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Bayern: Behörde bestätigt Tote nach Listerien-Infektion

Mindestens vier Menschen sollen in den vergangenen Jahren an den Folgen einer Listerien-Infektion gestorben sein. Das hat das  Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gegenüber dem stern bestätigt.

Das Bild zeigt Salami-und Wurstscheiben.

War Wurst für die Todesfälle mitverantwortlich? Ein Zusammenhang ist noch nicht sicher.

Acht Menschen, die an Listeriose mit einem bestimmten Muster erkrankt waren, sollen seit 2012 deutschlandweit gestorben sein. "Bei vier von ihnen wird die Listeriose als hauptsächliche Todesursache angesehen", bestätigte eine Sprecherin des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) dem stern gegenüber. Seit 2012 beobachten die Behörden, dass Menschen an einem bestimmten Listerien-Typ erkranken - vor allem in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen. "70 bis 80 Erkrankte in Baden-Württemberg und 22 Erkrankte in Bayern können diesem Ausbruch zugeordnet werden", so die Sprecherin.

Für Bayern bestätigte die Behörde eine Tote. Auf das Bundesland bezogen gab es insgesamt vier Todesfälle von an Listeriose Erkrankten, drei davon litten der Sprecherin zufolge unter Vorerkrankungen. Bei der vierten Verstorbenen, einer 88-jährigen Frau, gehen die Behörden davon aus, dass Listerien die Ursache für den Tod waren.

Die deutschlandweiten Zahlen hat das LGL im Zuge der aktuellen Ereignisse um die Fleischwarenfirma Sieber auf seiner Homepage veröffentlicht. Den Bakterientyp, der bei den Erkrankten und Verstorbenen nachgewiesen werden konnte, entdeckten die Mitarbeiter des RKI im März dieses Jahres in dem Produkt "Original bayerisches Wacholderwammerl" der Firma Sieber. Dieses war deutlich mehr belastet als zulässig. In fünf anderen Produkten der Firma sei ebenfalls eine Belastung mit Listerien nachgewiesen worden - allerdings unterhalb der zugelassenen Schwellenwerte, sagt die LGL-Sprecherin. "Das legt einen Zusammenhang zwischen den Produkten und dem Ausbruch nahe." Ob die Sieber-Produkte tatsächlich die Ursache für die Erkrankungen und Todesfälle sind, ist aber unklar. Stichproben zuvor seien unauffällig gewesen.

Sieber klagt wegen Produktionsverbots

Das Landratsamt in Bad Tölz hatte am Freitag angeordnet, dass sämtliche Sieber-Produkte in ganz Deutschland aus den Ladentheken sowie in Flughäfen und Großkantinen zurückgerufen und vernichtet werden müssen. Das Unternehmen beliefert nach seinen Angaben die Ketten Lidl, Norma, Rewe und Penny, nicht jedoch Aldi. Außerdem verhängte die Behörde ein Betriebs- und Vertriebsverbot für die Großmetzgerei mit 120 Beschäftigten.

Sieber geht derweil gerichtlich gegen das behördlich angeordnete Produktionsverbot vor. Es sei Klage gegen den Freistaat Bayern eingereicht worden, sagte der Inhaber Dietmar Schach am Dienstag am Firmenstandort in Geretsried (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Er verwies darauf, dass rund 45 im Unternehmen genommene Proben frei von gesundheitsgefährdenden Listerien seien. "Es gibt bis jetzt keine gesicherten Erkenntnisse, wann und wo Keime in unser Unternehmen hineingetragen wurden." Der Rückruf sämtlicher Waren und die Werksschließung seien politisch motiviert. Das bayerische Verbraucherschutzministerium wies die Vorwürfe zurück. 

Eine Ansteckung mit Listerien kann bei Kleinkindern und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem meist zu starkem Durchfall und Fieber führen. Bei Gesunden verläuft die Listeriose genannte Krankheit oft harmlos.


lea / DPA

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