Winterwetter "Elli" verschont NRW: Null Kilometer Stau auf den Autobahnen

Seit Ende Dezember ist der Winterdienst in Nordrhein-Westfalen fast im Dauereinsatz. Foto: Henning Kaiser/dpa
Seit Ende Dezember ist der Winterdienst in Nordrhein-Westfalen fast im Dauereinsatz. Foto
© Henning Kaiser/dpa
Kein Stau, kaum Unfälle: NRW erlebt statt Winterchaos fast leere Straßen. Sturmtief "Elli" wütet nur knapp hinter der Landesgrenze - doch auch im Westen steht ein eiskaltes Wochenende bevor.

Der Wintersturm "Elli", der den Zugverkehr in Norddeutschland weitgehend lahmgelegt hat, hat Nordrhein-Westfalen zunächst glimpflich behandelt. Im Gegensatz zu Schnee-Chaos in mehreren anderen Bundesländern gab es hier Tauwetter und Temperaturen bis 7 Grad. 

Der ruhende Bahnverkehr im Norden hatte allerdings auch Auswirkungen auf Reisende in NRW: Weil der ICE-Verkehr rund um Hannover gestoppt wurde, kamen sie auf der Schiene nicht nach Berlin und Hamburg. Am Samstagmorgen will die Deutsche Bahn den Fernverkehr schrittweise wieder aufnehmen. 

Nicht nur Bahnreisende müssen aufpassen

Trotzdem sei bundesweit noch mit Einschränkungen und Zugausfällen zu rechnen, teilte das Unternehmen mit. Die Bahn bittet alle Reisenden, sich vor Fahrtantritt in der App DB Navigator und auf ihrer Internetseite über die aktuelle Verkehrslage zu informieren.

Vorbei ist der Winter auch in NRW noch nicht. In der Nacht zum Samstag könnte es durch Schnee und gefrierende Nässe noch einmal gefährlich glatt auf den Straßen werden - vor allem in den Höhenlagen. 

Der Deutsche Wetterdienst sprach am Abend aber für NRW überwiegend nur Warnungen der untersten Stufe 1 vor Windböen, Frost und leichtem Schneefall aus. Lediglich für das Siegerland und kleinere Teile des Sauerlands galt Warnstufe 2 vor "markantem Wetter". Die Polizei appelliert an Autofahrer, überall vorsichtig zu fahren.

Viele Autofahrer bleiben vorsorglich zu Hause

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Das Tiefdruckgebiet war in der Nacht zum Freitag über Nordrhein-Westfalen hinweggezogen. Winterdienste waren im Dauereinsatz, um die Straßen freizuhalten. Doch abgesehen von den Höhenlagen fiel statt Schnee vor allem Regen. Im Berufsverkehr am frühen Freitagmorgen kam es deshalb nur zu einigen wenigen Glätte-Unfällen. 

Außerdem waren viele Autofahrer wegen der Wetterwarnungen offensichtlich zu Hause geblieben. Auf den Straßen war es so ruhig wie selten: Laut WDR-Verkehrsstudio gab es auf den Autobahnen in NRW mitten im Berufsverkehr am Morgen ebenso wie am Abend keinen einzigen Kilometer Stau - das gibt es sonst eigentlich nie an einem Werktag.

Lediglich in Ostwestfalen und im Sauerland wurde die Polizei zu einigen Glätte-Unfällen gerufen. An Steigungen blieben Lastwagen stecken und mussten warten, bis der Winterdienst die Fahrbahn gestreut hatte. Im Siegerland rutschte ein Bus gegen einen Baum, doch Fahrgäste waren zu dem Zeitpunkt nicht im Fahrzeug. In Kalkar am Niederrhein kollidierte ein Räumfahrzeug beim Abbiegen mit einem Geldtransporter, der gerade überholen wollte.

Kein Zug nach Berlin und Hamburg

Doch schon knapp hinter der Grenze zu Niedersachsen traf der Wintersturm die Menschen deutlich härter. Die Bahn stellte am Freitagvormittag den Fernverkehr in Norddeutschland ein. Reisende aus Nordrhein-Westfalen kamen dadurch nicht mehr mit dem ICE nach Hannover, Berlin oder Hamburg. Die Züge endeten stattdessen in Dortmund, Münster oder Bielefeld, wie ein Bahnsprecher sagte. Die Fahrgäste würden an den Bahnhöfen versorgt.

In Ostwestfalen und im Sauerland gab es am Vormittag auch im Regionalverkehr zeitweise Probleme. Auf einigen Linien seien durch den Wintereinbruch Weichen ausgefallen, teilte die Bahn mit. Betroffen waren etwa Verbindungen rund um Paderborn oder im Hochsauerland. In Kalletal im Kreis Lippe wurde der Busverkehr eingestellt, weil es zu glatt war.

Schnelle Schneeschmelze lässt Pegelstände steigen

In den tiefergelegenen Gebieten an Rhein und Ruhr stiegen die Thermometer unterdessen auf bis zu 7 Grad. Weil es gleichzeitig regnete, schmolz der Schnee vielerorts innerhalb von wenigen Stunden weg. Das wird in den kommenden Tagen absehbar die Pegelstände vieler Flüsse ansteigen lassen. 

Zu Hochwasser an den Flüssen wird die schnelle Schneeschmelze nach Einschätzung von Experten trotzdem nicht führen. Die Pegelstände sind im Moment überall vergleichsweise niedrig. Sowohl im Rhein als auch in den kleineren Flüssen sei der Wasserstand noch weit entfernt von einem möglichen Hochwasser, teilten die Behörden mit.

Verkehrsminister sagt den Räumdiensten Danke

Wegen des heftigen Wintereinbruchs sind die Räumdienste im ganzen Land seit Ende Dezember fast im Dauereinsatz. Landesverkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) hat ihnen bei einem Besuch in der Straßenmeisterei im oberbergischen Wiehl gedankt. "Was ich hier an persönlichem Einsatz und an Professionalität erlebe, ist beeindruckend", sagte der Minister. "Sie übernehmen eine große Verantwortung."

Am Wochenende teilweise minus 13 Grad in NRW

Das Wochenende bringt auch in Nordrhein-Westfalen noch einmal knackig tiefe Temperaturen. Bis zu minus 13 Grad seien in Ostwestfalen möglich, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Der Bielefelder Tierpark Olderdissen bleibt am Samstag und Sonntag aufgrund der zu erwartenden Schnee- und Eisglätte geschlossen. 

Auch an Rhein und Ruhr droht Dauerfrost. Allzu starken Schneefall erwarten die Meteorologen aber nicht mehr. Auf den Straßen könnte es trotzdem weiterhin überall glatt werden.

dpa

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