Nur wenige Busse und Straßenbahnen fahren am letzten Arbeitstag der Woche in Rheinland-Pfalz: Der Warnstreik im öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) hat wie geplant am Freitag um 3.00 Uhr begonnen. "Vielerorts kommt der Betrieb zum Erliegen", sagte Verdi-Sprecher Johannes Albrecht. Die Fahrgäste müssten bis zur letzten Schicht am späten Samstagabend mit erheblichen Einschränkungen rechnen. "Vielerorts wird der ÖPNV weiterhin weitgehend ausfallen."
Rund 1.500 Beschäftigte der Verkehrsbetriebe sind laut Verdi in den Städten Mainz, Pirmasens, Trier sowie Bad Kreuznach zum Streik aufgerufen. Etwa 750 Mitarbeiter wie etwa Busfahrer und Straßenbahnfahrer beteiligten sich am Streik, sagte ein Gewerkschaftssprecher.
In den Landkreisen Bad Kreuznach und Mainz-Bingen fielen alle Schulbusse aus, wie der Rhein-Nahe Nahverkehrsverbund (RNN) mitteilte. Auch in Trier, Pirmasens und Kaiserslautern fuhren die Schulbuslinien laut Verkehrsbetrieben nicht.
Ausnahme für Fußballfans
In Kaiserslautern endet der Streik bereits am Samstag um 4.00 Uhr - Grund ist der Fußball. Der Zweitligist 1. FCK empfängt um 13.00 Uhr den SC Paderborn.
In Mainz gilt ein Notfahrplan
In Mainz waren am Vormittag 17 Busse und 8 Straßenbahnen nach einem Notfahrplan unterwegs, wie ein Sprecher der Mainzer Stadtwerke mitteilte. Dieses Angebot wurde auch von etlichen Fahrgästen genutzt, so etwa im Berufsverkehr am Hauptbahnhof der Landeshauptstadt.
Die meisten Verbindungen fielen aber aus. Zwischen 6.00 Uhr und 20.00 Uhr werde auf den Hauptlinien 50, 51, 66, 68, 90, 91, 92 und 93 sowie eventuell noch weiteren Routen maximal im 30-Minuten-Takt gefahren, sagte der Sprecher. Trotzdem könne es Ausfälle und kurzfristige Fahrplanänderungen geben.
In den Landkreisen Bad Kreuznach und Mainz-Bingen fielen am Freitag alle Fahrten aus, hieß es beim RNN. Am Samstag solle es einen Notfahrplan geben. Dann entfallen die Linien 210 und 69 sowie der Stadtverkehr in Nieder-Olm.
In Koblenz rollt es, in Trier, Pirmasens und Kaiserslautern nicht
In Trier führen nur einzelne Linien, die nicht von den Stadtwerken betrieben würden, teilte eine Sprecherin mit. Minibusse, sogenannte "Smart-Shuttle", könnten eine Alternative sein und vorab im Internet per App oder telefonisch bei den Stadtwerken gebucht werden.
Ein Notbetrieb sei wegen der hohen Streikbeteiligung nicht möglich. Die Stadtwerke Pirmasens und Kaiserslautern stellten ihren Busbetrieb komplett ein, hieß es. In der Süd- und Westpfalz sind die Regionalbusse der Queichtal-Nahverkehrsgesellschaft (QNV) unterwegs.
In Koblenz fahren die Busse dagegen nach Plan. Die Verkehrsbetriebe sowie der Verkehrsverbund Rhein-Mosel waren nicht vom Warnstreik betroffen.
Züge, S-Bahnen oder Regionalbusse - welche Alternativen gibt es?
Die Deutsche Bahn wird ebenfalls nicht bestreikt, teilt eine Sprecherin mit. Regionalzüge, Regionalbusse der DB Regio Mitte, der Schienenersatzverkehr sowie S-Bahnen führen regulär. Insbesondere an den Haltestellen der Regionalbusse am Mainzer Hauptbahnhof waren am Morgen viele Menschen zu sehen. Wer von Mainz mit dem Bus zum Hauptbahnhof ins benachbarte Wiesbaden möchte, könne aber die Buslinie 28 der Verkehrsbetriebe ESWE nutzen. Die meisten Buslinien in Wiesbaden fuhren allerdings nicht.
Drohen weitere Streiks?
Bereits Anfang Februar war der Nahverkehr im Land bestreikt worden. Die Arbeitgeberseite hält jetzt eine baldige Einigung in der Tarifauseinandersetzung für möglich. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 9. März statt.
Für die Gewerkschaft Verdi kommt es darauf an, dass die Arbeitgeberseite ein "verhandlungsfähiges Angebot" vorlegt, wie ein Sprecher mitteilte. Im Kern fordere Verdi für die Beschäftigten deutlich bessere Arbeitsbedingungen. Dazu gehöre eine Erhöhung von Zuschlägen und Urlaubsgeld.
"Wir sind zuversichtlich, dass nach den Warnstreiks Bewegung möglich ist, wenn die Arbeitgeber einlenken", sagte der Verdi-Sprecher. Ob es zu weiteren Warnstreiks komme, hänge vom Verlauf der Verhandlungen ab.
Arbeitgeber: Einigung in nächster Runde möglich
"Es ist uns in den bisherigen vier Verhandlungsrunden gelungen, eine Lösung zu entwickeln, deren Kosten verträglich wären", hatte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Markus Sprenger, am Donnerstag gesagt. Der Geschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbands (KAV RP) betonte: "Die Vorstellungen liegen nicht mehr weit auseinander." Es könne bei den nächsten Gesprächen zu einem Endpunkt kommen.
Einzelne Vertreter von Verdi wollten bundesweit Standardisierungen etwa in Form von Wochenarbeitszeitverkürzungen oder Erhöhungen bei Sonntagszuschlägen durchsetzen. "Wichtig ist uns ein Verhandlungsergebnis, bei dem das bekannte Nahverkehrsangebot trotzdem weiter funktioniert und die Kosten gut leistbar bleiben."
Infos Verdi zum Warnstreik RLP