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Neue Apfelsorte Knackiges "Fräulein" will Apfel-Oldies aus dem Obstregal drängen

Neue Apfelsorte "Fräulein"
In Deutschland gibt es etwa 2000 Apfelsorten. Eine der neuesten Entdeckungen ist die Sorte "Fräulein".
© Deutsches Obstsorten Konsortium
Der Apfel ist des Deutschen liebstes Obst. Etwa 2000 Sorten werden hierzulande angebaut. Die wenigsten schaffen es in den Supermarkt. Ein knackiges "Fräulein" aus Deutschland will den Evergreens am Markt nun Konkurrenz machen.

Obstbauer Gerd Sundermeyer hat lange nach seinem Fräulein gesucht. Als er es fand, knackig und mit roten Bäckchen, konnte er sein Glück nicht fassen. Es war Liebe auf den ersten Bissen. Nein, es geht hier nicht um eine Geschichte à la Bauer sucht Frau, sondern um das Suchen und Finden einer neuen Apfelsorte.

Auf seinen Wiesen in der Hildesheimer Börde tüftelte Sundermeyer Jahr um Jahr. Unzählige Samen streute er aus, veredelte Triebe, kostete immer wieder, setzte neu an. Die Bienen, die kreuz und quer Apfelblüten befruchteten, taten ihr Übriges. Und plötzlich hatte Sundermeyer ihn am Zweig, seinen ganz besonderen Apfel. "Das Fruchtfleisch ist beim ersten Biss förmlich in meinem Mund explodiert", erzählte er dem Deutschen Obstsorten Konsortium. 

Ein Apfel namens "Fräulein"

Getauft wurde der leuchtend rote Apfel auf den Namen Fräulein. Der Name soll eine Hommage sein an die "Generation junger Frauen, die sich im Leben behaupten" und eine Brücke schlagen zwischen Tradition und Moderne. Schließlich, meint das Deutsche Obstsorten Konsortium, habe das Fräulein schon in der Wirtschaftswunderzeit für deutsche Tugenden, Zuversicht und Beständigkeit, gestanden. Der Name soll außerdem ein Hinweis auf sein Herkunftsland Deutschland sein.

Laut Schätzungen gibt es auf der Welt etwa 30.000 Apfelsorten, allein in Deutschland sind es etwa 2000. Das Geschäft ist riesig. Kein Obst wird in Deutschland so oft gegessen wie der gute, alte Apfel. 2018 aß jeder Deutsche im Schnitt rund 18 Kilogramm des Obstes, so die Berechnungen der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse.

Kein Land importiert mehr Äpfel als Deutschland

Die Nachfrage ist so groß, dass Deutschland kräftig aus dem Ausland zukaufen muss. 2019 importierte kein Land der Welt mehr von dem Obst. Die größten Apfelanbauern der Welt sind China, dort werden 39,2 Millionen Tonnen jährlich angebaut, USA (4,7 Millionen Tonnen) und Polen (4 Millionen Tonnen). Zum Vergleich: 2019 wurden laut Statista insgesamt 991.500 Tonnen in Deutschland geerntet.

Hierzulande besonders beliebt sind demnach die Sorten Elstar, Braeburn, Jonagold und Gala. Die Sorten sind Evergreens im deutschen Handel. Sie gehören zu einem ausgewählten Kreis, denn in die Supermärkte schaffen es meist überhaupt nur ein gutes Dutzend Sorten - und immer wieder auch neue Kreationen, eben Äpfel wie es sie noch nie gab.  

Gerd Sundermeyer
Obstbauer Gerd Sundermeyer hat die neue Apfelmarke "Fräulein" entdeckt.
© Deutsches Obstsorten Konsortium

Designprodukt Apfel?

Die Neulinge heißen Kanzi, Cosmic Crisp oder Kissable, werden hip vermarktet und sollen den Apfel geschmacklich auf ein neues Level bringen. Auf dem Weg zum perfekten Apfel wandelt sich das Naturprodukt nach und nach zum Designstück. Vor allem alte Sorten haben das Nachsehen. Im Schatten der großen Namen geraten sie mehr und mehr in Vergessenheit. Sorten wie Roter Herbstkalvill und Kesseltaler Streifling verschwinden zunehmend aus dem Handel, sie müssen Platz machen für das Obst aus dem Massenanbau und Neuzüchtungen.

Der Trend geht in Richtung süße Äpfel. Das Gros der Käufer steht auf die süße Versuchung. Auch Äpfel der Sorte "Fräulein" schmecken saftig und süß. Im Unterschied zu vielen anderen Neuzüchtungen wurde der Geschmack aber nicht im Labor gezüchtet.

Neue Apfelsorte: Knackiges "Fräulein" will Apfel-Oldies aus dem Obstregal drängen

Bei vielen Rookies im Apfelsortiment werden auf dem Weg zur vermeintlichen Perfektion auch Polyphenole herausgezüchtet, damit sich die Äpfel nach dem Anschnitt nicht braun färben. Eine Korrektur mit Nachteilen. Polyphenole sind gesund. Laut Bundeszentrum für Ernährung können sie antioxidativ, entzündungshemmend und blutdruckhemmend wirken und das Immunsystem stärken. Im Gegensatz zu den hochgezüchteten Äpfeln haben alte Sorten einen vergleichsweise hohen Polyphenolgehalt und, so das Ergebnis des Projekts Lemgo vom BUND, sind häufig sogar für Allergiker geeignet. Viele Landwirte setzen daher wieder vermehrt auf alte Sorten, sie kämpfen darum, dass diese nicht bald der Vergangenheit angehören.

Andere setzen lieber auf Neues. Neben Sundermeyer bauen inzwischen Apfelbauern in Sachsen, Mittelbaden, im Rheinland, Alten Land und am Bodensee die neue Sorte an. Mehr als eine Millionen Bäume wurden bereits gepflanzt. Was bleibt, ist die Frage, ob sich die Kreation auf dem Markt auch durchsetzt. Ab Montag mischt der Fräulein-Apfel im Handel mit, vorerst aber nur in ausgewählten Super- und Wochenmärkten und in limitierter Auflage von 180 Tonnen.

Quellen: BUND, Weltexporte, Statista

tpo

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