Union Berlin hat auch dank Ex-Coach Urs Fischer auf der Fernseh-Couch den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga geschafft. Nach dem 2:1-Sieg des früheren Trainers mit Mainz 05 beim FC St. Pauli folgte am Abend noch das 1:1 des VfL Wolfsburg beim SC Freiburg. Damit war klar: Die Eisernen können nicht mehr auf Platz 16 oder schlechter abrutschen. Sie gehen in ihre achte Erstliga-Saison.
Rettung hin, Rettung her. Marie-Louise Eta hatte nach ihrem ersten Punktgewinn als Interimscheftrainerin von Union Berlin nicht über alle Rechenspiele reden wollen. Unmittelbar nach dem 2:2 (0:1) gegen den 1. FC Köln konnte die 34-Jährige schließlich noch nicht wissen, dass am Sonntag alles nach Plan laufen würde.
Eta sprach also lieber über die anstehende Trainingswoche. An den "Basics" müsse man arbeiten und an den "Inhalten". Das hörte sich ein wenig zu technokratisch an, ob der Brisanz im Tabellenkeller. Aber sie hatte bei aller Freude über das spät gerettete Remis natürlich recht. Die Eisernen können sich zwar auf weiter Erstliga-Zugehörigkeit vorbereiten. Aber wer immer auch dann als Trainer(in) in der Verantwortung stehen wird: Es gibt viel zu tun in Köpenick.
Livan Burcus Premierentor als Last-Minute-Streich sorgte für ekstatischen Jubel im Stadion an der Alten Försterei. Es übertünchte aber auch das seit Monaten insgesamt mäßige Niveau. Mit Kampf und Wucht war wieder einmal ein Rückschlag abgewendet worden.
Nebendarsteller als Punktgaranten
"So wie das Spiel war, nach dem 0:2 zurückzukommen, fühlt sich das gut an", sagte Eta. "Die Jungs haben ihr Herz auf dem Platz gelassen", resümierte die Union-Trainerin. Es passt zum kollektiven Union-Plot, dass zwei dieser "Jungs" bislang absolute Nebendarsteller der Eisernen waren.
Ersatz-Ersatz-Torwart Carl Klaus, der solide parierte und immer die nötige Ruhe ausstrahlte. Und natürlich Ausgleichstorschütze Burcu. Sein erstes Bundesliga-Tor in der 89. Minute machte die Ausgangslage der Eisernen vor den Partien der Konkurrenz überhaupt erst so verlockend.
"Klar wird man die Spiele auch verfolgen, logisch, da wird man dann draufschauen, aber am Ende geht es dann auch wieder darum, sich gut vorzubereiten auf das nächste Spiel nächste Woche", sagte Eta. Kein "Public Viewing" werde man veranstalten, versicherte Klaus. Hingeschaut haben sie aber alle bestimmt, was da in Hamburg und Freiburg passierte.
Burcu hatte vorher mit dem Lesen der diversen Glückwunsch-Nachrichten zu tun. "Ich habe gerade mein Handy angemacht, wow, kam extrem viel", sagte der 21-Jährige. Die schönste Message kam natürlich von seiner Mama. "Glückwunsch, ich bin sehr stolz auf dich, mein Sohn", habe sie geschrieben, sagte Burcu. "Gleich rufe ich sie noch mal an", erzählte er.
Die Premierensaison bei Union war nicht leicht für den gebürtigen Frankfurter. Mit großen Erwartungen und einer schnellen Verletzung ging es für ihn los. Bisher reichte es nur zu vier Startelf-Einsätzen.
Rapper-Grüße aus Frankfurt
Außer Mutter Burcu waren noch andere spezielle Fans am Start. Unter der Woche posierte er bei einem Berliner Konzert mit den Rappern Aymen und Amo sowie Celo aus dem Frankfurter Duo Celo & Abdi. "Ich kenne die Jungs schon lange, ich bin aus Frankfurt, ich kenne die ganzen Jungs. Sie sind für mich einfach Freunde", sagte er. Trikots mit seinem Namen bekamen die Musiker. "Ja klar, ich hab schon ein paar Videos geschickt bekommen von denen, wie die vorm Fernseher sitzen mit den Trikots", sagte Burcu. Vor dem Fernseher saßen dann auch die Berliner.