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Konservendose Napoleon, Krieg und Blech: Wie der Feldherr die Erfindung der Konservendose vorantrieb

Napoleon mit Heer
"Napoleon Bonaparte in der Schlacht von Wagram" von Emile Jean Horace Vernet, 1836.
© powerofforever / Getty Images
Wäre Napoleon nicht so ein unerbitterlicher Kriegsherr gewesen, wäre die Konservendose vielleicht nie erfunden worden. Weil er Schwierigkeiten hatte, sein riesiges Heer bei Kräften zu halten, beschleunigte  er die Entwicklung von haltbarem Proviant - mit einem Wettbewerb.

Für seine taktischen Fähigkeiten auf dem Schlachtfeld ist Napoleon Bonaparte berühmt. Weniger bekannt aber ist, dass er auch maßgeblich an der Erfindung der Konservendose mitgewirkt hat - wenn auch nur monetär. Für seine ehrgeizigen Ziele, der Korse wollte über ganz Europa herrschen, scharte er ein riesiges Heer um sich. Die Truppen zu versorgen, war eine schier unlösbare Aufgabe. Kümmerte sich die Bevölkerung nicht um Speis und Trank, mussten die Soldaten plündern, um etwas in die Mägen zu bekommen. Viele starben an Unterernährung. Da mit einer geschwächten Mannschaft kein Blumentopf zu gewinnen ist, musste eine Lösung her. Das Proviant der Soldaten, so Napoleons Plan, sollte haltbar gemacht werden. Aber wie? 1795 lobte er ein Preisgeld von 12.000 Goldfranken für denjenigen aus, der ein entsprechendes Verfahren entwickelt - mit Erfolg.

Es war Nicolas Appert, dem der entscheidende Durchbruch gelang. Der war kein Erfinder, sondern Konditormeister und Meisterkoch. Jahrelang tüftelte der Franzose an einem Verfahren der Konservation, richtete sich dafür eigens eine Werkstatt ein. Schließlich hatte er den Dreh raus. Die Lebensmittel wurden gekocht, in Glasflaschen abgefüllt und mit Korken und Draht - wie die Sektflasche - luftdicht verschlossen. Die Sterilisation war erfunden, eine Revolution. Nach einem Testlauf der französischen Marine bekam Appert, 15 Jahre nachdem der Ideen-Wettbewerb an den Start gegangen war, den Zuschlag.

Eine Brite bringt das Blech ins Spiel

Der erste Schritt war getan, der erwies sich allerdings als ausbaufähig. Denn Proviant in Glas auf Schlachtfeldern war nicht unbedingt das Optimum. Besser machte es im selben Jahr der Brite Peter Durand, ein Kaufmann. Er nutzte Apperts Verfahren, verfeinerte aber das Gefäß. Im August 1810 meldete er das Patent für Zinndosen an und verkaufte es an findige Unternehmer, die daraufhin die erste Konservenfabrik Englands bauten. So wie einst von Napoleon erdacht, schickten  die Briten ihre Soldaten mit den Mahlzeiten in Weißblech in die Schlacht. Ob Durand aber auch der Erfinder der Dose ist, wird bezweifelt. Ein französischer Techniker namens Philippe Henri de Girard soll die Idee gehabt haben. 

Woran die Entwickler allerdings nicht gedacht hatten: es gab kein Werkzeug, um die Dosen zu öffnen. Der Dosenöffner wurde erst Jahrzehnte nach der Einführung der Konserve erfunden. Der Amerikaner Ezra J.Warner ließ sich das erste Modell 1858 patentieren. Bis dahin mussten sich die Menschen anderweitig behelfen. Die Soldaten sollen unter anderem ihre Bajonette verwendet haben, Hausfrauen Hammer und Meißel. Zudem steckten in der Dose auch Gefahren. Nicht immer wurden die Lebensmittel sauber verarbeitet. Bakterien breiteten sich aus.

Ein weiterer Faktor war das Material. Versiegelt wurden die Dosen zu Beginn mit Blei. Gelangte davon etwas ins Essen, führte das zu Bleivergiftungen. Dies soll auch zum Scheitern der Franklin-Expedition in die Arktis im 19. Jahrhundert und zum Tod der Seemänner geführt haben. Erst mit der vollautomatischen Herstellung zu Beginn des 20. Jahrhunderts erübrigte sich auch dieses Problem.

Lange Zeit war die Konservendose ein exklusives Gut. Die Herstellung galt als aufwändig, der Preis hoch. In der Anfangszeit konnten nur sechs Dosen in der Stunde produziert werden, in den 1840er-Jahren waren es immerhin schon 60 in der Stunde. So dauerte es, bis die Dose auch ihren Platz in Privathaushalten fand. Das änderte sich mit der Automatisierung und zwar rapide. Allein in den USA sollen 1900 schon 700 Millionen Dosen hergestellt worden sein. Noch erfolgreicher sollte später die Getränkedose werden.1935 verkaufte die US-Brauerei "Gottfried Krueger" das erste Bier in Dosen, bereits im ersten Jahr gingen 200 Millionen davon vom Stapel. 

Quellen: Smithsonian MagazineDeutschlandfunk Kultur

tpo

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