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Paleo im Selbstversuch: Was moderne Steinzeitfrauen essen

Tag 15: Halbzeit! Meine Kollegin und ich haben uns an die neue Kost gewöhnt. Nur manchmal zuckt die Hand doch noch und möchte am liebsten in eine Gummibärchentüte greifen.

Von Denise Wachter

Im Zuge der Umstellung entdecken wir viele neue Gerichte - und manch alte Speisen neu. Dass Brot und Nudeln fehlen, fällt gar nicht mehr so auf. Wie genießen unsere Steinzeitkost durchaus.

Im Zuge der Umstellung entdecken wir viele neue Gerichte - und manch alte Speisen neu. Dass Brot und Nudeln fehlen, fällt gar nicht mehr so auf. Wie genießen unsere Steinzeitkost durchaus.

Ich glaube, das Schlimmste ist überstanden. Die ersten beiden Wochen waren zeitweise wirklich anstrengend, aber der ständige Hunger, die Konzentrationsschwächen und unsere Phasen von schlechter Laune sind mittlerweile abgeflaut. Fies war für mich vor allem der Futterneid, der Anblick von Tellern mit Kohlenhydraten aller Art, vor allem der Blick auf Brötchen und meine heißgeliebten Nudeln oder auf die Käseplatte am Abend, die ich nicht anrühren durfte.

Neulich ging es mir nicht so gut. Ich habe es aber nicht auf Paleo geschoben, sondern auf eine Magen-Darm-Infektion, die schnell überstanden war. Den halben Tag schlief ich, bis mich der Hunger packte. Eine frischgemachte Zucchinisuppe mit Kokosmilch, Ingwer und frischen Kräutern rettete mir den Tag. Ob ich schneller gesund werde, weil ich Paleo lebe, weiß ich nicht. Normalerweise wäre ich aber für die nächsten Tage ausgeknockt gewesen. Meine Kollegin Sonja Helms war an diesem Tag überaus gut gelaunt und energiegeladen. In mir regte sich so etwas wie Neid: Geht es ihr mit Paleo besser als mir? Das fände ich ungerecht.

Was frühstücken wir nur?

Am schwierigsten war es, etwas Ordentliches zum Frühstück zu finden. Am Wochenende ist das natürlich kein Problem: Da kann man leicht ein paar Eier in die Pfanne geben, Avocado dazu aufschneiden und mit ein bisschen Schinken eine richtige Mahlzeit kreieren. Oder man backt wie Sonja paleo-taugliche Blaubeer-Muffins oder Bananenbrot. Sie sagt: "Von der Konsistenz her sind die Muffins und auch das Bananenbrot zwar anders als die übliche Variante mit Getreide - feuchter, flacher, fester und recht gehaltvoll. Aber ein kleines Stück reicht, um den Hunger am Morgen zu vertreiben, und man braucht - und kann - zum Glück nicht allzu viel davon essen." Beides war wirklich köstlich.

Auf der Suche nach dem perfekten Frühstück sind wir auf mymuesli.de gestoßen. Ich griff sofort zum Telefon und erzählte von unserem Selbstversuch: "Wir haben Hunger!" Am nächsten Tag traf ein Paket ein - mit "PaleoKokosnussCrunchy" - göttlich! Wir waren im Glück. Das Müsli enthält kein Getreide, sondern eine Nuss-Crunchy-Mischung, dazu gefriergetrocknete Himbeeren, Blau- und Erdbeeren sowie geröstete Kokoschips.

Gemüse, Gemüse, Fleisch

Überhaupt experimentieren wir sehr viel, vor allem mit Gemüse. Sonja kam eines Tage auf mich zu und fragte: "Kennst du schon Shakshouka?" Ich: "Äh, nein. Sollte ich?" "Das musst du unbedingt probieren." Es handelt sich um ein Gericht, das aus Tunesien stammen soll, vor allem aber in Israel verbreitet ist: eine würzige Paprika-Tomaten-Pfanne mit Eiern. Wird sofort in meine Paleo-Rezepte-Sammlung aufgenommen.

Unsere Highlights bisher: Thai-Curry mit Kokosnuss, das kann man mit oder ohne Fleisch zubereiten, Ratatouille mit gebratenem Hähnchenfleisch oder Fisch, gefüllte Zucchini und arabische Hackbällchen mit Möhren-Kokos-Püree. Sonja war überrascht, was man mit Blumenkohl alles anstellen kann. Sie hat sich an eine Pizza mit Blumenkohlboden gewagt ("beim nächsten Mal unbedingt dünner, ansonsten völlig ok") und einen Reissalat imitiert ("überraschend lecker").

Ich habe die geliebten Nudeln durch Zucchini-Streifen ersetzt, wie Nico Richter in seinem Buch und Blog vorschlägt. Ein weiterer Moment, der mich mit Neid erfüllte, war, als Sonja erzählte, dass ihr Mann ihr ein paleo-taugliches Gericht kredenzte, ohne dazu genötigt worden zu sein: Das Avocado-Tatar mit gebratenen Chili-Garnelen soll ein Gedicht gewesen sein.

Kleine Verführungen

Manchmal, wirklich nur manchmal, schleicht sich trotzdem noch das kleine Teufelchen ein. Neulich lag eine offene Packung mit Gummibärchen im Regal meines Freundes. Nachdem ich das dritte Mal daran vorbeigelaufen war, stand ich kurz davor: So ein kleines Gummibärchen kann mir doch nicht wirklich schaden, oder? Aber ich blieb tapfer und lief daran vorbei, in Gedanken schnappte meine Hand zwar danach, aber der Wille war stärker.

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