Ausbreitung der Tierseuche Sommer heizt Vogelgrippe ein


Das warme Sommerwetter hat die Vogelgrippe in Deutschland eingedämmt. Seit Mitte Mai sei das H5N1-Virus bei keinem Vogel mehr festgestellt worden, berichtet das Friedrich-Loeffler-Institut. Eine Entwarnung will es aber nicht geben - aus gutem Grund.

Seit dem 12. Mai sei bei keinem Vogel in Deutschland mehr das auch für den Menschen gefährliche H5N1-Virus festgestellt worden, sagte die Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts, Elke Reinking, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters auf der Insel Riems. Das Virus könne durch die hohe UV-Strahlung und die schnelle Austrockung nicht lang außerhalb des Tierkörpers - etwa in Kot oder anderen Sekreten - überleben. Dies habe die Ansteckungsgefahr gemindert. Zudem gebe es derzeit anders als in den Wintermonaten kaum Massenansammlungen von Vögeln. Als Extremsituation wertete Reinking die Situation vor rund fünf Monaten rund um die Insel Rügen, als sich die Tiere auf den Eisschollen eng zusammengekauert und gegenseitig angesteckt hätten. Bei zwei an der Wittower Fähre tot aufgefundenen Schwänen war am 14. Februar erstmals das gefährliche Virus bei Wildvögeln diagnostiziert worden. Die Ostseeinsel und Mecklenburg-Vorpommern insgesamt sind bisher in der Bundesrepublik am stärksten von der Seuche betroffen.

Der gefährliche, aus Asien stammende Typ des Erregers wurde bisher in Deutschland bei 343 Wildvögeln, drei Katzen und einem Steinmarder nachgewiesen. Hinzu kommen mehrere verendete Puten im bisher einzigen betroffenen Nutzgeflügelbestand in Sachsen.

Dennoch weiter Ausbrüche in Europa

Reinking betonte, bei der Vogelgrippe könne nach wie vor keine Entwarnung gegeben werden. "Wir haben das Virus in Europa." Die Expertin verwies darauf, dass Ende Mai die Seuche völlig unerwartet bei Nutzgeflügel in Dänemark aufgetreten sei. Im Juni war in Ungarn in einer großen Gänsehaltung die Vogelgrippe ausgebrochen. Auch in der Ukraine und in Rumänien gab es jüngst neue Nachweise bei Wildvögeln. Laut Reinking ist daher weiter Vorsicht geboten. Das Loeffler-Institut ermuntere die Behörden, bei Funden toter Vögel genau hinzusehen. Ein besonderes Augenmerk gelte den Wasser- und Greifvögeln. Auf Rügen würden teilweise auch lebende Tiere untersucht.

Ein Grund zur Entwarnung sei auch deswegen nicht gegeben, weil tote Tiere wegen der schnelleren Zersetzung im Sommer oft gar nicht gefunden würden. Anders als im Winter versänken diese etwa schneller im Wasser.

Nicht abschätzen lasse sich zurzeit, wie sich die Situation im Herbst entwickeln werde, wenn sich während des Vogelzugs die Tiere wieder in Rastgebieten sammelten. "Wir müssen abwarten, ob das zurzeit latent vorhandene Virus dann wieder stärker präsent wird", sagte Reinking.

Befürchtungen, die Seuche könne auch gravierende Auswirkungen auf die Bestände seltener Vogelarten haben, haben sich in Deutschland bislang nicht bestätigt. Als gefährdet eingestufte Arten wie See- oder Fischadler haben überwiegend gute bis sehr gute Bruterfolge in der laufenden Saison erzielt, wie Vogelkundler berichten.

Experten fürchten, dass das Vogelgrippe-Virus sich so verändern könnte, dass es wie eine Erkältung von Mensch zu Mensch übertragen wird, allerdings mit weitaus gravierenderen Folgen. Dann hätte man eine Pandemie mit weltweit Millionen von Toten. Seit Jahresbeginn haben mehr als 30 Länder den Ausbruch der Vogelgrippe festgestellt. Mehr als 130 Menschen sind seit 2003 an der Seuche gestorben, davon die meisten in Asien.

Reuters


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