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Weniger Natrium Zu viel Salz ist ungesund, darauf verzichten will aber kaum einer – eine neue Mixtur könnte die Lösung sein

Salz nur in Maßen genießen
Ein zu hoher Salzkonsum kann krank machen.
© Andrea Warnecke / Picture Alliance
Menschen lieben Salz. So sehr, dass sie mehr davon essen, als dem Körper gut tut. Das hat mitunter schwere gesundheitliche Folgen. Eine Zwickmühle. Natriumarmes Salz könnte eine Lösung sein, wie eine Studie zeigt.

Salz ist lebenswichtig. Es sorgt unter anderem dafür, dass der Wasserhaushalt im Körper reguliert ist, ist wichtig für die Verdauung. Ein zu hoher Salzkonsum kann allerdings schädlich sein, Bluthochdruck verursachen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern. Lebensbedrohliche Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Niereninsuffizienz können die Folge sein. Schätzungen gehen davon aus, dass allein in diesem Jahr 1,6 Millionen Menschen weltweit auf Grund eines übermäßigen Salzkonsums sterben werden.

Dass Salz in Maßen genossen werden sollte, ist schon länger bekannt. Am Würzverhalten hat das aber kaum etwas verändert. Das Salz, es ist und bleibt Standard im Essen. Was also tun? Eine Forschergruppe des George Institute for Global Health in China zeigt nun eine Alternative auf. Wenn der Mensch nicht an seinem Ernährungsverhalten drehen will, warum dann nicht am Salz selbst etwas ändern? 

Ist natriumarmes Salz eine Alternative?

In einer Studie untersuchten die Wissenschaftler, welchen Einfluss die Umstellung von herkömmlichen Kochsalz zu natriumarmen Salz auf die Gesundheit hat. Kochsalz besteht aus den Mineralstoffen Natrium und Chlorid. Um natriumarmes Salz herzustellen, wird ein Teil des Natriums mit Kalium ersetzt. Die Salze schmecken ähnlich und können wie normales Salz eingesetzt werden. Diese Zusammenstellung, das legen die im "New England Journal of Medicine" veröffentlichten Studienergebnisse nahe, kann erheblich positive gesundheitliche Effekte mit sich bringen. 

Etwa 21.000 Personen aus 600 chinesischen Dörfern nahmen an der Untersuchung teil, die Studie wurde über den Zeitraum von fünf Jahren durchgeführt. Alle Studienteilnehmer hatten entweder bereits einen Schlaganfall erlitten oder waren mindestens 60 Jahre alt und wiesen Bluthochdruck auf. Die eine Hälfte der Probanden konsumierte Salz weiter wie zuvor, die andere Hälfte erhielt eines, in dem ein Viertel des Natriumchlorids mit Kaliumchlorid ersetzt worden war.

Laut den Studienergebnissen senkten natriumarme Salze das Sterberisiko um 12 Prozent, das Risiko einer kardiovaskulären Erkrankung wie Herzinfarkt oder Schlaganfall wurde demnach um 13 Prozent herabgesenkt. Die Untersuchung untermauert die Ergebnisse einer vorausgegangenen Modellstudie. Damals kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass Salzersatzprodukte chinaweit mehr als 460.000 Menschenleben jährlich retten könnten.

Salzkonsum ist zu hoch

"Dass zu viel Salz Gefäße und Organe beschädigt, ist seit Jahrzehnten bekannt", so Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf Twitter. Den Salzkonsum in der Nahrung zu senken, wäre auch für eine Landwirtschaftsministerin eine Aufgabe, kommentiert er. "So verhindert man ohne viel Aufwand tausende Schlaganfälle pro Jahr." 

Bereits 2013 hatten sich die WHO-Mitgliedsländer zum Ziel gesetzt, den Salzkonsum zu reduzieren. Anvisiert wurde eine Reduktion pro Kopf von 30 Prozent bis 2025. Seither sind viele Jahre ins Land gegangen, groß geändert hat sich allerdings nichts. 2,4 Prozent jährlich hätte der Konsum pro Kopf zurückgehen müssen, laut Ernährungsbericht 2020 waren es aber lediglich 0,2 Prozent. 

Zu viel Salz kann schädlich für die Gesundheit sein

Sechs Gramm am Tag, mehr Salz sollte ein erwachsener Mensch nicht verzehren, so die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Grenzwert gar auf maximal fünf Gramm am Tag festgelegt. Ein Blick auf die Zahlen zeigt jedoch, dass das gar nicht so einfach umzusetzen ist.

Laut einer Auswertung des Deutschen Erwachsenen Gesundheitssurveys kommen in Deutschland Frauen auf 8,4 und Männer gar auf 10 Gramm täglich. 50 Prozent der Männer und 38,5 Prozent der Frauen nehmen demnach sogar täglich mehr als 10 Gramm Salz auf und liegen damit weit über den Empfehlungen. Ein Großteil der Salzaufnahme sei laut DGE auf handwerklich oder industriell hergestellte Lebensmittel und Speisen zurückzuführen. 

Quelle: NEJMBMEL, RKI

tpo

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