Neue Hoffnung für Hunderte Beschäftigte bei Domo in Sachsen-Anhalt? Die zwei insolventen Tochterfirmen des belgischen Chemieunternehmens in Leuna könnten wohl doch gerettet werden. Geplant ist, dass unter anderem der Standortbetreiber InfraLeuna eine Tochtergesellschaft gründet und die beiden Firmen übernimmt, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Zuvor hatte die "Mitteldeutsche Zeitung" darüber berichtet. Unklar ist bislang, ob und wie es am Domo-Standort in Premnitz in Brandenburg weitergeht.
Das Chemieunternehmen mit Sitz im belgischen Gent hatte Ende des vergangenen Jahres für seine drei deutschen Tochterfirmen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg Insolvenz angemeldet. Die drei Firmen werden auf der Suche nach Investoren einzeln betrachtet. Es könnte also jeweils unterschiedliche Lösungen geben. Bislang wurden nach dpa-Informationen noch keine Verträge unterschrieben.
Schulze kündigt "positives Endergebnis" an
In einem Statement deutete Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze einen Tag vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am Mittwoch (1. April) eine mögliche Rettung der Unternehmen an. Monatelange Gespräche und Verhandlungen könnten am Mittwoch zu einem "positiven Endergebnis" kommen, so der CDU-Politiker.
Genauere Angaben seien bislang jedoch aus rechtlichen Gründen nicht möglich, da "gewisse Dinge noch final erledigt werden müssen", betonte Schulze. Am Mittwoch solle es zunächst Gespräche mit dem Betriebsrat geben, anschließend wolle der Ministerpräsident gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Lucas Flöther und dem Geschäftsführer der InfraLeuna GmbH, Christof Günther, vor die Presse treten.
Die meisten Domo-Mitarbeitenden sind im sachsen-anhaltischen Leuna beschäftigt, bei der Domo Chemicals GmbH sind es rund 35, bei der Domo Caproleuna GmbH etwa 480. In Premnitz in Brandenburg hat die Domo Engineering Plastics GmbH rund 70 Mitarbeitende.
Insolvenzverfahren steht vor Eröffnung
Ein Sprecher von Flöther äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu einer möglichen Lösung für die Domo-Standorte. Angaben könnten erst gemacht werden, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet sei. In der Zeit zwischen dem Stellen eines Insolvenzantrags und der Eröffnung des Verfahrens verwaltet ein Insolvenzverwalter unter anderem das Vermögen des Schuldners und sucht nach Möglichkeiten, den Geschäftsbetrieb fortzuführen.
Wie die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtete, wollen InfraLeuna und das auf dem Gelände des Chemieparks im Süden Sachsen-Anhalts ansässige Unternehmen Leuna-Harze eine neue Tochtergesellschaft gründen, um die Domo-Töchter zu übernehmen. Sowohl InfraLeuna als auch Leuna-Harze bestätigten diese Pläne offiziell vorerst nicht.
Weiterbetrieb wegen Gefahren für Mensch und Umwelt
Wenige Tage, nachdem Domo die Insolvenz angemeldet und erklärt hatte, die Produktion sofort stoppen zu müssen, hatte sich das Land Sachsen-Anhalt eingeschaltet und entschieden, "aus Gründen der Gefahrenabwehr" bis zum 1. April einen Minimalbetrieb der Produktionsanlagen aufrechtzuerhalten. Flöther hatte damals erklärt, dass es wegen der winterlichen Wetterbedingungen zu diesem Zeitpunkt nicht möglich gewesen sei, die Anlagen in Leuna sicher herunterzufahren.
Die Anlagen liefen also durch Mittel des Landes weiter, um "Gefahren für Mensch und Umwelt zu vermeiden". Auch die Produktion in Premnitz wurde fortgesetzt. Domo stellt vor allem Kunststoff her, der unter anderem in der Automobilindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikbranche weiterverarbeitet wird. Durch die Entscheidung des Landes ging auch die Suche nach Investoren weiter.
Wie viel hat das Land Sachsen-Anhalt bezahlt?
Unklar war bislang, wie viel Geld das Land Sachsen-Anhalt für den Weiterbetrieb zahlen muss. Energieminister Armin Willingmann (SPD) sprach nun von Kosten in Höhe von 80 Millionen Euro, die für die sogenannte Ersatzvornahme, also die Weiterführung des Betriebs bei Domo, angefallen seien. Das sei "gut angelegtes Geld" für den Schutz von Leib und Leben der Menschen und zum Schutz der Umwelt gewesen, so der SPD-Politiker.
Neben Domo gibt es weitere Unternehmen in der Chemiebranche, die sich derzeit in einer schwierigen Lage befinden. Unter anderem hatte das Unternehmen Dow Chemical vor einigen Monaten bekanntgegeben, dass ein Teil seiner Anlagen in Schkopau (Sachsen-Anhalt) und Böhlen (Sachsen) Ende 2027 geschlossen werden soll.
Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Ostdeutschland zählt laut der Gewerkschaft IG BCE 48.000 Beschäftigte in den tarifgebundenen Unternehmen und hat demnach einen Jahresumsatz von über 30 Milliarden Euro. Im Chemie-Dreieck in Sachsen-Anhalt gibt es nach Angaben der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit 100 Firmen mit rund 10.000 Beschäftigten. Die Insolvenz eines Unternehmens kann immer auch Auswirkungen auf andere Firmen in der Region haben, die beispielsweise Stoffe anliefern.