Papstnachfolge Italienisch ist Pflicht


Bei der Neubesetzung des Heiligen Stuhls ist ein wesentliches Kriterium die Sprachbegabung: Der Papstanwärter sollte fließend Italienisch sprechen - denn Latein ist auch im Kirchenstaat auf dem Rückzug.

In seinen ersten Minuten als Papst hat Johannes Paul II. 1978 bereits eine seiner Prioritäten festgelegt, nämlich die Verbesserung seiner Italienischkenntnisse. Der Pole wusste, was viele Kardinäle dieser Tage bei der Wahl seines Nachfolgers vermutlich feststellen werden: Es hilft, die richtige Sprache zu sprechen. Schlechtes oder kein Italienisch dürfte selbst den besten Kandidaten disqualifizieren.

"Es wäre undenkbar, einen Bischof von Rom zu haben, der die Sprache der Römer nicht spricht", sagt John-Peter Pham, der in den 90er Jahren im Büro des Staatssekretariats im Vatikan arbeitete und dabei den Niedergang von Latein als Umgangssprache in der Kirchenhierarchie miterlebte. Der Papst ist zugleich Bischof von Rom.

Als Karol Wojtyla am 16. Oktober 1978 erstmals als Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz auftrat, sammelte er Pluspunkte bei den Italienern, indem er sie aufforderte, sein Italienisch wenn nötig zu verbessern.

Bis zum Beginn des Konklaves halfen nach Angaben des Vatikans Dolmetscher den Kardinälen aus aller Welt bei ihren Diskussionen. Eingeschlossen in der Sixtinischen Kapelle, sind sie aber auf sich selbst angewiesen. Wer seine Gedanken da nicht gewandt auf Italienisch ausdrücken kann, könnte im Nachteil sein. "Sprache ist Macht" in den Hallen des Vatikans, sagt ein langjähriges Mitglied der Kurie, der seinen Namen nicht öffentlich genannt haben will.

Latein auch im Vatikan auf dem Rückzug

"Ich spreche mit meinen Kollegen im Büro und auf den Fluren Lateinisch, damit wir üben können", sagt Reginald Foster, ein Latein-Experte der Kurie. "Ansonsten wird Italienisch gesprochen." Latein war über Jahrhunderte die Sprache der Kirche und ist es offiziell auch heute noch. Doch seit den späten 60er Jahren, als Reformen Messen auch in der jeweiligen Landessprache ermöglichten, befindet sich Latein unter Kirchenleuten auf dem Rückzug. "Die Kurie arbeitet heute mit Italienisch. Ein Papst, der mit den Menschen um ihn herum nicht reden könnte, wäre im Nachteil", sagt Pham, ein Professor der James-Madison-Universität im US-Staat Virginia. "Schon in der Effektivität des Managements der Kurie wäre er behindert."

Die beiden Konklaven 1978 waren die letzten, in denen die Umgangssprache unter den überwiegend alten Kardinälen noch Lateinisch war. Ob Italienisch als Umgangssprache funktioniert, wird sich nun beim derzeitigen Konklave zeigen. Von den 115 Kardinälen, die an der Papstwahl beteiligt sind, kommen 20 aus Italien. Viele andere haben Italienisch an theologischen Instituten oder Universitäten in Rom studiert, an denen sie ihre Kirchenkarriere begannen. "Viele von ihnen kommen mit Italienisch zurecht, und Englisch ist im Kommen", sagt Foster.

Unter den Kardinälen im Konklave sind auch 20 Lateinamerikaner. Manche Beobachter glauben, dass der neue Papst aus dieser Region kommen könnte. Als einer der Favoriten wird dabei der 62-jährige Erzbischof von Tegucigalpa in Honduras, Oscar Andres Rodriguez Maradiaga, genannt. Wie Johannes Paul II., der erste Nicht-Italiener als Papst seit 455 Jahren, spricht auch Rodriguez Maradiaga mehrere Sprachen, darunter Italienisch.

Frances d'Emilio/AP AP

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