wäre, ein Rennen zu bestreiten, könne der Kopf hinterherhinken wie ein kleiner Bruder im wattierten Schneeanzug", schreibt er. Das trifft es ziemlich gut. Dieser Zustand könne einige Wochen (!) andauern. Na toll!

Ich habe mich mit einigen Paleo-Gruppen auf Facebook unterhalten, alle fragten mich, ob ich zu wenige "gesunde" Kohlenhydrate in Form von Obst und Gemüse zu mir nehme. Eigentlich ist es klar, denn Kohlenhydrate sind Energielieferanten. Dennoch haben die meisten Paleo-Anfänger zu Beginn die gleichen Schwierigkeiten. Bin ich zu ungeduldig? Und vor allem, wo ist die versprochene Energie? Auf die warte ich leider nach wie vor. Dennoch beschwichtigen mich die Paleo-Anhänger auch, sie sagen, es geht vorbei. Natürlich funktioniert jeder Körper individuell, deshalb kann die Umstellung bei manchen auch länger dauern.

Wichtig ist es, nach einer Woche ordentliche Portionen "gesunde" Kohlenhydrate wie Kürbisse, Maniok, Yams, Maronen, Kochbananen und Pastinaken zu essen. Warum die gesünder sind als andere Kohlenhydrate, kann mir aber auch niemand so genau erklären. Außer der Wink mit den Antinährstoffen, die beispielsweise im Gluten (Klebereiweiß im Weizen) enthalten sind, die können unter Umständen krank machen, wie es ein User formuliert. Diese Antinährstoffe können dem Verdauungstrakt schaden und zu weiterführenden Erkrankungen wie Diabetes, Entzündungen und Multiple Sklerose führen. Wissenschaftlich sind diese Theorien bislang umstritten. Dennoch gibt es einige Krankheitsfälle, die das bestätigen. Dazu an anderer Stelle mehr.

Kokosnuss, bäh

Das Schlimmste ist, ich kann langsam keine Kokosnuss mehr sehen, und auch kein Fleisch, keine Eier, kein Gemüse. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich gerne einen Burrito mit ganz viel Käse essen. Aber schon zwickt mich das schlechte Gewissen. Das ist ja nicht Paleo. Dass man gegen Gelüste nach wie vor kämpfen muss, ist normal, so geht es auch den Paleo-Gurus wie Nico Richter, der greift schon mal nach einer Brezel. Oder die Amerikanerin Danielle Walker, die sagt, dass sie täglich um die richtigen Entscheidungen und gegen ihr Verlangen kämpft, das zu ihr zunehmen, was auch alle anderen essen.

Wenigstens werde ich mittlerweile satt und die Hose sitzt an Beinen, Po und Bauch auch schon etwas lockerer, was mich motiviert, weiter zu machen. Trotzdem wünschte ich mir den ersehnten Energieschub. Gerne würde ich einen Text verfassen, der nur vor Enthusiasmus gegenüber Paleo sprüht, aber momentan ist das einfach nicht möglich. Mal sehen, was die letzte Woche bringt. Vielleicht ein Wunder?

Sie können Denise Wachter hier auf Twitter folgen: @wachter_denise

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