Der Wechsel an der Spitze der zweiten Ampel-Regierung in Rheinland-Pfalz war das Top-Ereignis in der zu Ende gehenden Wahlperiode. Der Landtag wählte Alexander Schweitzer im Juli 2024 mit 57 Stimmen zum Nachfolger von Malu Dreyer (beide SPD) - drei Stimmen mehr, als das Regierungsbündnis aus SPD, FDP und Grünen Sitze hat. Den Vorsitz der größten Regierungsfraktion übernahm Sabine Bätzing-Lichtenthäler von Schweitzer. Am 22. März entscheiden die Bürgerinnen und Bürger, ob Schweitzer Ministerpräsident bleibt.
Die größten Hochs und Tiefs der vergangenen fünf Jahre aus dem Deutschhaus am Rhein.
Herausragend: die Flutkatastrophe
Die Flutkatastrophe mit rund 135 Toten gleich zu Beginn der neuen Wahlperiode im Sommer 2021 wurde rund drei Jahre lang von einem Untersuchungsausschuss aufgearbeitet. Viele Aussagen der zahlreichen Zeugen und Sachverständigen machten die Abgeordneten und anderen Zuhörer sicht- und hörbar betroffen.
"Demut ist für mich das Wort, das am Ende steht", sagte der Ausschussvorsitzende Martin Haller (SPD) bei der Vorstellung des Abschlussberichtes. Und bedankte sich unter dem Applaus der Abgeordneten bei "allen Helden in und nach der Katastrophe".
Ministerpräsident Schweitzer räumte im Kontext mit der tödlichen Katastrophe Fehler ein. Keine staatliche Ebene "und damit meine ich natürlich ausdrücklich auch die des Landes" sei frei von Fehlern gewesen. Eine förmliche Entschuldigung, wie von der Opposition gefordert, blieb aus.
2026 - fünf Jahre danach - werde ein Jahr des Gedenkens sein, sagte Schweitzer in seiner Neujahresansprache. "Zugleich setzen wir den Wiederaufbau mit voller Kraft fort."
Besonders gravierend: Tod und Rücktritt
Der unerwartete Tod des langjährigen Justizministers, Abgeordneten und die rheinland-pfälzische Politik mitprägenden Liberalen Herbert Mertin. Der Vollblutpolitiker war über Parteigrenzen hinweg beliebt und angesehen. Ebenso unerwartet starb am letzten Tag des vergangenen Jahres der in seiner SPD sehr beliebte Abgeordnete und Sozialpolitiker Michael Simon.
Der Rücktritt des langjährigen Innenministers und SPD-Chefs Roger Lewentz im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Flutkatastrophe war eine Zäsur für die Regierungspartei. Die Nachfolge in beiden Ämtern organisierte er gemeinsam mit Dreyer ohne nach außen erkennbare Widersprüche, Streitigkeiten oder Verletzungen in der SPD. Das Innenministerium ging an Michael Ebling, der Parteivorsitz an Fraktionschefin Bätzing-Lichtenthäler.
Interne Streitereien
Auf den langjährigen CDU-Fraktionschef Christian Baldauf, der die Wahl 2021 gegen Dreyer verloren hat, folgte nach einem öffentlich ausgetragenen Streit Gordon Schnieder. Der Mann aus der Eifel tritt jetzt im März gegen den Pfälzer Schweitzer an - und weiß die Partei und Fraktion hinter sich.
In der FDP kam es nach dem Tod von Mertin und dem Austritt des langjährigen Landesparteichefs Volker Wissing auch zu einem Machtkampf. Als Siegerin ging Wirtschafts- und Verkehrsministerin Daniela Schmitt daraus hervor und wurde Spitzenkandidatin für die Landtagswahl. Fraktionschef Philipp Fernis übernahm das Justizministerium, den Fraktionsvorsitz übergab er an Steven Wink.
Streit gab es ebenfalls bei der oppositionellen AfD: Landeschef Michael Frisch verlor den Machtkampf gegen Jan Bollinger und trat aus der Partei aus. Parteichef Bollinger führte die Partei in den Wahlkampf. Frisch und die ehemaligen AfD-Abgeordneten Martin Louis Schmidt und Matthias Joa machten im Landtag als Fraktionslose weiter, nannten sich dabei gern die drei Farben, erreichten aber keinen Gruppenstatus. Frisch schloss sich zudem dem von Ex-AfD-Chefin Frauke Petry gegründeten Verein "Team Freiheit" an; dem neuen Landtag wird er nicht mehr angehören.
Bei den Freien Wählern - erstmals im Parlament vertreten - brachen nach dem Wechsel von Fraktionschef Joachim Streit ins EU-Parlament interne Animositäten auf und ein Richtungsstreit aus. Der neue Fraktionsvorsitzende Helge Schwab blieb nicht lange im Amt, weil sich die Fraktion zerlegte und mit vier Abgeordneten nur noch Gruppenstatus hat.
Der Abgeordnete Bernhard Alscher wurde im Kontext mit dem internen Streit aus der Partei ausgeschlossen; sein Kollege Herbert Drumm darf vier Jahre lang keine Parteiämter mehr übernehmen.
Bei den Grünen verließ der Abgeordnete Andreas Hartenfels Fraktion und Partei und trat dem frisch gegründeten BSW-Landesverband bei. Die Außen- und Sicherheitspolitik der Grünen nannte er als Grund.
Wechsel ins Bundeskabinett
Die ehemalige Umweltministerin Anne Spiegel (Grüne) zog es im Dezember 2021 als Familienministerin nach Berlin. Nur vier Monate später trat sie zurück. Dabei ging es um einen vierwöchigen Familienurlaub zehn Tage nach der Flutkatastrophe und irreführende Angaben zu ihrer Abwesenheit. Im Mai tritt die inzwischen 45-Jährige ihr Amt als Sozialdezernentin in der Region Hannover an.
Stefanie Hubig (SPD) übernahm nach fast zehn Jahren als Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz im Mai 2025 in der schwarz-roten Bundesregierung das Justizressort.
Ausgeschiedene Abgeordnete und ihre Nachfolger
Fast ein Viertel (24) der 101 Abgeordneten kam in der Wahlperiode neu dazu, weil Vorgänger ausschieden. Besonders traurige Gründe für Wechsel waren der Tod von Mertin und Simon.
Der Fraktionschef der Freien Wähler, Streit, wechselte ins EU-Parlament. Ellen Demuth (CDU) und Iris Nieland (AfD) zogen in den Bundestag ein.
Für Integrations- und Familienministerin Katharina Binz (Grüne) sowie eine Reihe von Staatssekretären rückten gleich zu Beginn der Legislaturperiode Abgeordnete nach, weil sie ihr Mandat mit dem Amt abgaben.
Vom Parlament an die Spitze eines Landkreises wurden gewählt: Thomas Barth, Anke Beilstein, Martin Brandl (alle CDU) sowie der Sozialdemokrat Jörg Denninghoff. Pierre Fischer (CDU) und David Guthier (SPD) zog es von der Landes- in die Kommunalpolitik.
Die anderen ausgeschiedenen Abgeordneten hatten persönliche Gründe.
Ordnungsrufe und Rügen
Beides spielte in der 18. Wahlperiode kaum eine Rolle. Es gab zwei Rügen, eine für die Grünen und eine für die AfD sowie keinen einzigen Ordnungsruf. Kritik an Äußerungen oder dem Verhalten von Abgeordneten äußerten die Präsidenten der Landtagssitzungen viermal, dreimal war die CDU betroffen, einmal mehrere Abgeordnete.
Gesetze und Debatten
Landesregierung und Fraktionen brachten 186 Gesetze ein, das waren 14 mehr als in der vorangegangenen Wahlperiode. Die Zahl der kleinen Anfragen lag mit 5.781 um 40 unter denen der 17. Wahlperiode. Dafür wurden 82 mehr große Anfragen eingebracht, insgesamt 294. Dazu kamen 608 (minus 59) Anträge.