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Brustkrebs: Was das Mammografie-Screening bringt

Welchen Nutzen hat das Mammografie-Screening, zu dem seit 2005 zehn Millionen Frauen in Deutschland alle zwei Jahre eingeladen werden? Heute wurden die ersten Zahlen über die Reihenuntersuchung auf Brustkrebs veröffentlicht.

Die Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust

Die Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust

Das Projekt ist ambitioniert: Jede Frau im Alter von 50 bis 69 Jahren wird alle 24 Monate zum Mammografie-Screening eingeladen. Zehn Millionen Frauen sind es also, die bei der Reihenuntersuchung ihre Brust mit Röntgenstrahlen untersuchen lassen. Die Kosten liegen bei 300 bis 400 Millionen Euro pro Jahr. Nun ziehen der Gemeinsame Bundesausschuss und die Kooperationsgemeinschaft Mammographie eine erste Zwischenbilanz des Projekts.

Seit Beginn der Reihenuntersuchung auf Brustkrebs im Jahr 2005 haben Ärzte bei wesentlich mehr Frauen Tumore entdeckt als zuvor. Die Mediziner fanden bei 7 bis 8 von 1000 Frauen einen Tumor. Ohne Screening waren vorher bei 2 bis 3 von 1000 Frauen Karzinome entdeckt worden. Beim Screening fielen mit 30,8 Prozent rund doppelt so viele kleine Tumore (Größe bis zum 10 Millimeter) auf als vorher (14 Prozent). Das ist gut. "Für Frauen mit kleinen Tumoren, die nicht gestreut haben, bestehen mit dem Screening die besten Chancen auf eine vollständige Heilung", betont Karin Bock, Leiterin des Referenzzentrums Mammografie Südwest. Häufig könnten Frauen durch die Früherkennung auch ihre Brust behalten.

Kritik am Screening

Die Entscheidung fürs Screening wurde von Anfang an auch kritisiert. Das Screening sei zu teuer und werde in der Wirkung überschätzt, monierte etwa der Psychologe Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Die Massenuntersuchung führe zu vielen falsch-positiven Befunden und unnötigen Operationen.

"Der Bericht widerlegt die Zweifel am medizinischen Nutzen dieses in Deutschland seit 2005 angebotenen Screening-Programms", sagt Rainer Hess, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten, Kassen und Kliniken, laut Mitteilung. "Das in Deutschland flächendeckend eingeführte Screening ist das derzeit bestverfügbare Instrument, um bei Frauen eine Brustkrebs-Erkrankung möglichst frühzeitig zu entdecken und damit durch eine schnelle und zielgerichtete Behandlung die Heilungschancen zu verbessern."

Von 200 wird in 20 Jahren eine zusätzlich gerettet

Die wichtigste Frage der vielen Kritiker des Screenings bleibt noch offen. Sterben deutlich weniger Frauen an Brustkrebs, wenn bis zu zehn Millionen von ihnen regelmäßig die Brust geröntgt bekommen? Darauf kann es für Deutschland noch keine Antwort geben. Frühestens im Jahr 2015 lässt sich ersehen, wie viele Frauen ihre Krankheit über einen langen Zeitraum überleben. Nachbarn wie die Niederlande, die schon seit vielen Jahren screenen, haben ihre Rechnung schon aufgemacht: Von 200 Frauen, die sich 20 Jahre testen lassen, wird eine zusätzlich gerettet - sagen Studien. Im Moment gehen Schätzungen für Deutschland davon aus, dass es mit erfolgreichem Screening in Zukunft jedes Jahr bis zu 2000 Brustkrebstote weniger geben könnte - also rund 15.500 statt 17.500.

Bei der langen Reihe der Qualitätskriterien hat das Screening nur eine Hürde nicht genommen. Die Teilnehmerrate ist mit rund 53 Prozent zu gering. Sie müsste bei 70 Prozent liegen.

DPA / DPA
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