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Stern Logo Vegan selbst versucht! - 60 Tage "Vegan for Youth"

Vegan selbst versucht!: Tag 37-38: Allesfresser und extreme Veganer

Die Lebensweise eines Veganers ist hart. Findet zumindest Derik. Seinen Speiseplan mag er trotzdem. Was er erstaunlich findet: Die besten veganen Zutaten kommen aus Südamerika.

Von Derik Meinköhn

Attila hat mir seine anderen beiden Bücher geschickt “Vegan for Fit” und “Vegan for Fun”. Er sagte: "Dann kannst Du noch besser kombinieren." Das ist wohl ein Wink mit dem Zaunpfahl, um mich zu überreden noch ein paar Tage dran zu hängen. Überhaupt sind auch viele Veganer aus den Facebook-Gruppen sehr daran interessiert, dass ich weitermache. Sie decken mich mit reichlich Tipps und Rezepten ein. Das läuft überhaupt nicht missionarisch, sondern wirklich sehr nett und mit viel Verständnis für die seltsamen Gedanken, die man als "Omni" hat.

Omni ist die freundliche Form von Allesfresser, Omnivore. Rezepte habe ich jetzt jedenfalls genug. In “Vegan for Fit” habe ich auch etwas gefunden, was ich in “Vegan for Youth” vermisst habe. Attila erklärt dort wesentlich genauer, weshalb manche Lebensmittel in seinen Rezepten vorkommen und andere nicht.

Superfood ist nicht gleich super

Weißmehl und Zucker kommen zum Beispiel nicht vor, weil sie jede Menge Kalorien haben, aber keine nennenswerten Vitamine oder Mineralstoffe. Dafür gibt es reichlich Amaranth und Quinoah. Beide Körner kommen aus Südamerika und sie sind voll mit wichtigen Nährstoffen. Jetzt frage ich mich allerdings, weshalb kommen so viele von diesen supergesunden Sachen, wie auch Maca, Acai und Chia aus Südamerika? Eine gute Antwort habe ich darauf nicht gefunden.

Übrigens bedeutet Superfood nicht, dass man von den Sachen super leben kann, sondern eher, dass sie eine gute Ergänzung sind. Das niederländische Ernährungszentrum sieht die Gefahr, dass sich viele Menschen zu einseitig ernähren, weil sie den lobpreisenden Marketingversprechen zu Superfoods zu viel Glauben schenken. Bei mir ist das aber nicht der Fall. Ich esse so viele verschiedene Sachen, wie noch nie in meinem Leben und eine Prise Superfood am Tag gibt mir eine extra Portion Nährstoffe.

"Vegan sein, ist extrem"

Eine Userin auf Facebook fragte mich übrigens, weshalb ich so oft geschrieben habe, dass ich vegane Kost eine extreme Art der Ernährung finde. Sie findet es eher bedenklich, dass sich viele Menschen keine Gedanken über Ernährung machen. Trotzdem: Für mich steht fest, vegan ist extrem. Das merke ich vor allem in der Kantine. Neulich gab es Bratkartoffeln und Bohnen. Ich dachte: "Endlich habe ich Glück." Aber Fehlanzeige: An den Kartoffeln war Butter dran. Und was ich auch nicht gegessen habe, war der Geburtstagskuchen meiner Tochter. Das war hart.

Wenn ich aber die Perspektive wechsel und alles aus Sicht des Veganers betrachte, dann bekomme ich tatsächlich ein anderes Bild: Wie viel Fleisch essen die anderen? Ob die wissen, wie das gelebt hat? Wie viel Junk-Food stopfen die sich rein? Denken sie darüber nach, was in dem Fertiggericht alles so drinsteckt? Glauben sie dem Bauernhof-Bildchen auf der Milchpackung? Haben sie eine Ahnung, was ungesundes Essen mit ihrem Körper macht? Stimmt eigentlich: Das ist ziemlich extrem.