VG-Wort Pixel

Barkeepertelefon Vom Zapfhahn zur Seelsorge: Barkeeper führt Tresengespräche jetzt übers Telefon

Barkeepertelefon
Statt Tresengespräche bietet die Goldene Krone in Darmstadt während der Lockdown-Schließzeit das Barkeepertelefon.
© Goldene Krone Darmstadt (Instagram Screenshot)
Die Kneipe ist zu, der Tresen leer gefegt. Ein offenes Ohr hat Barkeeper Dennis Pomplitz für seine Gäste aber weiterhin. Er telefoniert mit ihnen, manchmal bis tief in die Nacht.

Am Bartresen wird nicht nur getrunken, er ist auch Ort der Verschwiegenheit, an dem Gäste Geheimnisse ausplaudern, den Barkeepern ganze Lebensgeschichten erzählen. Dennis Pomplitz kennt das. Er schmeißt normalerweise in der "Goldene Krone" in Darmstadt die Bar. Das Gasthaus ist das älteste der Stadt. Eine Kneipe, in die Studenten kommen wie Senioren, viele sind Stammgäste. Man kennt sich.

Jetzt aber ist die Kneipe zu, der Zapfhahn trocken gelegt und die Gäste müssen draußen bleiben. Die Tresengespräche vis-à-vis bleiben aus. Ein offenes Ohr für die Gäste hat Pomplitz aber trotzdem - neuerdings sitzt er freitags am Barkeepertelefon und redet mit den Anrufern bis tief in die Nacht.

Barkeepertelefon gegen die Einsamkeit

Es begann mit einem Gag. Denn das Gesprächsangebot sei ursprünglich als Werbemaßnahme gedacht gewesen. Eine Idee der Chefin, berichtet Pomplitz der "Hessenschau". Über Social Media ruft die "Goldene Krone" auf: "Ruft uns an und erzählt eure beste Club/Kneipen Geschichte. Fragt uns, was ihr wollt! Chattet mit uns! Trinkt mit uns zusammen!". Eine Stunde wollte Pomplitz ursprünglich Ansprechpartner sein. Aber das Telefon klingelte, klingelte und klingelte.

Manche wollen einfach nur quatschen, einen Moment lang der Einsamkeit und Langeweile entkommen, jemanden zum Anstoßen haben - wenn auch auf Distanz. Andere nutzen das Angebot, um ihre Sorgen zu teilen oder um Rat zu fragen. Denn ist Pomplitz am Barkeepertelefon ist er nicht nur Gesellschafter, er ist auch Seelsorger.

Ein wenig Normalität

Die "Goldene Krone" sei für viele ein Anlaufpunkt, dass der nun wegfalle, sei vor allem für "alleinstehende Menschen um die 40" ein Problem, erzählte der Barkeeper der "FAZ". "Die trifft das am meisten, weil sie sonst nicht viele Kontakte haben." Es sei hart mitzubekommen, wie das die Leute herunterziehe. Auch ihm selbst bringe das Barkeepertelefon ein wenig Normalität zurück. So habe er nun wieder Kontakt mit den Gästen, es sei nicht dasselbe, aber es komme nah dran.

"Ich bin kein Therapeut, der versucht etwas zu ändern. Ich gebe einfach meine Meinung weiter. Und die Gäste wissen, dass ihre Themen nicht nach außen getragen werden", berichtete der 25-Jährige. Wenn der Gast das wünsche, bleibe alles Gesagte "kroneintern". "Wir haben eine Schweigepflicht wie ein Arzt oder ein Pfarrer."

Die Leitung glühte. Deswegen hat die "Goldene Krone" das Angebot ums Barkeepertelefon inzwischen ausgebaut. Nach den persönlichen Gesprächen gibt es nun auch eine Art Live-Show. Dieser Teil des Abends wird per Kamera aufgezeichnet und auf Facebook gestreamt.

Das alles ist Neuland für Pomplitz. Der "Hessenschau" erzählte er, dass er früher eher zurückhaltend gewesen sei, es vermieden habe, Kontakt mit Menschen zu haben. "Aber hier wurde ich ins kalte Wasser geworden", meinte er. "Ich wusste har nicht, dass ich dazu fähig bin."

Quellen: FAZ, Hessenschau, Goldene Krone

tpo

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker