Nach der Bekanntgabe des milliardenschweren Auftrags über den Bau neuer Kreuzfahrtschiffe an der Meyer Werft hat die Schweizer Reederei MSC Cruises bekräftigt, langfristig mit den Papenburger Schiffbauern zusammenarbeiten zu wollen. Das machte der Aufsichtsratsvorsitzende von MSC Cruises, Pierfrancesco Vago, nach einem Treffen mit rund 100 Beschäftigten der Werft am Dienstag deutlich.
"Als Familienunternehmen sind langfristige Beziehungen für uns von entscheidender Bedeutung", sagte Vago im Anschluss. "Wir glauben, dass erfolgreiche Partnerschaften auf Vertrauen, Kontinuität und vor allem auf persönlichen Beziehungen beruhen." Gemeinsam mit der Meyer Werft wolle MSC an einem der wichtigsten Projekte im maritimen Sektor in Europa arbeiten.
Was MSC in Papenburg vorhat
MSC Cruises und die Meyer Werft hatten im vergangenen Dezember eine Absichtserklärung für den Großauftrag im Wert von bis zu zehn Milliarden Euro unterzeichnet. Der Vertrag sieht vor, auf der Meyer Werft vier bis sechs Kreuzfahrtschiffe zu bauen. Der Auftrag soll die Werft bis 2035 auslasten.
Dieses Vorhaben könnte bereits in diesem Sommer final beschlossen werden. "Das Ziel ist es, den Schiffsbauvertrag im Juni dieses Jahres zu unterzeichnen", sagte Vago. Es werde sehr schnell gehen. Bis dahin werde es Gespräche über die Finanzierung geben und es werde am Modellentwurf eines Prototyps der neuen Schiffsklasse gearbeitet.
Vago betonte in einem Pressegespräch, es sei ihm von Anfang an wichtig gewesen, mit den Beschäftigten der Werft über das Vorhaben von MSC zu sprechen. Er traf auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), die Werft-Geschäftsführung sowie Vertreter von Bundes- und Landespolitik.
Betriebsratschef: "Sehr gute Zukunft" in Aussicht
Der Besuch des MSC-Aufsichtsratschefs auf der Werft habe der Belegschaft weitere Zuversicht gegeben, sagte Betriebsratsvorsitzender Andreas Hensen. Die Bekanntgabe des Großauftrags von MSC sei für die Beschäftigten schon ein schönes Weihnachtsgeschenk gewesen. Vargo habe in dem Gespräch nun deutlich gemacht, dass ihm auch die Zukunft der Belegschaft am Herzen liege. "Ich glaube, das ist ein ganz starkes Signal an die Belegschaft, dass wir hier wirklich eine sehr gute Zukunft haben", sagte Hensen.
Kommt der Auftrag, endet fürs Erste eine Zeit der jahrelangen Unsicherheit in Papenburg, denn das mehr als 200 Jahre alte Unternehmen stand 2024 kurz vor der Pleite. Erst der Einstieg von Bund und Land Niedersachsen, die jeweils 40 Prozent der Anteile übernahmen und dafür insgesamt 400 Millionen Euro aufbrachten, sicherte das Überleben. Zudem gewährleisteten sie einen Kreditrahmen von 2,6 Milliarden Euro.
Hintergrund der Schwierigkeiten der Meyer Werft waren eine schwindende Nachfrage während der Corona-Pandemie sowie starker Preissteigerungen infolge des Ukraine-Kriegs. Bis Ende 2028 läuft ein Sanierungsprogramm.
Geschäftsführer: Signal für Standort Papenburg
Auch bei Werft-Geschäftsführer Bernd Eikens hinterließ der Auftritt des MSC-Aufsichtsratsvorsitzenden Eindruck. Er hob das starke persönliche Interesse und das Bekenntnis von Pierfrancesco Vago für die Arbeit der Meyer Werft hervor. "Ich habe noch nie eine Person gesehen, die so viel Empathie und Interesse für die Situation der Beschäftigten gezeigt hat", sagte Eikens. "Damit hat er das Herz unserer Beschäftigten erreicht."
Für den Standort Papenburg und die rund 3.200 Beschäftigten der Werft sei das Bekenntnis von MSC "ein starkes Signal". Der Werft-Chef dankte MSC für das Vertrauen. "Auf der Basis technischer Kompetenz, verlässlicher Ablieferung und einem klaren Sanierungsplan, wird die Meyer Werft alles tun, um die Vision von MSC zu realisieren", sagte Eikens.
Wie die Kreuzfahrtschiffe aussehen sollen
Für Zuversicht sorgte auch, dass der MSC-Aufsichtsratschef ankündigte, in Forschung und Entwicklung investieren zu wollen, auch um Schiffbau-Know-how in Papenburg zu halten. Die Bedeutung der Meyer Werft könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, betonte Vago. "Die Schiffe, die wir hier heute bauen werden, werden neue Maßstäbe in Sachen Effizienz, Nachhaltigkeit und Gästeerlebnis setzen." Sie sollen bis 2050 und darüber hinaus in Betrieb sein.
Noch ist nicht allzu viel bekannt, wie die neuen Kreuzfahrtschiffe der sogenannten New-Frontier-Klasse aussehen und ausgestattet werden. Die neuen Ozeanriesen sollen im Premium-Segment angesiedelt werden und alle Generationen von Kreuzfahrreisenden ansprechen, wie Vago sagte. Die Kabinenzahl soll voraussichtlich bei rund 2.000 liegen.
Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hob nach dem Treffen hervor, es gehe MSC um eine strategische, langfristige Zusammenarbeit mit der Werft. Er nannte das ein "extrem starkes Signal", das über die Vergabe eines einzelnen Auftrags hinausgehe. "Wir wollen nicht einfach Schiffe bauen, sondern wir wollen Zukunft gestalten, die beim Kreuzfahrtschiffbau anfängt, aber die mit vielen Technologien, die dabei eine Rolle spielen, sich auch in anderen Bereichen widerspiegeln wird."