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Dr. Angelique Coetzee Sie entdeckte die Omikron-Variante in Südafrika – und hält Europas Reaktionen für übertrieben

Eine Hand hält vor der Aufschrift «Omicron (B.1.1.529): SARS-CoV-2» eine Spritze hoch
Die südafrikanische Ärztin Dr. Angelique Coetzee, die die Omikron-Variante entdeckte, hält Europas Maßnahmen gegen die Variante für übertrieben
© Pavlo Gonchar/SOPA Images via ZUMA Press Wire / DPA
Dr. Angelique Coetzee war die erste südafrikanische Ärztin, die auf die neue Omikron-Mutante des Coronavirus aufmerksam machte und erste Infizierte behandelte. In einem Gastbeitrag für die britische "Daily Mail" zeigt sie sich verwundert über Europas Reaktionen.

"Als Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands und 33 Jahren als Allgemeinmedizinerin habe ich in meiner medizinischen Laufbahn viel erlebt." So beginnt die Ärztin Dr. Angelique Coetzee ihren Kommentar in der britischen Zeitung "Daily Mail". Coetzee war die erste südafrikanische Ärztin, die die Behörden am 18. November auf Patienten mit einer neuen Omikron-Variante aufmerksam gemacht hatte. Sie behandelte auch erste Infizierte mit der Mutation.

"Aber nichts hat mich auf die außergewöhnliche globale Reaktion vorbereitet, die auf meine Ankündigung dieser Woche gestoßen war, dass ich einen jungen Mann in meiner Praxis gesehen hatte, der einen Fall von Covid hatte, der sich als Omikron-Variante herausstellte", schreibt die Ärztin weiter.

Die neue Variante besorgt viele Expert:innen weltweit. Mehrere Länder, darunter auch Deutschland, reagierten mit Einreisestopps aus Ländern des südlichen Afrika.

Coetzee verweist auf zu wenige Daten

Doch Coetzee hält solche Reaktionen für übertrieben. "Ich war fassungslos über die Resonanz – vor allem aus Großbritannien. Und lassen Sie mich klarstellen: Nichts, was ich an dieser neuen Variante gesehen habe, rechtfertigt die extremen Maßnahmen, die die britische Regierung als Reaktion darauf ergriffen hat. Niemand hier in Südafrika ist mit der Omikron-Variante ins Krankenhaus eingeliefert worden, und es wird auch angenommen, dass hier niemand ernsthaft daran erkrankt ist", schreibt sie in ihrem Gastbeitrag.

Man wisse noch zu wenig, um solche strikten Maßnahmen durchzusetzen, so die südafrikanische Ärztin. In Südafrika sei noch nicht die Rede von Restriktionen oder Lockdowns, weil man erst Ergebnisse abwarten wolle. "Auch hier haben wir uns an neue Covid-Varianten gewöhnt. Als unsere Wissenschaftler die Entdeckung einer weiteren bestätigten, machte niemand etwas Großes daraus. Viele Leute haben es nicht einmal bemerkt."

Trotz der noch mangelnden Informationen über die Omikron-Variante, haben viele europäische Länder mit strikten Maßnahmen reagiert. "Unsere Regierung war darüber verständlicherweise verärgert und wies darauf hin, dass 'hervorragende Wissenschaft beklatscht und nicht bestraft werden sollte'." Was Coetzee und ihre Kolleg:innen in Südafrika beobachten würden, rechtfertige "in keiner Weise die reflexartige Reaktion, die wir aus Großbritannien gesehen haben".

Bislang nur milde Verläufe – Coetzee rät zum Impfen 

Erste Erkenntnisse zeigen laut Coetzee, dass die neue Variante sich schnell verbreitee, aber in den meisten Fällen nur milde Symptome verursache. "Das wäre ein hilfreicher Schritt auf dem Weg zur Herdenimmunität", meint Coetzee. "Wir werden in den nächsten zwei Wochen erfahren, ob dies der Fall ist." Die schlimmste Situation wäre ein sich schnell ausbreitendes Virus mit schweren Infektionen. "Aber da sind wir im Moment nicht."

Man behandle derzeit keine Patient:innen mit schweren Omikron-Verläufen. "Nehmen Sie meinen ersten Omikron-Fall (…). Es kam ihm nicht in den Sinn, dass er Covid hatte: Er dachte, er sei zu lange in der Sonne gewesen, nachdem er draußen gearbeitet hatte." Bisher seien vor allem junge Männer positiv auf Omikron getestet worden – sowohl Geimpfte als auch Ungeimpfte oder nicht vollständig Geimpfte.

Omikron: Bild eines positiven Corona-Schnelltests

Coetzee befürchtet, dass Großbritannien derzeit unnötig Alarm schlage. "Ja, das Bild könnte eines Tages anders aussehen", schreibt sie weiter. "Ich habe zum Beispiel noch keine älteren, ungeimpften Menschen gesehen, die sich mit der neuen Variante infiziert haben und die möglicherweise einen schweren Krankheitsverlauf haben. Aber die Realität ist, dass wir mit Covid zu leben lernen müssen. Passen Sie auf sich auf und lassen Sie sich impfen. Verfallen Sie vor allem nicht in Panik – das gilt auch für Regierungen."

rw

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