Deutschlands wohl erste in das öffentliche Verkehrsnetz eingebundene, in Herne geplante Seilbahn soll "Blumenthal Airline" heißen. "Damit setzen wir bewusst auf einen Markenauftritt, der sich buchstäblich abhebt von dem, was man sonst üblicherweise aus dem ÖPNV-Bereich kennt", sagte Hernes Oberbürgermeister Frank Dudda (SPD) laut aktueller Mitteilung.
Mit der Bezeichnung wolle man auffallen und aufhorchen lassen. Nach Angaben der Stadt würde es sich um die erste, in den Nahverkehr integrierte urbane Seilbahn Deutschlands handeln - dann auch nutzbar etwa mit dem Deutschlandticket. Der Baubeginn ist für 2030 geplant.
Was ist geplant und was kostet es?
Die etwa einen Kilometer lange Seilbahn soll ein künftiges High-Tech-Quartier auf einem ehemaligen Zechen- und Kraftwerksgelände, das Blumenthal-Areal, mit dem Bahnhof von Wanne-Eickel und den umliegenden Wohnvierteln verbinden.
Das Projekt war im vergangenen Jahr in den ÖPNV-Bedarfsplan des Landes NRW aufgenommen worden und kann somit die nötigen Fördermittel beantragen. Bei Bewilligung einer Förderung würden bis 95 Prozent der Kosten aus öffentlichen Töpfen übernommen. Die Kosten sollen rund 33 Millionen betragen.
Wie weit fortgeschritten ist das Projekt?
Betrieben werden soll die Seilbahn vom kommunalen Nahverkehrsunternehmen HCR und dem Mobilitätsunternehmen Transdev, das unter anderem in Paris eine urbane Seilbahn realisiert hat.
Verträge für die Gründung der gemeinsamen Betreibergesellschaft seien Ende Januar unterschrieben worden, teilte nun die Stadt mit. Das Mobilitätsprojekt werde von zahlreichen Nahverkehrsexperten bundesweit mit großem Interesse verfolgt. Im Sommer soll der Rat der Stadt Herne dann in einem nächsten Schritt der Ausschreibung des Projektes zustimmen.
Wieso sind die Pläne in Herne besonders?
Bisher sind Seilbahnen in deutschen Großstädten - wie in Berlin, Koblenz oder Köln - nicht Teil des öffentlichen Verkehrsnetzes oder richten sich an Touristen wie in den Bergen. Metropolen wie New York oder La Paz setzen allerdings schon länger auf urbane Seilbahnen für Pendler. In Deutschland ist das Verkehrsmittel seit 2022 bei der öffentlichen Förderung anderen Verkehrsmitteln gleichgesetzt.
Auch die Stadt Bonn treibt Pläne für eine Seilbahn von Beuel über den Rhein zum Venusberg voran. Aufgrund der längeren Trassenführung auch über bebautes Gebiet gilt das Projekt und somit Realisierung als komplexer und zeitaufwendiger.