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Dioxin-Skandal Behörden planen Warnplattform für Lebensmittel


Bund und Länder wollen künftig im Internet über belastete Lebensmittel informieren. Dazu werde "mit Hochdruck" an einer zentralen Warnplattform gearbeitet, teilte die CDU-Bundestagsfraktion mit. Dem Handel gehen wegen des Dioxin-Skandals derweil offenbar die Bio-Eier aus.

Als Konsequenz aus dem Dioxin-Skandal wollen Bund und Länder eine bundesweite Warnplattform für Lebensmittel einrichten. Die Internetseite mit Informationen aller bundesweit zuständigen Behörden solle in den nächsten Wochen starten, sagte der verbraucherpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Peter Bleser, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". An dem Angebot werde bereits "mit Hochdruck" gearbeitet.

Zuvor hatte die SPD-Bundestagsfraktion in einem Eckpunktepapier die Einführung einer solchen Warnplattform gefordert. Dort sollten sich Verbraucher über betroffene Lebensmittel informieren können. Da Lebensmittelkontrolle Ländersache ist, informieren die betroffenen Länder bisher meist nur über verdächtige Produkte in ihrer Region.

Nach Aussage von Bleser haben die Futtermittelhersteller zudem eine Selbstverpflichtung zugesagt, wonach die Unbedenklichkeit jeder Charge Futterfett dokumentiert werden muss, bevor das Fett für die Herstellung verwendet werden darf. Seine Fraktion dringe außerdem darauf, "Schwerpunktstaatsanwaltschaften" und spezielle Ermittlungsgruppen der Polizei für Verstöße gegen das Futter- und Lebensmittelrecht" aufzubauen, erklärte der CDU-Politiker in der "NOZ". "Wir müssen den Verfolgungsdruck auf Lebensmittelpanscher deutlich erhöhen. Das gelingt nur mit Strafverfolgern, die spezielles Wissen über die Branche haben."

"Bio-Eier sind ausverkauft"

Der Dioxin-Skandal hat unterdessen offenbar zu einem Run auf Bio-Eier geführt. "Bio-Eier sind ausverkauft", sagte Prof. Ulrich Hamm, Experte für Lebensmittelmarketing an der Uni Kassel. Der Bedarf an Bio-Produkten lasse sich derzeit nicht befriedigen. "Wo sollen wir die Eier hernehmen - die Hühner legen ja nicht plötzlich zwei am Tag." Öko-Händler mit langfristigen Lieferverträgen hätten weniger Probleme, Ware zu bekommen als Discounter, die erst kurz im Bio-Geschäft seien. Kleine Mengen könnten aus Belgien, Niederlanden und Frankreich beschafft werden - "aber die anderen haben auch nichts."

Zu wenige Landwirte hätten auf Öko-Betrieb umgestellt, erklärte Hamm. Das sei bei der Schweine-, Hühner- und Eierproduktion besonders schwierig. Vor allem die Ställe müssten komplett verändert werden, um den Tieren mehr Auslauf zu geben. Bei großen Betrieben mit Tausenden von Tieren sei das fast unmöglich. "Die Fläche für Bio ist gar nicht da." Auch sei es problematisch, Futterlieferanten zu finden, die den Bio-Standard erfüllen. Soja spiele als Eiweißlieferant eine große Rolle - für konventionell wirtschaftende Betriebe sei es leicht zu beschaffen, aber Bio-Betriebe hätten Schwierigkeiten, Soja ohne gentechnisch veränderte Bestandteile zu bekommen.

Der Dioxin-Skandal steht am Nachmittag auch im Mittelpunkt einer Sondersitzung des Verbraucherausschusses des Bundestags. Alle Parteien fordern Konsequenzen. Ministerin Ilse Aigner (CSU) will dem Gremium ihre Vorschläge unterbreiten, wie weitere Fälle von Dioxin, das ins Tierfutter gelangt, verhindert werden können.

mad/AFP/DPA DPA

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