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Rarer Whisky Süffeln wie Napoleon: Seltener Cognac von 1777 wird versteigert

Whiskys von The Macallan Distillery erzielen bei Auktionen regelmäßig Rekordsummen. Ende Oktober zahlte ein Sammler für sechs Flaschen der Red Collection fast das Vierfache des Schätzwerts - knapp 860.000 Euro.
Whiskys von The Macallan Distillery erzielen bei Auktionen regelmäßig Rekordsummen. Ende Oktober zahlte ein Sammler für sechs Flaschen der Red Collection fast das Vierfache des Schätzwerts - knapp 860.000 Euro.
© Michael Bowles for Sotheby's / Getty Images
Wie schmeckt die Vergangenheit? Bei einer Online-Auktion werden derzeit fünf seltene Whiskys aus der Privatsammlung Jacques Hardys versteigert. Das Juwel darunter: ein Cognac aus dem Jahr 1777.

Zurück aus der Zukunft, das ist Science-Fiction. Zeitreisen gibt es bislang nur in der Fantasie. Doch vergangenen Zeiten nachschmecken, das geht durchaus. Aktuell werden ein paar historische Flaschen Cognac beim Online-Spirituosenhändler Whisky.Auction versteigert, die älteste darunter wurde bereits 1777 destilliert. Wer sich einen Schluck der seltenen Spirituose genehmigen möchte, muss allerdings tief in die Tasche greifen.

Für besondere Whiskys blättern Sammler mitunter schwindelerregende Summen hin. Im vergangenen Mai brachte eine Flasche Gautier Cognac von 1763 bei einer Auktion rund 120.000 Euro ein. Ganz so viel werden die Flaschen, die aus aus der privaten Sammlung von Jacques Hardy, ehemals Geschäftsführer von Hardy Cognac stammen, voraussichtlich nicht einbringen. Geschätzt wird, dass die fünf angebotenen Flaschen der Jahrgänge 1777, 1802, 1812, 1906 und 1914 für insgesamt bis zu 115.000 Euro weggehen könnten. 

Vor fast 250 Jahren destilliert

Drei der fünf angebotenen Jahrgänge gelten als besondere Raritäten.  Aber es ist vor allem der Cognac von 1777, der aus der Auswahl besonders hervorsticht. Es handelt sich dabei um eine Flasche Grande Champagne Cognac, destilliert vor fast einem Vierteljahrhundert, als in Frankreich die Monarchie auf den letzten Metern war und gut ein Jahrzehnt später von der Französischen Revolution beendet wurde. Wie der Name schon sagt, wurde der Cognac auf der Domaine de la Vie in Grande Champagne destilliert. Das Anwesen gibt es heute noch. 

"Dies war ein Geschenk von meinem Onkel James an seine Neffen Jacques, Philippe und Frances. Dieser ehrwürdige Cognac wurde ihm von der Familie Yvon zur Hochzeit geschenkt, er heiratete eine der Töchter aus dieser Familie", ist auf dem Zertifikat zur Geschichte des Cognacs nachzulesen. Wie seine beiden Brüder hatte Hardy zwölf Flaschen bekommen. Erhalten geblieben sind nur noch etwa ein halbes Dutzend Flaschen aus Jacques Hardys Fundus. Fünf sind in privaten Sammlungen, zwei wurden in London zu einem früheren Zeitpunkt ausgeschenkt.

Whisky

Nur noch ein halbes Dutzend Flaschen

Vor etwa zehn Jahren kam Sukhinder Singh, Cognac-Experte und Whisky.Auction-Berater in den Genuss, den 1777er Cognac zu verkosten. In der Auktions-Ankündigung wird er mit den Worten zitiert: "Was für ein Privileg war es, eine so alte Flüssigkeit zu probieren, die immer noch frisch und voller Leben war, mit dem anhaltenden Rancio-Aroma, das man in Cognacs aus der Zeit vor der Reblausplage findet." 

100 Jahre lang reifte der Cognac in einem Eichenfass, danach noch einmal jahrzehntelang in einem Demijohn (Glasballon), bevor er 1936 abgefüllt wurde. Im August 1967 wurde er noch einmal neu verkorkt. Der Alkoholgehalt beträgt laut Label 30 Promille. Sein Wert? "Unschätzbar", steht auf dem Zertifikat nachzulesen. Sechs Tage vor Auktionsende liegt das Höchstgebot bei knapp 30.000 Euro.

Auch die Jahrgänge von 1802 und 1812 wurden in bedeutsamen Zeiten destilliert. Es waren die Jahre von Napoleon Bonaparte. 1802 schloss der, damals noch Konsul, für kurze Zeit Frieden mit Großbritannien, 1812 überschritt er mit seiner Armee die Grenze zum russischen Zarenreich. Der Auftakt eines Feldzugs, der ihm eine brutale Niederlage einbrachte. Jacques Hardys liebster Jahrgang soll allerdings der 1906er sein. Im beiliegenden Schreiben erzählt er, dass dieser Cognac eine seiner ersten Entdeckungen gewesen sei und beschreibt den Moment als ein "Wunder". Momentan liegt das Höchstgebot bei vergleichsweise günstigen rund 2300 Euro. Die Auktion endet am 9. Februar. 

Quellen:The Drinks Business, Food & Wine

tpo

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