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Produkte aus "Die Höhle der Löwen": "TeeFee"-Produkte mit Stevia gesüßt – wie gut sind die Tees für Kinder wirklich?

Auf den ersten Blick wirken die Produkte von "TeeFee" bunt, lecker und hip. Wir haben uns die natursüßen Kindertees etwas genauer angesehen und mit einer Expertin gesprochen. Ihr Urteil: Finger weg.

Jill-Evelyn Erlach (links) und Marco Rühl aus Frankfurt präsentieren den mit Stevia gesüßten Tee von "TeeFee". Sie erhoffen sich ein Investment von 1.000.000 Euro für 25 Prozent ihres Unternehmens von den Löwen.

Jill-Evelyn Erlach (links) und Marco Rühl aus Frankfurt präsentieren den mit Stevia gesüßten Tee von "TeeFee". Sie erhoffen sich ein Investment von 1.000.000 Euro für 25 Prozent ihres Unternehmens von den Löwen.

Nachtisch-Tee, Eistee, Früchtetee und weitere Produkte, speziell für Kinder und auch Säuglinge, haben die "TeeFee"-Gründer Jill-Evelyn Erlach und Marco Rühl im Sortiment. Deren Zielgruppe: Kleine Trinkmuffel, also diejenigen, die Wasser verschmähen. Ist das der Fall, kann man die süßen Tees von "TeeFee" verabreichen. Die Gründer betonen zwar auf ihrer Homepage, dass nichts besser als Wasser ist – vor allem für Säuglinge und Kleinkinder. Trinken die aber partout nichts anderes, muss halt Süßes her. Auf den ersten Blick wirken die Produkte ansprechend für Kinder. Auf den Verpackungen steht, dass die Produkte natürlich gesüßt sind, genauer gesagt mit Stevia-Blättern, die sind erst seit diesem Sommer in der EU zugelassen. Aber sind die Produkte wirklich gut für Kinder?

"TeeFee ist als Alternative zu Wasser und gezuckerten Getränken gedacht", sagen die Gründer von "TeeFee". "Denn das zeigt die Realität: Viele Kinder trinken nicht genug, weil ihnen Wasser nicht schmeckt. Wir wissen: Schorlen und Limonaden enthalten in der Regel zuviel Zucker. Genau diese Lücke füllt TeeFee. Wenn Kinder mit Wasser zufrieden sind, gibt es aus unserer Sicht auch keinen zwingenden Grund, ihnen etwas anders anzubieten. Wir finden aber auch: Lieber gewöhnen Sie sich an ein zuckerfreies Getränk als an eine Kalorienbombe."

Ernährungswissenschaftlerin Dagmar von Cramm, die jüngst ein Kochbuch für Babys und Kleinkinder veröffentlicht hat, warnt jedoch vor den süßen Kindertees: "Die aromatisierten, supersüßen Getränke gewöhnen an eine übertriebene Süße und künstlichen Geschmack: Das ist eine Konditionierung auf Industriegetränke! Denn das Kind kann ja nicht unterscheiden, was mit Zucker und was mit Stevia gesüßt ist." 

Was ist Stevia?

Steviablätter sind ein reines Naturprodukt, sie schmecken 20- bis 30-mal süßer als Zucker. Eigentlich sind sie unproblematisch, Professor Hermann von Lilienfeld-Toal vom Deutschen Diabetiker Bund in Hessen mahnt dennoch zur Vorsicht: "Gerade bei einem Tee-Aufguss mit Pflanzenblättern werden viele unbekannte Inhaltsstoffe gelöst." 

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt, eine Höchstmenge von zehn Milligramm Steviolglykosiden (der Süßstoff, der in Stevia-Blättern enthalten ist) nicht zu überschreiten. Diese Menge gilt pro Kilogramm und Tag. Vor allem bei Kindern ist Vorsicht geboten, warnen Verbraucherschützer: Oft wird die empfohlene Höchstmenge bereits mit einer Flasche Limonade überschritten. Bislang fehlen zudem Studien darüber, wie sich eine dauerhafte Überdosierung von Stevioglykosiden auswirkt. Grundsätzlich gilt, den Verbrauch an Süßungsmitteln so gering wie möglich zu halten. Das gilt sowohl für Zucker also auch für Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe. 

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Wie schmecken die Produkte von "TeeFee"?

Zwar sind die Inhaltsstoffe der "TeeFee"-Produkte mit "natürlichen Aromen" aufgeführt. Man sollte aber wissen, was sich hinter dieser Zutat verbergen kann. Zum einen gibt es die natürlichen Aromen, die aus dem ursprünglichen Lebensmittel gewonnen werden, meist extrahiert oder destilliert. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Zudem gibt es aber auch nachgemachte Aromen, die als natürliches Aroma auf der Verpackung stehen. Sie können auch mit Hilfe von Bakterien, Pilzen oder Hefen aus natürlichen Grundstoffen, wie zum Beispiel Sägespänen, hergestellt werden. Das bestätigen Verbraucherschützer. Die Bezeichnung ist daher irreführend, weil die Aromen nicht aus dem ursprünglichen Lebensmittel oder aus der namensgebenden Frucht gewonnen sind.

"TeeFee" erklärte auf Nachfrage, beide Aromen in ihren Produkten zu verwenden: Sowohl die natürlichen Aromen der Frucht, als auch nachgemachte Aromen, deren "Hauptbestandteil nicht von der eigenen Frucht für die Kreation des Aromas verwendet werden". Zum Beispiel ist dies der Fall beim "TeeFee"-Eistee Himbeere. Die Verwendung des nachgemachten Aromas erklären die Gründer so: "Auf das Himbeeraroma zu verzichten, in der Hoffnung, dass genug Geschmack aus den getrockneten Himbeerstückchen herauskäme – funktionierte leider in der Produktentwicklung nicht. Die geben selbst wenn wir in einem Beutel ausschließlich Früchte aufgießen würden nicht das Geschmacksbild ab wie man es von der echten Frucht kennt." 

Die Eistee-Produkte von "TeeFee" in den Geschmacksrichtungen Himbeere, Mango, Apfel und Pfirsich schmecken uns im Test viel zu süß, künstlich und pappig im Nachgeschmack. Was auch dem Einsatz von Stevia geschuldet ist.

Wasser ist das ideale Getränk für Kinder

"Das ideale Getränk für Kinder ist schlichtes Trinkwasser - frisch aus der Leitung", sagt die Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm. Die Macher von "TeeFee" bewerben ihr Produkt als Alternativprodukt, es sollte erst zum Einsatz kommen, wenn Säuglinge und Kleinkinder Wasser verweigern. Auch dafür hat die Ernährungsexpertin eine bessere Empfehlung: "Man kann eine Zitronen- oder Gurkenscheibe oder eine Beere hineinlegen: die zarte Kinderzunge wird dieses natürliche Aroma wahrnehmen und genießen. Tees am besten mit wenigen frischen oder getrockneten Kräutern oder Früchten kurz aufbrühen."

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