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Paleo im Selbstversuch: Ich habe Sehnsucht nach Brot

Tag 1 und 2: Die Umstellung auf Paleo-Kost nimmt ihren Lauf. stern-Autorin Sonja Helms hat einen holprigen Start, vermisst ihr Brot zum Ei und hadert mit der Kokosnuss.

Von Sonja Helms

Worauf ich mich eingelassen hatte, wurde recht schnell klar. Tag eins, es war Mittag, somit die zweite Mahlzeit dieser Challenge. Ratlos saß ich vor meinem Teller. Es gab Rührei mit Tomaten und Frühlingszwiebeln, weil ich noch nicht einkaufen war. Und es schmeckte auch, das war es nicht. Aber etwas fehlte, etwas Entscheidendes: Brot. Eine leckere, saftige Scheibe Brot. Ich esse nie Rührei ohne Brot, ich vermisse es richtig, und als ich fertig war mit dem gelben Klecks auf meinem Teller, stellte ich fest, dass mir nicht nur die Sättigungsbeilage fehlte, sondern auch dieses runde, satte, zufriedene Gefühl nach einer Mahlzeit. Ich hatte immer noch Hunger und eine böse Vorahnung: Das hier wird nicht leicht.

Zugegeben: Ich bin aus einem eher spontanen Impuls heraus mit eingestiegen, als meine Kollegin Denise Wachter meinte, sie starte mit Paleo. Somit war ich nicht ideal vorbereitet. Mein Fehler. Genau genommen hatten wir uns aber schon seit Monaten darüber unterhalten, dass wir das einmal testen müssten, weil so viel darüber geredet wird. Was ist dran an dem Trend? Ist das nicht wieder eine neue Sau, die durchs Diät-Dorf getrieben wird? Oder bringt es wirklich etwas? Wobei: So neu ist das auch wieder nicht. Low-Carb-Ernährungsformen gibt es seit Jahren, und die Erkenntnisse verdichten sich, dass die großen Mengen an Kohlenhydraten, die wir heute essen, durchaus problematisch sind.

"Mein Gehirn registriert nur Verzicht"

Aber ich bin auch neugierig: Fühlt man sich wirklich wacher und fitter, wie Paleo-Anhänger immer behaupten, wenn man Getreide, Milchprodukte und vieles, vieles mehr streicht? Besser schlafen, energiegeladener sein - das klingt verlockend. Doch ich bin skeptisch, und der Nutzen liegt noch in weiter Ferne, falls er tatsächlich eintritt. Ich kann mir momentan jedenfalls nicht vorstellen, dass ich die Challenge vier Wochen durchhalte, weil mein Gehirn im Moment nur Verzicht, Verzicht, Verzicht registriert: kein Milchkaffee am Morgen, kein Brötchen und nichts, womit ich es belegen würde, kein Müsli. Nicht einmal Joghurt zum Obstsalat ist erlaubt. Mittags und abends gibt es keine Nudeln mehr, keinen Couscous, keinen Käse, nicht einmal Hülsenfrüchte. Stattdessen Obst und viel Gemüse, was kein Problem ist, und reichlich Fleisch, Fisch und Eier - was in der Menge für mich schwierig werden könnte. Ach ja, und Nüsse, insbesondere Kokosnüsse.

Bisher hatten wir kein Problem, die Kokosnuss und ich. In Nico Richters Paleo-Kochbuch kommt diese Nuss aber sehr, sehr häufig vor, in allen erdenklichen Rezepten und Formen: als Öl, Milch, Mehl, Raspel und Chip. Grundsätzlich mag ich den Geschmack, aber ich stoße an Grenzen. Schon mein erster Smoothie aus dem Buch war ein Desaster: der Kaffee-Bananen-Smoothie. Nach der unbefriedigenden Rührei-Mahlzeit kredenzte ich mir dieses Getränk; ich hatte überlesen, dass von Kaffee abgeraten wird, jedenfalls in den ersten 30 Tagen. Letztlich war es auch egal: Herunterbekommen habe ich höchstens einen Schluck, und das nur mit geschlossenen Augen. Wenn man kalten Kaffee mit Banane, Kokosmilch und gemahlenen Mandeln püriert, sieht das aus, als habe man saure Milch in den Kaffee gekippt. Es gibt Flocken. Nicht schön. Nicht lecker. Deutlich besser war eine Bananen-Kokos-Variante ohne Kaffee.

Neuer Versuch, erneutes Scheitern

Am nächsten Tag versuchte ich es wieder: Obstsalat mit Kokosmilch. Wird schon passen, dachte ich, aber nein. Passte nicht. Laut Rezept gehören zu 125 Gramm Obst 200 Milliliter Kokosmilch. Dazu 30 Gramm Nüsse und 30 Gramm Kokoschips. In meinen Augen absurd viel! Mir reichte die Hälfte der Nüsse, die Hälfte der Chips und nur ein Schuss Kokosmilch, und mir war trotzdem den halben Vormittag übel. Abgesehen davon hieß es: gekühlte Kokosmilch. Und was passiert, wenn man Kokosmilch in den Kühlschrank stellt? Richtig: Oben setzt sich die dicke Creme ab. Es ist mühsam.

Tag eins endete immerhin mit einem köstlichen Salat, eine paleo-taugliche Eigenkreation mit viel Gemüse, gebratenem Hühnchen und Erfolgsgarantie, ich brauchte wenigstens ein Highlight am Tag. Gut, ohne Ciabatta, aber geschenkt. Am zweiten Abend gab es eine Fleisch-Brokkoli-Sesam-Pfanne aus dem Buch, die in Ordnung war, aber keine Offenbarung. Immerhin hatte ich etwas zu kauen und war satt. Insofern: Nein, es waren keine Freudentage, aber ich bleibe am Ball - vorerst. Vielleicht hatte ich nur einen holprigen Start.

Sie können Sonja Helms hier auf Twitter folgen: @shelmss.

Am Montag berichten wir an dieser Stelle, wie wir das erste Wochenende überstanden haben.