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In den USA: Warum dieser Fleischbrei jetzt als Hackfleisch verkauft werden darf

Das US-amerikanische Unternehmen "Beef Products" produziert einen Fleischbrei, der aus unverkäuflichem Fleisch und Separatorenfleisch besteht. Die entstandene Masse wird dann mit Ammoniak behandelt. In den USA darf sich das Zeug jetzt Hackfleisch nennen.

Pinker Schleim Hackfleisch

Die Fleischmasse von "Beef Products" darf jetzt als Hackfleisch gelabelt werden

Getty Images

Vor gut 28 Jahren erfand das amerikanische Unternehmen "Beef Products" ein Produkt namens LFTB, lean finely textured beef, was so viel bedeutet wie "mageres, fein strukturiertes Rindfleisch". Einige Jahre später wurde das LFTB zusätzlich mit Ammoniak behandelt, um es haltbarer zu machen und um Kontamination zu verhindern. Einst nannte "ABC News" das Zeug "pinken Schleim" und musste dafür tief in die Tasche greifen. "Beef Products" klagte auf Rufmord. Das Gericht gab dem Unternehmen Recht. Sieht man sich die Fleischmasse aus der Nähe an, könnte der Eindruck entstehen, dass "ABC News" mit der Bezeichnung gar nicht mal so falsch lag. Das amerikanische Landwirtschaftministerium (USDA) hat jetzt beschlossen den Fleischschleim einfach als Hackfleisch zu labeln. Wie konnte es soweit kommen?

Um zu verstehen, worum es sich beim LFTB wirklich handelt, sollte man sich das Verfahren näher ansehen. An sich ist nichts daran auszusetzen. Für die Herstellung werden Fleischreste genommen, die ansonsten im Müll gelandet, verbrannt oder für Tiernahrung verwendet worden wären. Wie der Name besagt, besteht das LFTB aus Rindfleisch, die Produktion kann aber auch für andere Fleischarten adaptiert werden. Zur Herstellung verwendet man unverkäufliches Fleisch und Separatorenfleisch.

Separatorenfleisch ist ein Fleischbrei, den viele Verbraucher als eklig und minderwertig ablehnen. Das pinke und breiige Separatorenfleisch wird maschinell und unter hohem Druck von ausgelösten Knochen abgetrennt und zerkleinert. Meist werden dazu die fleischbehafteten Knochen grob zerkleinert und anschließend durch einen löchrigen Zylinder gedrückt. Knochen und Knorpel bleiben im Zylinder, der pinke Schleim wird gesammelt, das Separatorenfleisch. Lesen Sie mehr dazu hier.

Der Fleischbrei ist in Deutschland verboten

Wegen des BSE-Skandals ist Separatorenfleisch vom Rind, Ziege und Schaf in Deutschland verboten, weil es Teile des Rückenmarks oder des Nervengewebes enthalten kann und damit auch Prionen, die unter Umständen die Creutzfeld-Jakob-Krankheit auslösen könnten. Separatorenfleisch vom Geflügel und auch vom Schwein ist hingegen gesetzlich erlaubt.

Der Fleischbrei von "Beef Products", der in den Medien und unter Kritikern auch "pinker Schleim" genannt wird, darf in den USA indes sowohl Fleischreste als auch Separatorenfleisch enthalten, auch vom Rind. Verwendet wird das Produkt zur Streckung von Hackfleisch. Alternativ wandert es in Hackfleischgerichte wie Hamburger, Frikadellen und für Saucen in der Systemgastronomie, auch zur Schulspeisung.

Kritisch hingegen wird die Behandlung des Fleischbreis mit Ammoniak betrachtet. Das sollte eigentlich die bakterielle Belastung und die daraus resultierende Geruchsentwicklung vermeiden. Das Problem: Mit Ammoniak behandeltes Hackfleisch war relativ häufig mit E.Coli und Salmonellen kontaminiert. Das hat die "New York Times" in einer großflächigen Analyse von Qualitätskontrollen herausgefunden.

Kein Unterschied mehr zwischen Hack und Fleischschleim

2012 verklagte "Beef Products" das Medienunternehmen "ABC News", weil sie den Begriff "pinker Schleim" für den Fleischbrei verwendet hatten. Die Klage endete 2017 mit einem Vergleich über 177 Millionen US-Dollar. Die höchste Summe, die in so einem Fall je gezahlt wurde. 

Was neu ist: Die USDA hat in der Zwischenzeit, den "pinken Schleim" überprüft und ist zum Schluss gekommen, dass man den Fleischschleim einfach als normales Hackfleisch bezeichnen sollte. Der Grund hierfür: "Beef Products" bezeichnet den Fleischbrei nun als ein neues Produkt, das optimiert wurde. Was genau sie verändert haben, ist nicht bekannt. Für den Kunden aber ist die Entscheidung verherrend, denn es gibt nun keine Möglichkeit mehr, die Fleischschleim-Frikadelle, die mit Ammoniak behandelt wurde, von einem normalen Burger zu unterscheiden. 

Quellen: "USDA", "New York Times", "New Food Economy"

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