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Medizin: So gefährlich ist Brustkrebs

Brustkrebs: Die Schock-Diagnose trifft in Deutschland jedes Jahr 57.000 Frauen. Oft entdecken sie, wie Sylvie van der Vaart, den Tumor in der Brust selbst. Wer besonders gefährdet ist, an Brustkrebs zu erkranken, welche Vorsorge sinnvoll ist - und wieso Mediziner über Methoden der Früherkennung streiten.

Von Nina Bublitz und Lea Wolz

Als sie den Knoten in ihrer Brust fühlte, ging Sylvie van der Vaart sofort zum Arzt. Mit 31 Jahren erkrankte die holländische Moderatorin an Brustkrebs. Sie wurde bereits operiert, ab Juli will sie sich einer präventiven Chemotherapie unterziehen. Die Aussichten, dass sie wieder vollständig gesund wird, sind ihrem Onkologen zufolge sehr gut.

Nun möchte sie Frauen animieren, sich auch in jungen Jahren untersuchen zu lassen. "Ich kann nur an alle Frauen appellieren, die Gefahr an Brustkrebs zu erkranken, sehr ernst zu nehmen." Die Heilungschancen sind tatsächlich umso besser, je eher ein Tumor entdeckt wird. Daher plädieren auch viele Ärzte für eine engmaschige Früherkennung, die unter anderem beinhaltet, dass Frauen ihre Brust selbst jeden Monat abtasten und dass Mammografie-Screening schon für Frauen ab 40 angeboten wird. Auf der anderen Seite bemängeln Kritiker die geringen Erfolge dieser Früherkennungsmethoden - und die Nachteile, die sie mit sich bringen.

Wie viele Frauen und Männer erkranken an Brustkrebs?

Jährlich erkranken mehr als 57.000 Frauen in Deutschland an Brustkrebs. Damit ist das sogenannte Mammakarzinom mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Seit den 80er Jahren steigt die Häufigkeit von Brustkrebs nach Angabe des Robert-Koch-Instituts leicht an.

In einigen europäischen Ländern, unter anderem Frankreich, Belgien, Schweden und Dänemark, erkranken mehr Frauen an Brustkrebs als in Deutschland. Auch in den USA und Kanada ist dies der Fall. In anderen Ländern, etwa in Tschechien, Polen und Japan, tritt Brustkrebs dagegen deutlich seltener auf. Diese Unterschiede hängen wohl mit Umweltfaktoren und Lebensgewohnheiten zusammen. Denn bei Migrantinnen wurde beobachtet, dass sich die Brustkrebsrate innerhalb von ein bis zwei Generationen an die des neuen Landes anpasst.

Das Durchschnittsalter der Erkrankten liegt bei 63 Jahren

Das Alter ist ein wesentlicher Risikofaktor für Brustkrebs. Dass Frauen unter 35 Jahren erkranken, ist sehr selten: Neun von 100.000 Frauen in der Altersgruppe von 15 bis 35 sind pro Jahr betroffen.

Im Schnitt liegt das Alter der Erkrankten bei 63 Jahren. Circa 300 von 100.000 Frauen zwischen 60 und 70 erhalten im Jahr die Diagnose Mammakarzinom. Bei Frauen jenseits der 70 sinken die Fallzahlen wieder leicht. Dies hängt damit zusammen, dass die Früherkennungsmaßnahmen weniger greifen.

Der Tumor entsteht bei dieser Krebsform im Drüsengewebe der Brust, also in den Drüsenläppchen oder den Milchgängen. Wenn sich der Krebs ausbreitet, sind oft die Lymphknoten in der Achselhöhle befallen.

Brustkrebs bei Männern

Auch bei Männern kann Brustkrebs entstehen, allerdings geschieht dies vergleichsweise selten. In Deutschland geht man nach Angabe des Deutsches Krebsforschungszentrums von 230 bis 500 Fällen pro Jahr aus.

Wie gefährlich ist Brustkrebs?

"Die Heilungschancen liegen zwischen 70 und 80 Prozent. Sie haben sich in den vergangenen Jahren enorm verbessert. Die Untersuchungen sind genauer und die Therapien schonender", sagt Rolf Kreienberg, Direktor der Uni-Frauenklinik Ulm.

Der Erfolg der Krebstherapie hängt wesentlich davon ab, wie früh ein Tumor entdeckt wird. Dabei gilt: Je früher, desto besser. Ist der Tumor noch sehr klein, auf die Brustdrüse beschränkt und hat noch keine Krebszellen gestreut, ist eine Heilung sehr wahrscheinlich. Wird der Krebs dagegen erst entdeckt, wenn sich im Körper schon Metastasen gebildet haben, können die Ärzte oft nur noch versuchen, das Leben der Betroffenen um einige Monate zu verlängern und die Schmerzen im Spätstadium der Krankheit zu lindern. Daher plädieren viele Mediziner für einen Ausbau der Früherkennung.

Auch Vorstufen von Brustkrebs können schon entdeckt werden - per Mammografie. Als "duktales Karzinom in situ" (DCIS) wird eine Veränderung von Innenwandzellen der Milchgänge bezeichnet. DCIS können in den meisten Fällen so heraus operiert werden, dass die Brust erhalten bleibt. Auf der anderen Seite entsteht nicht aus jedem DCIS ein bösartiger Tumor, die Schätzungen schwanken zwischen 14 und 60 Prozent. Es müssen sich also viele Frauen einer belastenden Operation unterziehen, die durch die Krebsvorstufe niemals ein Problem gehabt hätten.

Was sind die Risikofaktoren - und wie können sie beeinflusst werden?

Die Risikofaktoren lassen sich in mehrere Gruppen unterteilen.

Nicht zu verändernde Risikofaktoren

Das

Alter

ist ein wesentlicher Risikofaktor für Brustkrebs. Dass Frauen unter 35 Jahren erkranken, ist sehr selten: 9 von 100.000 Frauen in der Altersgruppe von 15 bis 35 sind pro Jahr betroffen. Im Schnitt liegt das Alter der Erkrankten bei 63 Jahren. Circa 300 von 100.000 Frauen zwischen 60 und 70 erhalten im Jahr die Diagnose Mammakarzinom. Bei Frauen jenseits der 70 sinken die Fallzahlen wieder leicht. Dies hängt damit zusammen, dass die Früherkennungsmaßnahmen weniger greifen.

Ist in der

Familie

bereits jemand an Brustkrebs erkrankt, ist das Risiko erhöht. Denn bei dieser Krankheit spielt die Vererbung eine Rolle: Statistisch gesehen sind der Deutschen Krebshilfe zufolge jährlich 2000 bis 4000 Frauen durch familiäre Veranlagung vom Risiko betroffen, an Brustkrebs zu erkranken. Bei ihnen liegt eine Mutation in bestimmten Genen vor. Besonders Frauen, bei deren Müttern bereits Brustkrebs aufgetreten ist, sollten sich früh und engmaschig untersuchen lassen. "In der Regel sind sie fünf bis zehn Jahre früher von der Krankheit betroffen als die Generation davor", sagt Rolf Kreienberg, Direktor der Uni-Frauenklinik Ulm.

Ist Krebs

bereits in einer Brust aufgetreten

, ist das Risiko erhöht, dass die Krankheit auch in der anderen Brust oder an einer anderen Stelle in derselben Brust auftritt. Ein Risikofaktor ist auch ein dichtes Brustgewebe, das mehr Drüsen und weniger Fettgewebe enthält. Gerade bei einem dichten Brustgewebe ist es zudem für Ärzte schwer, Veränderungen zu erkennen.

Zu den Risikofaktoren zählen dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge auch

eine frühe erste Regelblutung

sowie ein

später Eintritt in die Wechseljahre

. Als grobe Orientierung geht die Gesellschaft für Senologie dabei von einem Periodenbeginn unter elf Jahren und einem Beginn des Klimakteriums mit mehr als 54 Jahren aus. "Die zwei wichtigsten Faktoren sind allerdings das Alter und die familiäre Belastung", sagt Kreienberg.

Risikofaktoren, die mit der Lebensgestaltung zusammenhängen

Das RKI nennt

Kinderlosigkeit

oder

ein höheres Alter bei der ersten Geburt

als Risikofaktor. Dagegen scheinen Schwangerschaften in jungen Jahren, mehrere Geburten und längere Stillzeiten das Risiko zu senken.

Studien zufolge steigert die

Einnahme der Pille

das Brustkrebsrisiko geringfügig. Zehn Jahre nach dem Absetzen verliert es sich allerdings. Zudem wirken sich östrogen- und progesteronhaltige Ovulationshemmer günstig auf das Risiko für Eierstockkrebs aus.

Eine Hormontherapie mit Östrogenen

- insbesondere mit einer Kombination aus Östrogen und Gestagen - in den Wechseljahren erhöht verschiedenen Studien zufolge das Brustkrebsrisiko.

Auch der

übermäßige Konsum von Alkohol

steigert Studien zufolge das Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Die US-amerikanische Krebsgesellschaft empfiehlt Frauen daher, ihren Alkoholkonsum auf ein Glas pro Tag zu begrenzen.

Übergewicht

und

Bewegungsmangel

werden ebenfalls als mögliche Risikofaktoren diskutiert. Wer körperlich aktiv ist, scheint sein Risiko dagegen zu senken. In einer Studie der Women's Health Initiative heißt es, dass bereits eineinhalb bis zweieinhalb Stunden schnelles Laufen pro Wochen das Risiko für Brustkrebs sinken lassen.

Kontrovers diskutierte und nicht bestätigte Risikofaktoren

Immer wieder gab es Gerüchte, dass

Deodorants

Brustkrebs verursachen, indem die Inhaltsstoffe über das Lymphsystem verbreitet werden und dazu führen, dass sich Giftstoffe im Brustgewebe anreichern. Nahrung bekam dieses Gerücht als im Jahr 2004 in einer britischen Studie Rückstände des Konservierungsmittels Paraben, das in Deodorants, Körpersprays, Kosmetika und Arzneimitteln verwendet wird, in wenigen Krebstumoren nachgewiesen werden konnten. Größere Studien zeigten allerdings keinen Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Deos. Auch die Deutsche Krebsgesellschaft gab vor kurzem Entwarnung. Sie sieht derzeit keine stichhaltigen Beweise dafür, dass Deodorants Brustkrebs verursachen könnten.

Vor einigen Jahren verbreitete sich auch die Nachricht, dass

zu enge Büstenhalter

Brustkrebs verursachen könnten. Die Lymphbahnen würden dadurch abgeklemmt und die Stoffwechselschlacken nicht abtransportiert, wurde befürchtet. Wissenschaftliche Beweise dafür gibt es nicht.

Ob

Rauchen

das Brustkrebsrisiko erhöht, wird weiterhin kontrovers diskutiert. Der US-amerikanischen Krebsgesellschaft zufolge wurde in diversen Studien kein Zusammenhang gefunden. Den Ergebnissen einer kalifornischen Studie zufolge kann Tabakkonsum dagegen offenbar auch die Entstehung von Brustkrebs fördern.

Früherkennung: Brust abtasten

Brust abtasten beim Arzt

Brustkrebsvorsorge: So funktioniert das Abtasten

Frauen ab 30 zahlt die Kasse das Abtasten beim Gynäkologen einmal pro Jahr. Die Untersuchung geht schnell und ist weder mit Schmerzen noch mit Nebenwirkungen verbunden. Das Ergebnis wird sofort mitgeteilt. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Senologie lassen sich 5 bis 15 Prozent der Tumore weder mit Ultraschall noch mit Mammographie darstellen: Einige bösartige Tumore sind nur zu ertasten.

Ob die Brustabtastung tatsächlich sinnvoll ist, ist jedoch umstritten. Zum einen werden nicht alle Brustkrebserkrankungen durch diese Methode erkannt. Besonders bei Frauen mit einem dichten Brustdrüsengewebe sind Veränderungen durch Abtasten nur schwer festzustellen. Daher wird bei diesen Frauen ein Verdacht auf Brustkrebs zumeist durch eine Gewebeprobeentnahme abgeklärt.

"Die ärztliche Tastuntersuchung der Brust sollte man als Vorsorge auf jeden Fall einmal im Jahr wahrnehmen", rät Rolf Kreienberg, Direktor der Uni-Frauenklinik Ulm.

Brust selbst abtasten

Die deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt, dass Frauen zusätzlich ihre Brüste selbst einmal im Monat auf Veränderungen untersuchen. Das Abtasten der eigenen Brust sollte man schon jungen Mädchen beibringen. Vor allem, sobald sie die Pille bekommen und sich die Brust verändert", sagt Professor Kreienberg.

Die US-amerikanische Krebsgesellschaft nennt das Abtasten der eigenen Brust dagegen nur als Option für Frauen ab 20, da diese Methode keine große Rolle bei der Früherkennung von Brustkrebs spiele. Tatsächlich deuten mehrere große Studien sogar darauf hin, dass die Selbstuntersuchung keinen Nutzen hat, berichtet die Cochrane Collaboration. Kritiker geben zudem an, dass ein regelmäßiges monatliches Abtasten die Angst vor Krebs schüren und zu unnötigen weiteren Untersuchungen, etwa zu Biopsien, führen kann. Befürworter weisen darauf hin, dass das Abtasten die Kenntnis des eigenen Körpers fördere und Frauen so generell eher eine Veränderung an einer Brust auffiele.

Laut der Frauenleitlinie Brustkrebs-Früherkennung" sollte eine Frau zum Arzt, wenn

  • eine Brust die Größe verändert
  • eine Brust sich beim Heben anders verformt als die andere;
  • sich Haut oder Brustwarze an einer Stelle einziehen oder sich die
  • Brustwarze auf andere Weise verändert
  • die Haut im Brustbereich über längere Zeit gerötet ist
  • die Haut an einer Stelle wie eine Orange aussieht oder anschwillt
  • aus einer Brustwarze klare oder auch blutige Flüssigkeit austritt
  • die "Knotigkeit" einer Brust an einer Stelle zunimmt;
  • ein Knoten in der Brust oder Achselhöhle Knoten zu ertasten ist
  • Schmerzen an einer Stelle in einer Brust auftreten

Früherkennung: Ultraschall

Wird bei Frauen, die jünger als 40 Jahre sind, bei einer Tastuntersuchung etwas festgestellt, wird eine Ultraschalluntersuchung empfohlen. Mithilfe von Schallwellen wird das Gewebe genauer untersucht. Die Schallwellen durchdringen dabei die Haut und das Gewebe und werfen, je nach Gewebeart, wieder eine Schallwelle zurück. Diese Signale werden an einem Bildschirm sichtbar gemacht. Bei Frauen ab 40 Jahren wird der Ultraschall häufig ergänzend zur Mammografie eingesetzt.

Ein Vorteil der Methode ist, dass damit auch dichtes Brustgewebe untersucht werden kann, weshalb sie gerade für junge Frauen in Frage kommt. Zudem sind die Ultraschallwellen unbedenklich, die Untersuchung ist daher auch für Frauen in der Schwangerschaft oder der Stillzeit geeignet. Das Ergebnis wird nach der Ultraschalluntersuchung ebenfalls sofort mitgeteilt.

Ein Nachteil ist, dass nur der Bereich dargestellt wird, der sich unter dem Schallkopf befindet. Die ganze Brustdrüse und die Achselhöhle können nicht auf einem Bild zusammen dargestellt werden. Ob das Ergebnis zuverlässig ist, hängt auch vom untersuchenden Arzt und der Qualität der eingesetzten Geräte ab.

Früherkennung: Mammografie

Bei der Mammografie wird die Brust mit Röntgenstrahlen untersucht.

Kurative Mammografie

Diese wird zum einen bei Frauen jeden Alters eingesetzt, wenn nach einer anderen Voruntersuchung abgeklärt werden soll, ob es sich bei den Auffälligkeiten tatsächlich um Brustkrebs handelt. Die kurative Mammografe ist nur bei einem Verdacht auf Brustkrebs gerechtfertigt, denn Röntgenstrahlen sind gesundheitsschädigend. Gerade bei jüngeren Frauen sollte eine Mammografie daher nur eingesetzt werden, wenn der Nutzen den Schaden überwiegt.

Für die Untersuchung wird die Brust für den Zeitraum der Aufnahme zwischen zwei Platten kurz zusammengedrückt, was in den meisten Fällen durchaus schmerzhaft ist. "Je fester sie drücken und je dünner die Brust wird, desto geringer ist die Strahlenbelastung und desto aussagekräftiger ist das Röntgenbild", sagt Rolf Kreienberg, Direktor der Uni-Frauenklinik Ulm. Dabei wird die Brust einmal von oben und einmal von der Seite aufgenommen.

Perfekt ist diese Methode allerdings ebenfalls nicht. Um festzustellen, ob es sich bei Auffälligkeiten tatsächlich um Krebs handelt, muss auch nach einer Mammografie eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen und unter dem Mikroskop untersucht werden. "Bei jungen Frauen würde ich zudem immer eine Ultraschalluntersuchung machen, da der Drüsenkörper noch sehr dicht ist und man mit einer Mammografie nicht alles erkennt", sagt Kreienberg.

Mammografie-Screening

Frauen zwischen 50 und 69 Jahren haben in Deutschland alle zwei Jahre das Anrecht auf eine sogenannte Mammografie, ohne dass ein Verdacht auf eine Brustkrebserkrankung bestehen muss. Mithilfe des Screenings sollen die Frauen rechtzeitig herausgefiltert werden, bei denen sich bereits erste Anzeichen einer Brustkrebserkrankung finden. Jede Frau in diesem Alter erhält eine schriftliche Einladung, die Teilnahme ist freiwillig. Die Mammografie erfolgt in speziell dafür eingerichteten Zentren. Für die Deutsche Krebshilfe ist die Mammografie derzeit die wichtigste Früherkennungsmethode bei älteren Frauen: "Studien haben ergeben, dass sich durch eine Mammografie-Brustkrebs-Screening-Untersuchung bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren die Brustkrebssterblichkeit um bis zu 30 Prozent senken lässt", heißt es in der Broschüre zum Thema "Brustkrebs".

Deutlich kritischere Töne schlägt die Cochrane Collaboration an: Die Auswertung mehrer Studien zeige, dass ein Screening die Brustkrebssterblichkeit wahrscheinlich eher um 15 Prozent senke. Eine weitere Gefahr: falsche Diagnosen und unnötige Behandlungen. Besonders Peter Goetzsche, der Direktor des Nordischen Cochrane-Zentrums in Kopenhagen, warnte immer wieder vor allzu optimistischen Annahmen. Unter 2000 Frauen, die über einen Zeitraum von zehn Jahren zum Screening eingeladen wurden, wird das Leben einer Frau durch diese Maßnahme verlängert, schrieb er in einem 2006 publizierten Cochrane Review zu den Folgen des organisierten Mammografie-Screenings. Gleichzeitig würden zehn gesunde Frauen als Brustkrebspatientinnen eingestuft und fälschlicherweise behandelt. "Ob das Screening mehr nutzt als es schadet, ist daher nicht klar", meint Goetzsche. Für Aufsehen sorgte 2008 auch eine Studie aus Norwegen. Ihr Fazit: 22 Prozent aller Fälle von Brustkrebs, die in den Mammografie-Programmen entdeckt und dann über Chirurgie, Bestrahlung oder Chemotherapie behandelt werden, wären von selbst wieder verschwunden.

Obwohl der Nutzen des Screenings nicht eindeutig belegt werden kann, ist auch umstritten, dass es nur für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren angeboten wird. Die US-amerikanische Krebsgesellschaft geht davon aus, dass Frauen ab 40 Jahre jährlich mit einer Mammografie untersucht werden sollten. Ähnlich sieht es auch Kreienberg: "Wir fordern ein Mammografie-Screening für Frauen ab 40 Jahren und über 70 Jahre hinaus", sagt er.

Was passiert bei der Therapie?

In Deutschland können sich Kliniken als "zertifiziertes Brustkrebszentrum" ausweisen, sie müssen dann unter anderem nachweisen, dass jeder Chirurg im Haus pro Jahr mindestens 50 Frauen operiert hat und dass mindestens 800 Chemotherapien durchgeführt wurden. Das soll gewährleisten, dass das Klinikpersonal genug Erfahrung bei der Brustkrebs-Therapie hat - denn das steigert nachweislich die Behandlungserfolg.

Die Therapie unterscheidet sich von Frau zu Frau, je nachdem, in welchem Stadium sich der Tumor befindet. Heute sind die meisten Operationen brusterhaltend. Eine Chemotherapie wird zum Teil vor der OP durchgeführt, um den Tumor zu verkleinern. Zum Teil erfolgt sie auch anschließend. Auch eine Bestrahlung ist nötig, wenn brusterhaltend operiert wurde.

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Von:

Nina Bublitz und