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Häuslicher Unterricht Österreichs Schuldebakel: Wenn es an Schutzkonzepten hapert und die Schüler fehlen

Schulbeginn Österreich
Einschulung in Österreich: Manche Eltern lassen ihre Kinder in diesem Schuljahr lieber ganz daheim
© HANS PUNZ / APA / DPA
Seit dem 6. September läuft in Österreich das neue Schuljahr. Doch der Start verläuft holprig. Für das neue Schutzkonzept fehlt es an Tests und die Zahl der Schulabmeldungen hat sich verdreifacht.

Im August hatte das österreichische Bildungsministerium gegenüber dem stern noch beschwichtigt, der Vorsitzende des Verbands der Elternvereine an den höheren und mittleren Schulen Wiens sah es allerdings schon kommen: Die Zahl der Schulabmeldungen hat sich zum neuen Schuljahres verdreifacht. Wie österreichische Medien unter Berufung auf das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung melden, werden 7515 Schüler statt im Klassenraum zu Hause unterrichtet.

Platz eins mit über 2000 Schulabmeldungen belegt derzeit Österreichs flächenmäßig größtes Bundesland Niederösterreich. Die Landeshauptstadt Wien verzeichnet 870 Abmeldungen und rangiert auf Platz vier. Wie "Der Standard" berichtet sind mehr als zwei Drittel aller abgemeldeten Kinder Grundschüler.

In Österreich gilt, anders als in Deutschland, lediglich eine Unterrichtspflicht. Die Kinder dürfen entweder zu Hause oder an einer Privatschule ohne Öffentlichkeitsrecht unterrichtet werden. Am Ende eines Schuljahres müssen die Schüler eine Externistenprüfung an einer staatlichen Schule absolvieren. In den vergangenen Jahren waren es durchschnittlich etwas mehr als 2000 Kinder, die zu Hause unterrichtet wurden.

Ursachen über Abmeldungen unklar

Über 7000 Abmeldungen sind für ein Land mit gerade einmal etwas mehr als eine Million Schülern – zum Vergleich: Deutschland zählt über acht Millionen Schüler – viel. Für SPÖ-Bildungssprecherin Petra Vorderwinkler spiegeln die "explodierten Abmeldezahlen" den Vertrauensverlust der Eltern in die Bundesregierung. "Das Wichtigste wäre gewesen, das Vertrauen wiederzugewinnen und offene Schulen zu garantieren. Das ist nicht gelungen und darin begründen sich wohl auch ein Gutteil der Entscheidungen der Eltern, die bedauerlich sind", zitiert sie der "Standard".

Die Bildungssprecherin der Neos, Martina Künsberg Sarre, forderte Bildungsminister Faßmann auf, sich über die Ursachen zu informieren. Die wachsende Zahl der Schulabmeldungen seien "alarmierend und zeige die gravierenden Versäumnisse der Bundesregierung in den letzten Monaten und Jahren im Bildungssektor und beim Pandemiemanagement."

Kritik an dem System gibt es bereits seit Längerem. Das Bildungsministerium plant derzeit einen "Maßnahmenkatalog", um die Regeln zur Schulabmeldung zu verschärfen. Demnach sollen Semesterprüfungen eingeführt werden, um den Lernfortschritt der Kinder mehrmals im Schuljahr zu überprüfen. Auch eine Gesetzesänderung schließt das Ministerium nicht mehr aus.

Herausforderungen beim Testen

Doch der Rückgang bei den Schülern ist nicht das einzige Problem. Die ersten drei Schulwochen gelten im Osten des Landes als Sicherheitsphase. In dieser Zeit sollten die Schüler dreimal wöchentlich mittels eines PCR-Tests auf das Coronavirus getestet werden. Das stellt die Bildungseinrichtungen vor Herausforderungen. "Es gibt logistische Probleme in der Zulieferung, der Abholung, in den Laboren, bei den Rückmeldungen – das hat alles nicht besonders gut funktioniert", kritisiert der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger gegenüber der Presseagentur APA.

Der Wiener Lehrervertreter Thomas Krebs sagte dem Nachrichtenportal "Vienna.at", 70 Prozent aller Grugeltests an den Grundschulen seien nicht abgeholt, von den zuständigen Stellen aber als negativ ausgewiesen worden. Auch die Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden gestalte sich schwierig. Diese seien kaum zu erreichen, sodass Infektionsfälle erst spät gemeldet werden. "Die Schulen hängen in vielen Bundesländern in der Luft", kritisiert eine Bundesschulsprecherin.

Quellen: "Der Standard", Vienna.at, Schule.at

cl

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