Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat bei einer Lesung im Magdeburger Dom die Unantastbarkeit der Menschenwürde als zentralen Maßstab für Politik und Gesellschaft hervorgehoben. "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Nur sechs Wörter und doch ein großer Satz", sagte die CDU-Politikerin zu Beginn ihrer Rede. Bei der Veranstaltung las und kommentierte sie ausgewählte Bibelstellen.
Die Würde sei nicht Ergebnis staatlicher Entscheidungen, sondern dem Menschen vorausgegeben. "Sie ist keine Erfindung des Staates, sie ist nicht das Werk des Staates. Sie ist auch nicht das Werk des Menschen. Sie ist älter. Tiefer. Und anspruchsvoller. Sie ist Gabe", erklärte Klöckner. Der Staat könne die Würde daher nur anerkennen und schützen, aber nicht erzeugen.
Mit Blick auf politische Entscheidungsprozesse warnte die Parlamentspräsidentin davor, Mehrheiten mit Gerechtigkeit gleichzusetzen. "Nicht alles, was Mehrheiten findet, ist deshalb schon gerecht", sagte sie. Politik brauche einen "inneren Maßstab" und dürfe den Menschen "nie zum bloßen Objekt" machen.
Christliches Menschenbild als Grundlage
Zugleich hob Klöckner die enge Verbindung zwischen christlichem Menschenbild und freiheitlichem Rechtsstaat hervor. Jeder Mensch habe einen "unverfügbaren Kern", unabhängig von Leistung, Herkunft oder Überzeugung.
Einen Schwerpunkt legte die CDU-Politikerin auf die Gleichwertigkeit von Frauen und Männern. "Die Würde der Frau ist nicht abgeleitet. Sie ist nicht sekundär. Sie ist nicht zugestanden. Sie ist ebenso ursprünglich", sagte sie. Zudem verwies sie auf fortbestehende Gewalt gegen Frauen in Deutschland und weltweit. "Die Verletzung der Würde der Frau ist keine abstrakte Frage. Sie ist bittere Wirklichkeit", betonte Klöckner.
Warnung vor rauerer Sprache
Mit Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen warnte sie vor einem zunehmenden Verlust von Anstand. Demokratie lebe davon, "dass sie den Menschen achtet, auch dort, wo er schwach, unbequem, fremd oder schutzbedürftig ist". Wo diese Achtung verloren gehe, "verroht auch die Sprache. Und wo die Sprache verroht, ist die Verletzung der Würde meist nicht weit".