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Frosta, Iglo und Bofrost Warum Fertiggerichte gar nicht (mehr) so schlecht sind

Etliche Hersteller verwenden inzwischen Zutaten, die genügend eigenes Aroma haben
Etliche Hersteller verwenden inzwischen Zutaten, die genügend eigenes Aroma haben
© Getty Images
Fertigkost hatte lange Zeit einen schlechten Ruf – zu Recht: Zwar war sie günstig und schnell zuzubereiten, aber sie enthielt viele Zusatzstoffe und künstliche Aromen. Doch die Branche wandelt sich. 

Fast zwölf Millionen Deutsche essen mehrmals pro Monat gefrorene Fertiggerichte. Statistisch gesehen nimmt jeder Bundesbürger jährlich knapp 44 Kilogramm Tiefkühlkost zu sich. Inzwischen wächst besonders das Angebot an vegetarischen und veganen Produkten. Und die Kunden werden immer anspruchsvoller.

Seit einigen Jahren reduzieren daher etliche Hersteller von Fertiggerichten die Verwendung von Zusatzstoffen und Aromen. Die Firmen, etwa der Marktführer Frosta in Bremerhaven, mussten ihren Wareneinkauf radikal ändern, seit ihre Produktentwickler dem Geschmack nicht mehr mit künstlichen Beigaben nachhelfen.

Nur Zutaten mit genug Eigenaroma

Heute verwenden die Köche bei Frosta nur noch Zutaten, die von Natur aus genug Aroma mitbringen. Die Tomaten etwa werden erst geerntet, wenn sie den Höhepunkt ihrer Reife und so den vollen Geschmack erreicht haben – und nicht (wie früher üblich) kurz davor, wenn sie noch fester und deshalb leichter zu verarbeiten sind.

Für sein Konzept und die Gerichte erhält Frosta mittlerweile Bestnoten von Verbraucherschützern und Lob von Köchen selbst der gehobenen Gastronomie.

Rat holte sich die Firma bei dem Berliner Christian Lohse. Der Zwei-Sterne-Koch überprüfte sämtliche Rezepturen des Hauses und sorgte zum Beispiel dafür, dass die Paella wie in traditionellen spanischen Restaurants nun mit Olivenöl und echtem Safran angesetzt wird.

Echter Gorgonzola in Gorgonzolanudeln

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Auch wird den Gorgonzolanudeln seither echter Gorgonzola beigemengt, Pfeffer kommt frisch aus der Mühle, und der Knoblauch wird erst kurz vor seiner Verwendung gepresst – die Gerichte sollen schmecken wie frisch am eigenen Herd zubereitet. Der zubereitete Fisch stammt aus kontrolliertem, zertifiziertem Fang.

Zahlreiche andere Tiefkühlhersteller, etwa Iglo, verzichten ebenfalls zunehmend auf Zusatzstoffe. Die Stiftung Warentest bestätigte im Jahr 2012: Hersteller, die dies auf der Verpackung versprechen, halten sich daran.

Auch der Lieferdienst Bofrost gibt an, auf Beigaben wie künstliche Farbstoffe und Geschmacksverstärker zu verzichten. Die Firma verkauft hochpreisige Tiefkühlware durch Vertreter an der Haustür. Das Konzept wirkte zuletzt ein wenig aus der Mode gekommen – auch angesichts der Konkurrenz durch Supermärkte und Discounter. Doch womöglich zeichnet sich hier eine Wende ab: Start-ups experimentieren inzwischen mit ähnlichen Modellen. In Großbritannien ging kürzlich der Lieferdienst Everdine an den Start, der mit besonders hochwertigen Tiefkühlgerichten um Kunden wirbt.

Ohne Zusatzstoffe zu teuer

Doch auch die Zahlungsbereitschaft qualitätsbewusster Kunden hat ihre Grenzen. Einige Produkte musste Frosta deshalb aus dem Sortiment nehmen – ohne Zusatzstoffe waren sie zu teuer.

Gestrichen wurde auch die "Südstaaten-Pfanne": Gemüse mit frittierten Kartoffeln und mariniertem Fleisch. Das sollte an Spare-ribs erinnern, also an Schweinerippchen, die bei niedrigen Temperaturen garen. Bei diesem langsamen Grillen entwickeln sich die typischen Raucharomen des Gerichts – ein kostspieliges Verfahren. Die Industrie sprüht deshalb meist Flüssigrauch aufs Fleisch. Gesundheitlich ist der weniger bedenklich als jene Stoffe, die sich beim Grillen über Kohle bilden und im Verdacht stehen, Krebs auszulösen. Frosta strich den Bestseller dennoch: Nichts sollte die Produkte der Firma mehr mit künstlichen Substanzen in Verbindung bringen.

Rippchen
Jenny Niederstadt

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