In Hessen hat die Erdbeerzeit begonnen. An Verkaufsständen und in Supermärkten sind die roten Früchte schon zu bekommen. Bald startet auch das Selbstpflücken auf den Feldern. Wo sind die größten Anbaugebiete im Land? Und müssen sich Erdbeer-Fans auf steigende Preise einstellen?
Wie viele Betriebe bauen in Hessen Erdbeeren an?
Hessen nimmt Angaben des hessischen Landwirtschaftsministeriums zufolge nach Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern den fünften Platz in der bundesweiten Anbaufläche ein. Im vergangenen Jahr bauten in dem Bundesland demnach 143 landwirtschaftliche Betriebe auf einer Fläche von rund 960 Hektar Erdbeeren an. Das entspricht etwa 1.345 Fußballfeldern.
Wie viele Erdbeeren wurden im vergangenen Jahr geerntet?
Laut dem Statistischen Landesamt rund 7.768 Tonnen. Mit einem Anteil von 3.082 Tonnen reifte mehr als knapp 40 Prozent der gesamten Erntemenge dem Landesamt zufolge in Gewächshäusern oder unter anderen Abdeckungen heran. 4.686 Tonnen wurden im Freiland geerntet.
Aus botanischer Sicht sind Erdbeeren übrigens keine Beeren, sondern Scheinfrüchte. Die eigentlichen Früchte sind die kleinen gelben Körner auf der roten Oberfläche.
Wo sind die größten Anbaugebiete?
Rund zwei Drittel der Anbauflächen liegen nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Südhessen. Vor allem im Rhein-Main-Gebiet, dort insbesondere im Raum Darmstadt und Groß-Gerau, im Hessischen Ried und in der Wetterau werden die süßen Früchte mit hohem Vitamin-C-Gehalt angebaut.
In Mittel- und Nordhessen findet dem Ministerium zufolge eher kleinflächiger Anbau mit überwiegend lokaler Bedeutung statt. "Die Standortvorteile in Südhessen liegen in einem milderen Klima und einer frühen Vegetationsentwicklung sowie guten Böden und der Nähe zu großen Absatzmärkten im Ballungsraum Rhein-Main begründet", erklärt eine Sprecherin.
Welche Sorte wird vor allem angebaut?
"Hauptsorte im hessischen Anbau ist die Sorte 'Clery' aus Italien als frühreifende Erwerbssorte mit europaweiter Anbauverbreitung", erläutert die Sprecherin. Erdbeeren dieser Sorte sind kegelförmig, leuchtend rot und glänzend. Ihr Säuregehalt ist relativ gering. Damit sind die Beeren gut verträglich. Ihr Geschmack ist süß und mild. Dank ihrer Festigkeit hat die "Clery" eine gute Transport- und Lagerfähigkeit.
Im mittleren bis späten Erntefenster gibt es der Sprecherin zufolge es keine dominierende Sorte. Der Sortenmix im Erwerbsanbau sei bewusst gestaffelt zwischen früh, mittel und spät, um die Vermarktung über mehrere Wochen sicherzustellen. "Der Trend geht zu neuen, robusteren und geschmacklich besseren Sorten, bei gleichzeitig hohen Anforderungen an Transportfähigkeit und Optik."
Wie blicken die Betriebe auf die Saison?
Die Ausgangslage für die Erdbeerernte ist dem Hessischen Bauernverband zufolge gut. "Der Saisonstart liegt im mittleren Bereich, also weder besonders früh noch besonders spät", erläutert Sprecherin Marie-Claire von Spee. In Hessen seien die ersten Erdbeeren ab Mitte April verfügbar gewesen, nennenswerte Mengen aus Hochtunneln gegen Ende April. "Dank des geschützten Anbaus reicht das Angebot aus heimischer Erzeugung von April bis Juli."
Viele Kältestunden im Winter hätten für eine ausreichende Ruhephase der Pflanzen gesorgt, ein milder und teils sonniger März für einen frühen Austrieb. "Der Kälteeinbruch Mitte/Ende März hat das Wachstum zwar gebremst, blieb insgesamt jedoch beherrschbar."
Besonders stabil sei der geschützte Tunnelanbau. "Dort gab es keine Frostschäden, die Erträge pro Hektar sind hoch und die Entwicklung der Bestände verläuft sehr gleichmäßig." Im ungeschützten Freiland seien regional Ernteeinbußen möglich, vor allem dort, wo offene und geschlossene Blüten Frost ausgesetzt waren.
Welche Herausforderungen gibt es beim Anbau?
"Witterungsbedingt stellte vor allem der Kälteeinbruch im März eine Herausforderung dar", erklärt von Spee. Während Tunnelbestände vollständig geschützt gewesen seien und doppelt mit Vlies abgedeckte Freilandflächen nur geringe Schäden aufwiesen, sei es im ungeschützten Freiland regional zu Frostschäden gekommen. "Dort sind gegebenenfalls Ertragseinbußen zu erwarten."
Unabhängig von der Witterung stünden die Betriebe unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. "Der steigende Mindestlohn ist eine zentrale Herausforderung, da Erdbeeranbau und insbesondere die Ernte sehr arbeitsintensiv sind und die Lohnkosten einen großen Anteil an den Produktionskosten haben", schildert von Spee.
Zudem belasteten stark gestiegene Energiepreise, insbesondere beim Diesel, sowie höhere Preise für Dünger, Folien und Pflanzenschutzmittel die Betriebe. "Diese Kosten lassen sich am Markt nur begrenzt über höhere Erzeugerpreise ausgleichen, da Erdbeeren stark im Preiswettbewerb mit dem Ausland stehen und die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher begrenzt ist."
Werden Erdbeeren in diesem Jahr teurer?
Laut von Spee werden sich die Preise voraussichtlich auf einem relativ stabilen Kostenniveau bewegen. "Leichte Preissteigerungen sind möglich, vor allem vor dem Hintergrund deutlich gestiegener Produktionskosten durch Mindestlohn, Energie und Betriebsmittel."
Ein 500-Gramm-Schälchen der Früchte dürfte in der Regel zwischen 4,50 und 5 Euro kosten, sagte eine Sprecherin der Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen. Das könne natürlich schwanken, aber selten dürften die Preise über 5 Euro für ein solches Schälchen liegen.