HOME

Gut zu wissen: Was ist eigentlich Separatorenfleisch – und ist es wirklich so eklig?

Bei Separatorenfleisch handelt es sich um nichts anderes als Fleischbrei, der unter hohem Druck von ausgelösten Knochen abgetrennt und zerkleinert wird. Klingt eigentlich ganz harmlos. Ist es das auch? Wir klären auf.

Separatorenfleisch

Als pinker Schleim wurde Separatorenfleisch bekannt

ZDF

Vorherige Woche schickte das Team von "Frontal 21" eine gepanschte Wurst zur DLG und räumte eine Silbermedaille ab. Die Wurst ist verkehrsfähig. Darin enthalten: 9% Fleisch, 27% Wasser und 46% Separatorenfleisch - das ist billiger, vom Knochen abgepresster Fleischbrei. Separatorenfleisch ist eigentlich kennzeichnungspflichtig, die Redaktion verschwieg aber die Zugabe des pinken Fleischbreis. Aber was ist an Separatorenfleisch eigentlich so verwerflich und ist es das überhaupt?

Separatorenfleisch darf sich nach lebensmittelrechtlicher Definition nicht Muskelfleisch nennen. Es ist ein Fleischbrei, den viele Verbraucher als eklig und minderwertig ablehnen. Das pinke und breiige Separatorenfleisch wird maschinell und unter hohem Druck von ausgelösten Knochen abgetrennt und zerkleinert. Meist werden dazu die fleischbehafteten Knochen grob zerkleinert und anschließend durch einen löchrigen Zylinder gedrückt. Knochen und Knorpel bleiben im Zylinder, der pinke Schleim wird gesammelt, das Separatorenfleisch. Ist das Abfall? 


"Es gibt keinen Abfall vom Tier"

Food-Aktivist und Blogger Hendrik Haase würde niemals von "Abfall" sprechen: "Es gibt traditionell keine Reste oder Abfall vom Tier. Gegen eine Ganz-Tier-Verwertung würde ich mich niemals aussprechen. Die 'Filet-Fresserei' hierzulande führt allerdings dazu, dass die Industrie zu viele Abschnitte und Reste produziert. Diese müssen auch verwendet werden und gegessen werden", schreibt der Aktivist auf unsere Nachfrage. 

Anders sieht es auch Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm nicht. Sie weist im Gespräch mit dem stern jedoch darauf hin, dass wegen des BSE-Skandals Separatorenfleisch vom Rind, Ziege und Schaf verboten ist, weil es "Teile des Rückenmarks oder Nervengewebes enthalten kann und damit auch Prionen, die unter Umständen die Creutzfeld-Jakob-Krankheit auslösen könnten".

Separatorenfleisch vom Geflügel und auch vom Schwein ist hingegen gesetzlich erlaubt. 2014 fand die Verbraucherzentrale beispielsweise 77 Prozent Hähnchenfleischbrei im "Geflügel Bratling" der Aknur GmbH. Die "Fulya Geflügelwürstchen" enthielten 28 Prozent Putenseparatorenfleisch und kamen nach Recherchen der Verbraucherzentrale vom Wurstproduzenten Nölke, der auch die Produkte der  Marke Gutfried (Aldi Süd) herstellt. Alle Produkte, die Separatorenfleisch enthielten, waren ordentlich gekennzeichnet. Häufig geht der verarbeitete Fleischbrei in Fachgeschäften und Supermärkten über die Ladentheke, die Verbraucher mit türkischem oder osteuropäischen Migrationshintergrund zu ihrer Kundschaft zählen. Bei großen Handelsketten wie Aldi, Lidl, Edeka und Rewe fand die Verbraucherzentrale kein deklariertes Separatorenfleisch. Auch führende Fleischhersteller verzichten laut Selbstauskunft bei ihren eigenen Markenprodukten auf Separatorenfleisch.

Ist Separatorenfleisch eklig?

Der Fleischbrei eignet sich auch zur Herstellung von Brühen oder Fleischpasten. Das Wichtige jedoch: Es muss auf dem Produkt deklariert werden. Auch in Tiernahrung kommt der pinke Schleim zum Einsatz. Schätzungsweise werden in Deutschland pro Jahr 70.000 Tonnen Separatorenfleisch verarbeitet.

Per se findet Food-Aktivist Haase Separatorenfleisch nicht verwerflich, jedoch aber "die Methoden der Täuschung, Vertuschung und Verheimlichung": "Es geht hier um hochverarbeitete Reste, die ohne künstliche Zusätze nicht schmecken oder zusammenhalten - schlicht ungenießbar wären. Die Zusätze, die im Zuge von Separatorenfleisch-Verarbeitung eingesetzt werden, sind so perfide konstruiert, dass kein Labor oder Profi-Test sie herausfinden kann. Das ist nicht in Ordnung und eine Täuschung, die momentan sogar noch legal ist." Für Haase ist Separatorenfleisch nur ein "Rädchen im System der industriellen Produktion billigster Lebensmittel, das auf Täuschung und Profitmaximierung ausgelegt ist."

Fleischkonsum sollte ehrlich und transparent sein

Auch Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm kann im Sinne von "Nose-To-Tail", also dass möglichst alle Teile eines Schlachttieres verwertet werden, Separatorenfleisch nicht schlecht finden: "Wichtiger fände ich, dass auch Innereien wieder mehr geschätzt würden." Food-Aktivist Haase wünscht sich einen ehrlichen und transparenten Fleischkonsum aller Teile des Tieres. Ohne Täuschung und dann auch gern bis zum Knochen: "Denn in den Knochen stecken viele wertvolle und gesunde Inhaltsstoffe. Nur eben traditionell verarbeitet und nicht ausgepresst und mit Zusätzen vermengt. Da wird es erst eklig."

Ob man Separatorenfleisch nun gut heißt oder eben nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Sobald der Fleischbrei aber mit Zusätzen gepanscht wird, die nicht deklariert werden müssen, stellt sich die Frage, ob der Gesetzgeber an dieser Praxis nicht etwas ändern müsste.

 

Frontal 21 deckt auf: Wie panscht man eine billige Wurst?