Wirbel im Kreistag
Nach Kritik an Amtsführung: Landrat kandidiert nicht erneut

Die SPD in Göttingen braucht einen neuen Landratskandidaten. (Symbolbild) Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Die SPD in Göttingen braucht einen neuen Landratskandidaten. (Symbolbild) Foto
© Bernd Weißbrod/dpa
Seine eigenen Mitarbeiter erheben Vorwürfe gegen den Göttinger Landrat Marcel Riethig (SPD). Vetternwirtschaft? Rechtsverstöße? Der Beschuldigte weist alles zurück, zieht aber dennoch Konsequenzen.

Der Göttinger Landrat Marcel Riethig (SPD) wird nicht erneut für sein Amt kandidieren. Das teilte sein SPD-Unterbezirk in Göttingen am Abend mit. Zuvor hatten mehrere Medien über Vorwürfe gegen die Amtsführung Riethigs berichtet.

Seine Kandidatur für die Landratswahl 2026 sei "unter den gegebenen Umständen politisch nicht aufrechtzuerhalten", habe Riethig dem Göttinger SPD-Verband am Donnerstag mitgeteilt. Der Vorstand der Göttinger SPD ist laut einem Schreiben ebenfalls dieser Meinung. Der Vorsitzende, Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi, sagte die Entscheidung "schafft jetzt Klarheit für die weitere politische Arbeit".

Der Vorstand der Göttinger SPD kündigte an, "unverzüglich" einen Nachfolger für die Landratskandidatur suchen zu wollen. Weiter forderte er eine "umfassende und zügige Aufklärung der im Raum stehenden Vorwürfe." Ob Riethig auch vom Amt des Landrats zurücktritt, blieb zunächst offen.

Beschwerde von Kreisräten bei der Kommunalaufsicht

Hintergrund der Entwicklung ist eine Beschwerde gegen die Amtsführung von Marcel Riethig bei der Kommunalaufsicht. Laut dem Innenministerium ist das Schreiben dort am Montag eingegangen und werde geprüft. Es soll exemplarisch eine Reihe von Sachverhalten enthalten, die Dienstvergehen belegen sollen. Je nach Ausgang der Prüfung könnte dem Landrat ein Dienstvergehen drohen. Nach Angaben des Landkreises wurde das eigentlich vertrauliche Dokument unter anderem von den Kreisrätinnen Doreen Fragel (Grüne), Marlies Dornieden (CDU) sowie dem Kreisrat Conrad Finger (SPD) übergeben.

Der Landrat hatte sich bereits am Dienstag über Facebook zu Wort gemeldet. "Den Vorwurf der Vetternwirtschaft und der Rechtsverstöße weise ich zurück", hatte er dort unter anderem geschrieben. Er sei von den Vorwürfen völlig überrascht, kenne das Beschwerdeschreiben aber auch nicht. Über seinen Anwalt bekräftigte er diese Aussagen am Donnerstag. In einem Schreiben hieß es dort zudem: "Die dargestellten Behauptungen beruhen offensichtlich auf unvollständigen und teilweise sogar falschen Informationen."

dpa