VG-Wort Pixel

Professionelle Masken Die Zeit der Stoffmasken ist vorbei – gut so!

Die ersten Läden öffnen wieder, doch die Corona-Zahlen steigen weiter an
Mehr
Der Mund-Nasen-Schutz aus Stoff hatte eine Daseinsberechtigung, als Profi-Masken rar waren. Nun sollen die Stofflappen ersetzt werden – ein längst überfälliger Schritt. 

Zu Beginn der Pandemie erreichte mich ein Päckchen aus der Heimat. Der Inhalt: zwei Stoffmasken, handgenäht von einer Bekannten meiner Mutter. Ich verwendete die Masken fortan beim Einkaufen, im Bus und im ICE, kochte sie nach jedem Tragen in einem Topf aus und hängte sie zum Trocknen auf. Ich war dankbar, dass ich einen Beitrag gegen die Virus-Ausbreitung leisten konnte.

Gleichzeitig wusste ich um die begrenzte Schutzwirkung der Maske "Marke Eigenbau". Der Stoff hielt zwar Tröpfchen zurück und schützte so umstehende Personen vor einer Ansteckung. Für den Träger selbst aber waren die sogenannten Alltagsmasken immer nur ein Kompromiss. Aerosole wanderten weitgehend ungehindert durch den Stoff und konnten eingeatmet werden. Was aber dagegen tun? Eine echte Alternative gab es nicht. Profi-Masken waren zunächst rar. Und noch viel wichtiger: Sie wurden in Kliniken und Heimen gebraucht.

So kamen die Stoffmasken – und blieben viel zu lange.

Die Stoffmaske gehört an den Nagel

In dieser Woche hat die Bundesregierung das Ende der ewigen Übergangslösung eingeläutet. Die Stofflappen sind passé. Beim Einkaufen und in Bussen und Bahnen sollen nun nur noch die höherwertigen FFP2- oder OP-Masken zum Einsatz kommen. Das ist ein richtiger und längst überfälliger Schritt, gerade angesichts neuer und ansteckenderer Virus-Varianten. Es gibt die Möglichkeit, eine Ansteckung zuverlässiger zu verhindern. Es wäre fahrlässig, diese Chance nicht zu ergreifen. Profi-Masken sind nicht nur Fürsorge für einen selbst, sondern auch die eigene Familie: Denn wer sich das Virus nicht in Bus, Bahn oder Supermarkt einfängt, der kann es auch nicht zu seinen Liebsten schleppen. Viele Ansteckungen, das zeigen Statistiken, passieren in den eigenen vier Wänden.

Beim Einkaufen beobachtete ich zuletzt noch viele Menschen, die Stoffmasken trugen – und wunderte mich. Warum hielten so viele Menschen so lange daran fest? Sicher, sie sind schicker als professionelle Masken, praktischer und nachhaltiger, da waschbar. All das stimmt. Aber sind das Argumente, die in der derzeitigen Ausnahmesituation, in der wir leben, gelten können? Womöglich vor dem Schutz der Gesundheit stehen?

Die Zeiten von Lieferengpässen bei Profi-Masken sind längst vorbei. FFP2-Masken werden seit einigen Wochen für Risikogruppen kostenlos in Apotheken bereitgestellt. Einfache OP-Masken gibt es seit Monaten in Drogerien zu kaufen. Online werden sie für Centbeträge pro Maske und in hohen Stückzahlen angeboten. Wer Geld für Hamsterkäufe und einen Jahresvorrat Klopapier hat, der sollte auch beim Thema Masken nicht plötzlich auf jeden Euro schauen.

Natürlich gibt es Lebenssituationen, in denen es auf jeden zusätzlichen Cent ankommt. Für Arbeitssuchende, Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende oder auch Studierende können selbst kleine Beträge schmerzhaft oder kaum zu stemmen sein. Für all jene muss eine Lösung gefunden werden. Das gebietet sich allein aus ethischen Gründen: Es darf keine Frage des Geldbeutels sein, wie gut Menschen sich oder andere vor einer Ansteckung mit dem Virus schützen können.

Bayerns Gesundheitsministerium ist da mit gutem Beispiel vorangegangen und hat zuletzt 2,5 Millionen FFP2-Masken für Bedürftige geordert. Ein guter, erster Schritt. Doch das kann nur ein Anfang gewesen sein. Weitere und größere Bestellungen müssen her – bundesweit. Das Ziel sollte eine Art Grundausstattung für Bedürftige sein, die es auch erlaubt, die Masken regelmäßig auszutauschen. 

Masken dürfen nicht zum Profit-Geschäft werden

Die neue Vorgabe darf auch nicht dazu führen, dass die Preise für Profi-Masken nun deutlich anziehen. Ein normaler Klinik-Mundschutz kostete vor der Corona-Pandemie 3 bis 15 Cent, eine OP-Maske mit hoher Keimdichtigkeit lag bei 5 bis 15 Cent. FFP2-Masken gab es – je nach Ausführung – zwischen 11 und 60 Cent. Hier müssen Festpreise her, damit die Preise nicht erneut auf die Mondpreise steigen, die teilweise aufgerufen wurden. Guter Schutz muss bezahlbar bleiben.

Professionelle Masken: Die Zeit der Stoffmasken ist vorbei – gut so!

Der Schritt hin zu den Stoffmasken im vergangenen Jahr war riesig– vor allem für eine Gesellschaft, die sich erst noch an den Anblick im Alltag gewöhnen musste. Der Schritt von der Stoffmaske hin zur OP-Maske ist vergleichsweise klein, der Effekt dagegen groß. Wir sollten dazu übergehen, die professionellen Masken als das zu sehen, was sie im Kern sind: ein Privileg. Und eine Verbesserung. Es ist an der Zeit, die Stoffmaske an den Nagel zu hängen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker