Die Linke zieht mit Bildungsministerin Simone Oldenburg als Spitzenkandidatin in den Landtagswahlkampf. Die 56-jährige Lehrerin erhielt bei einem Listenparteitag in Rostock 79 von 114 gültigen Stimmen und erzielte damit ein Ergebnis von 69,3 Prozent. Auf Platz zwei und drei wählten die Delegierten Linkenparteichef Hennis Herbst (74,6 Prozent) und Justizministerin Jacqueline Bernhardt (67,4 Prozent). Gegenkandidaten gab es jeweils nicht.
Oldenburg verwies in ihrer Rede auch auf ihre Großeltern, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus gewesen seien. "Unser Land droht wieder Stück für Stück von Rechtsaußen zerfressen zu werden", warnte Oldenburg. Die Linke werde es nicht zulassen, dass sich der schrecklichste Teil der deutschen Geschichte wiederhole. Notwendig sei eine geschlossene Linke, die nicht zaudere und sich nicht wegducke, betonte sie. "Machen wir uns auf in einen überzeugenden, lebendigen und mutigen Wahlkampf."
Van Aken fordert AfD-Verbotsverfahren
Linke-Bundesparteichef Jan van Aken bezeichnete die Wahl am 20. September in einer Videogrußbotschaft als Richtungsentscheidung für MV. "Wir zeigen Haltung gegen rechts und machen Politik für die Menschen und nicht gegen sie. Nazis bekämpft man nicht mit warmen Worten. Wir sind bereit über den Bundesrat ein AfD-Verbot auf den Weg zu bringen – ohne Wenn und Aber."
Nach der Landtagswahl 2021 zogen neun Abgeordnete der Linken in den Schweriner Landtag ein. Damals erreichte die Partei 9,9 Prozent der Stimmen. Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag der "Ostsee-Zeitung" vom 19. Februar könnte die Linke bei der Wahl mit elf Prozent der Wählerstimmen rechnen. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag des NDR vom 27. Januar sah sie bei zwölf Prozent.
Ex-Gleichstellungsbeauftragte auf Listenplatz 5
Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke), die die Delegierten in der Hansestadt begrüßte, sieht den Wahlkampf in "rauen Zeiten" stattfinden. "Es wird polarisiert, angeheizt und zugespitzt. Wer Verantwortung übernommen hat, muss eine ganze Menge ertragen. Das Grundvertrauen in Staat und Politik ist ganz stark beschädigt, und wir als Linke sind mittendrin."
Auf der Landesliste standen zahlreiche Kandidatinnen und Kandidaten, darunter auf Platz fünf die frühere Landes-Gleichstellungsbeauftragte Wenke Brüdgam, die ein Ergebnis von 81,7 Prozent erreichte. Brüdgam war Anfang Dezember zurückgetreten, nachdem sie Deutschland-Fahnen von leerstehenden Häusern entfernt und zerknüllt hatte und dies auf einem später gelöschten Social-Media-Post gezeigt hatte. Sie ist derzeit in der Rostocker Stadtverwaltung beschäftigt.
"Ich hatte Angst."
Brüdgam betonte, sie habe einen Fehler gemacht und sich dafür auch aufrichtig entschuldigt. Sie und ihre Familie seien aber danach von rechter Seite heftig angefeindet worden und sie habe digitalen Hass, Drohung und Entmenschlichung erlebt. "Ich hatte Angst, und wenn sich Frauen aus Angst zurückziehen, verstummt ihre Stimme in der Demokratie."
Unter die ersten zehn wurden zudem gewählt: die Landtagsabgeordneten Christian Albrecht (Listenplatz 4), Michael Noetzel (6) und Torsten Koplin (8), die Greifswalder Kommunalpolitikerin und Jurastudentin Sophie Tieding (7) sowie die Rostocker Linken-Kreisvorsitzende Nurgül Senli (9).