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Stauning Skål! Einer der spannendsten Whiskys der Welt kommt aus Dänemark

Stauning ist einer der angesagtesten Whiskys und kommt aus Dänemark
Stauning ist einer der angesagtesten Whiskys und kommt aus Dänemark
© Christoph Fröhlich
Bei Whisky denken die meisten an Schottland und Irland, an Kanada und die USA. Dabei kommt mit Stauning einer der interessantesten aus Dänemark. Der Roggen-Whisky begeistert mit einer Mischung aus Karamell und Würze.

Vier Ingenieure, ein Helikopter-Pilot, ein Doktor, ein Koch, ein Lehrer und ein Metzger gehen zusammen in eine Bar. Klingt nach dem Anfang eines mäßigen Witzes? Nunja, viel eher ist es der Auftakt einer Erfolgsgeschichte in der Welt der Whiskys, wie es sie nur selten gibt. Es ist die Geschichte von Stauning Whisky aus Dänemark.

Sie begann im Jahr 2005 mit einer Radiosendung über schottische Destillerien. Darin wurde behauptet, es sei im Grunde ganz einfach, Whisky zu brennen - die Schwierigkeit liege lediglich darin, dass er am Ende auch schmeckt. Martin, einer der späteren Gründer der Destille, hörte jenen Radiobeitrag und wunderte sich, warum in seiner Heimat das noch niemand versucht hatte.

"Whisky produzieren macht mehr Spaß als Handball"

Und weil er lieber macht statt nur darüber zu reden, trommelte Martin 13 Familienmitglieder und Freunde zusammen - am Ende ließen sich neun auf das Abenteuer ein, den ersten dänischen Whisky zu produzieren. Einer von ihnen ist Alex Munch, der bis heute immer noch für die Destille arbeitet. "Ich war gerade dabei mich einem Handball-Team anzuschließen, doch dann wurde ich gefragt ob ich nicht lieber dänischen Whisky machen möchte. Und ich dachte mir, das macht mehr Spaß als Handball - also sagte ich zu. Meine Frau war zugegeben nicht so angetan von der Sache."

Alex Munch (rechts) ist einer der Gründer der Stauning Distillery
Alex Munch (rechts), einer der Gründer der Stauning Distillery, bei der Vorstellung der neuen Stauning-Flaschen in der Hamburger Bar Le Lion
© Christoph Fröhlich

Der Tatendrang war groß, es gab nur ein Problem: Keiner der neun hatte auch nur eine Ahnung, wie man Whisky produziert. "Das war für uns aber auch eine Chance. Ein Destillateur würde sagen: So muss man einen Whisky machen. Aber wir hatten keine Idee, wo wir anfangen sollten. Also kauften wir uns ein paar Bücher, wühlten uns durch die Geschichte und lernten von der Pike auf, wie man Whisky macht. Denn so wie wir ihn heute machen, so wurde er schon vor 200 Jahren gemacht."

Der Bestseller der Marke ist der Rye Whisky auf Roggenbasis für rund 60 Euro je 0,7 Liter. Bei Rye denken Whisky-Liebhaber*innen vor allem an Kanada oder die USA. "Dabei waren es Deutsche, Dänen, Schweden und Norweger, die in die USA reisten und Whisky auf ihrer Reise dabei hatten", so Munch. "Die haben dann dort Roggen angebaut und weiter gebrannt. Ich sage deshalb gerne: Wir holen uns den Rye Whisky zurück."

Der Kampf um die Prozente

Der Stauning Rye Whisky weist einige Besonderheiten im Vergleich zu Mitbewerbern auf: Er besteht zu 70 Prozent aus gemälztem Roggen und 30 Prozent gemälzter Gerste, das Mischungsverhältnis allein ist ungewöhnlich. Bei der Produktion stehe zudem nicht die größte Ausbeute im Mittelpunkt. "Es geht uns nicht darum, so viel Alkohol wie möglich aus einer Tonne Getreide zu gewinnen, sondern um die Aromen."

Der Stauning Rye ist 3,5 Jahre alt, was ein sehr junges Alter für einen Whisky dieser Preisklasse ist. Trotzdem wirkt er weich und komplex zugleich mit einem Aromen-Mix zwischen Karamell und Würze. Das macht ihn auch interessant für all jene, die sonst eher selten Whisky im Glas haben. Zudem ist er eine tolle, wenn auch nicht preisgünstige Grundlage für Drinks wie etwa den Gold Rush.

Der Rye Whisky ist eine tolle Basis für Cocktails
Der Rye Whisky ist eine tolle Basis für Cocktails
© Christoph Fröhlich

Für Munch ist das geringe Alter kein Thema: "Whisky erfindet sich derzeit auf der ganzen Welt neu. Er muss keine 25 Jahre mehr alt sein, um ernst genommen zu werden. Es geht um den Geschmack, nicht um das Alter auf dem Etikett. Ist er lebhaft, weich, würzig, süß?" Zu verkopft dürfte man an Whisky nicht herangehen, meint er: "Am Ende kann man es auf eine Frage herunterbrechen: Mag man ihn oder nicht?"

Mit 48 Volumenprozent ist der Rye kräftiger als viele Mitbewerber. Auch hier wird nichts dem Zufall überlassen. "Wir halten den Alkoholgehalt hoch. Wenn eine neue Flasche abgefüllt werden soll, betreten alle neun den Raum und jeder bekommt 10 Gläser. Im ersten ist der Whisky mit 61 Prozent Fassstärke abgefüllt, im letzten auf 43 Prozent verdünnt. Während wir probieren, laufen wir durch den Raum, reden jedoch kein Wort miteinander. Nur Riechen und Schmecken ist erlaubt ", erklärt Munch. Dann wird abgestimmt: "Irgendwann zeigt jeder auf das Glas, das er am meisten mag. Und dann beginnt der Kampf. Am Ende landen wir meist in der Mitte zwischen 48 bis 51 Prozent."

Das Noma brachte für Stauning den Durchbruch

Blickt man in die überbordenden Regale und Online-Shops der Fachhändler ahnt man: Selbst mit sehr guten Produkten setzt man sich nicht zwangsläufig gegen die Großen durch. Es braucht immer auch etwas Glück oder zumindest eine gute Gelegenheit. Beides hatten die Stauning-Gründer im Jahr 2011. Drei Sommeliers des Noma in Kopenhagen - immerhin viermal zum besten Restaurant der Welt gewählt - probierten anderthalb Stunden die Whiskys, erzählt Munch. "Einer sagte schließlich: Das ist super-interessant. Aber warum wechselt ihr nicht das Fass, das würde ihn noch besser machen."

Doch Martin, jener Gründer, der durch die Radiosendung überhaupt auf die Idee kam, entgegnete lediglich: "Bei allem Respekt, aber versuchst du mir etwas über Whisky beizubringen? Was wäre, wenn ich jetzt in die Küche gehen und deinem Chefkoch sagen würde - dieses Steak, wenn es nur eine halbe Minute länger in der Pfanne bleiben würde, dann wäre es viel besser." Die Sommeliers haben daraufhin nur entgegnet: "Ihr seid die Typen, die wir suchen." Kurz darauf wurden sämtliche Whisky-Sorten aussortiert und ausschließlich durch Produkte von Stauning ersetzt.

Die Aufmerksamkeit durch das Sterne-Restaurant fachte den Mythos, der sich in der kleinen Whisky-Welt bereits herumgesprochen hatte, nur noch weiter an und sorgte für einen internationalen Durchbruch. Die Stauning Distillery produzierte nur kleine Mengen, die online innerhalb weniger Minuten ausverkauft waren. Die Flaschen wurden anschließend auf Ebay und Co. zu horrenden Summen verkauft. Mittlerweile ist die Verfügbarkeit besser, zumindest die drei Core-Produkte gibt es ohne Schwarzmarkt-Aufschlag zu erwerben.

Die Flasche zeigt die neun Gründungsmitglieder auf einem Fass sitzend.
Die Flasche zeigt die neun Gründungsmitglieder auf einem Fass sitzend.
© Christoph Fröhlich

Das neue Design erzählt die Stauning-Geschichte

Neben dem Rye Whisky gibt es noch zwei weitere Sorten: Kaos - ein ungewöhnlicher Blend verschiedener Fässer - und einen Peated, also getorften Whisky. Letzterer überzeugt mit einem sehr filigranen Raucharoma. Das Geheimnis dahinter ist der uralte Torf, der aus Dänemark stammt. Dieser sei 10.000 Jahre alt und entfalte ein völlig anderes Aroma als der Torf, wie er auf der Islay-Insel vorgefunden wird. "Weil er so alt ist, verfängt er sich nicht so gut am Getreide. Wir nutzen 15 bis 20 Prozent mehr als schottische Destillen, und trotzdem erhalten wir nicht ansatzweise eine so hohe Intensität." Damit eignet er sich hervorragend für Drinks wie den Blood and Sand und den Penicillin.

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Seit wenigen Wochen sind die Stauning-Flaschen in einem neuen Design verfügbar, welches von Bar-Legende Alex Kratena geprägt wurde. Wie in einem Comic wird die Geschichte hinter Stauning erzählt. Man sieht eine alte Windmühle auf Langeland, die alte Metzgerei, in der alles angefangen hat - und die neun Gründer, auf einem Fass sitzend.

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