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Serie "Selbst gekocht": Mit Gennaro kochen ist wie Italienisch für Anfänger

"Traditionelle italienische Küche" verspricht "A Tavola mit Gennaro" - und genau das bietet das Kochbuch auch. Eine Prise Raffinesse hätte dem Werk jedoch nicht geschadet.

Von Annette Berger

Seit mehr als zwölf Jahren lebe ich mit einem Süchtigen zusammen: Mein Mann ist ein Pasta-Junkie. Wir essen mehr Nudeln als der Durchschnitts-Italiener. In normalen Wochen kochen wir fünf bis sechsmal Pasta.

Wir haben also schon damit Erfahrung, was man mit langen, kurzen, platten, gewellten und gedrehten Nudeln alles zaubern kann. Und da die einfachsten Gerichte oft die besten sind, gingen wir sehr gespannt an das Kochbuch "A Tavola mit Gennaro" heran. Denn es verspricht: traditionelle italienische Küche. Und das ist es: Einfaches, ehrliches italienisches Essen, schnörkellos und leicht nachzukochen.

Jamie Olivers Mentor

Der Autor Gennaro Contaldo ist vor allem in Großbritannien bekannt. Unter anderem kocht er zusammen mit Antonio Carluccio in der BBC-Kochshow "Two Greedy Italians". Der 65-Jährige gilt als einer der Entdecker und Mentor von Starkoch Jamie Oliver und hat mehrere Kochbücher veröffentlicht. Mein Mann und ich haben uns - natürlich - für ein Nudelgericht entschieden: Bucatini alle melanzane, spaghettiähnliche Nudeln mit Auberginen.

Dicker Pluspunkt: Die Zutaten sind einfach und in jedem Supermarkt zu bekommen: Auberginen, Knoblauch, Dosentomaten, Chili, Basilikum, Sardellen und Kapern. Lediglich die Bucatini gab es nicht. Da diese langen Nudeln mit einem Loch in der Mitte den Maccheroni ähnlich sind, nahmen wir diese, was auch gut schmeckte.

Gennaros Rezept ist leicht nachzukochen, auch ohne viel Erfahrung. Auberginen schneiden und in Olivenöl braten, wegstellen und dann ran an die Tomatensoße, die mit Sardellen und Basilikum verfeinert wird. Zum Schluss werden die Auberginen und die Tomatensoße mit den Oliven, den Kapern und den Nudeln vermischt.

Ohne den Kitsch wäre das Buch besser

Unsere "Bucatini alle melanzane" schmeckten ganz in Ordnung, aber irgendwie fehlt das gewisse Etwas. Ein paar Zwiebeln oder Lauch hätten vielleicht nicht geschadet, auch eine Prise Zucker. Und dass das Ganze gut mit Parmesan schmeckt, könnte man als Italiener vielleicht auch erwähnen.

Das größte Problem an diesem Rezept: Es hat - das ist bei Rezepten generell oft ein Problem - keine Antwort auf die Frage, wie man die Soße flüssig genug bekommt. Würde man Gennaros Anweisung vorgehen exakt folgen, wäre das Gericht eindeutig zu trocken. Alter Trick: Wir haben etwas Nudelwasser in die Soße gegeben.

Nachgekocht ist das Rezept schnell, wir haben etwa 30 Minuten gebraucht. Nach dem Essen haben wir noch ein bisschen in "A Tavola mit Gennaro" gestöbert. Das Buch mit den vielen Fotos, Texten und den kleinen Anekdoten ist vermutlich zum Verschenken gedacht. Als Italiener fabuliert Gennaro natürlich auch darüber, wie wichtig das Essen in seiner Heimat ist und dass man dort im Kreise der - natürlich großen - Familie oft und gern gute Hausmannskost genießt. Nicht fehlen darf, wie das Essen in der großen Küche zubereitet wird, wo die Kinder sich streiten, wer den Teig ausrollen darf. Das ist dick aufgetragen, und wirkt oft klischeehaft und wie Folklore.

In den vielen Kapiteln, in denen Gennaro von Suppen über Pasta, Festtagsküche, Pizza, Süßspeisen oder Eingemachtes schreibt, bringt er allerdings auch immer wieder brauchbare Tipps.

Für Nudel-Junkies wie uns war die Pasta-Rubrik jedoch eine Enttäuschung, weil wir fast alle Rezepte so oder ähnlich schon gekocht haben und es teils bessere Versionen dieser traditionellen Gerichte gibt. Als Einstieg in die italienische Küche ist das Buch aber geeignet. "Italienisch für Anfänger" eben.

Falls Sie Appetit bekommen haben: Auf der nächsten Seite finden Sie das Originalrezept.

Das Rezept: "Bucatini alle melanzane. Bucatini mit Auberginen"

Dieses süditalienische Gericht ist in unserer Familie seit jeher beliebt. Es wurde meist im Sommer zubereitet, wenn im Garten die Auberginen in Hülle und Fülle reiften, die wir zu allen möglichen Gerichten verarbeiteten und auch einmachten. Am besten sei die Sorte »cime di viola«, sagte meine Mutter, eine lange, dünne, leuchtend violette und kernlose Aubergine. Wenn ich sie hier auf dem Markt sehe, greife ich immer zu. Letztes Jahr gab mir ein Freund ein paar davon aus seinem übervollen Garten, sie hatten wirklich einen ganz speziellen Geschmack. Wer im Sommer auf diese Auberginen stößt, sollte sie unbedingt probieren!

Zutaten für 4 Personen

  • 175 ml natives Olivenöl extra
  • 400 g Auberginen,
  • in dünne Streifen geschnitten
  • 2 Knoblauchzehen, fein gehackt
  • ½ rote Chilischote, in feine Ringe geschnitten
  • 1 Prise getrockneter Oregano
  • 2 Dosen (je 400 g) gehackte Tomaten
  • 1 Handvoll frisches Basilikum, grob gehackt, plus Basilikum zum Garnieren
  • 8 Sardellenfilets in Öl, abgetropft
  • Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • 350 g Bucatini
  • 3 EL Kapern
  • 85 g entsteinte schwarze Oliven

Zubereitung

In einer großen Pfanne 6 Esslöffel Olivenöl erhitzen und die Auberginen darin bei mittlerer Temperatur etwa 10 Minuten unter Rühren braten, bis sie goldbraun und weich sind. Sie saugen das Öl rasch auf, dennoch kein weiteres Öl hinzugeben – nach dem Garen tritt es wieder aus. Die Auberginen auf Küchenpapier abtropfen lassen, dann beiseitestellen.

Das restliche Öl in der Pfanne erhitzen, Knoblauch, Chili und Oregano hineingeben und bei mittlerer Temperatur 1 Minute anschwitzen. Die Tomaten und das Basilikum einrühren und 15 Minuten köcheln lassen. Die Sardellen untermengen und 5 Minuten mitgaren; ab und zu umrühren.

Inzwischen in einem großen Topf leicht gesalzenes Wasser zum Kochen bringen und die Bucatini darin nach Packungsanleitung al dente garen. Abgießen und mit der Sauce mischen. Auberginen, Kapern und Oliven zugeben, gründlich durchschwenken, mit Basilikum garnieren, dann sofort servieren.