HOME

Ernährung: Dioxin ist überall

Wir essen es und wir atmen es: Dioxin. Der jüngste Fund in Eiern hat deutlich gemacht, dass neue Grenzwerte notwendig sind.

Seit dem 1. Januar 2005 gelten Grenzwerte für Dioxin in Eiern. Erste Kontrollen haben ergeben, dass viele Eier zu stark mit dem Krebs erregenden Stoff belastet sind. Eier aus Freilandhaltung schnitten sogar schlechter ab als Eier aus Käfighaltung. Die Freilandhühner nehmen das Dioxin vermutlich nicht durch das Futter, sondern durch ständiges Picken aus dem Boden auf.

Der Fall zeigt: Dioxin ist überall. Es steckt in der Luft, im Boden und im Meer. Grund: Autos, Abfallverbrennungsanlagen sowie Metall verarbeitende und andere Betriebe haben es in die Luft gepustet und tun es zum Teil noch immer. Nun ist das langlebige Gift in der Umwelt. Besonders im Fettgewebe reichert es sich an. Die Konzentration in der Nahrungskette hat jedoch stark abgenommen.

"Ein Mensch in Deutschland kann dem Dioxin nicht entgehen", sagt Marianne Rappolder, Dioxin-Expertin beim Umweltbundesamt in Berlin. Es stecke in Fleisch, Milch, Eiern und in sehr geringem Umfang sogar in Ost und Gemüse. 95 Prozent des Dioxins nehme ein Erwachsener über die Nahrung auf, den Rest vor allem über die Atemluft.

Rindfleisch ist stärker belastet als Schweinefleisch

Mit durchschnittlich rund 40 Prozent erhalte ein Erwachsener in Deutschland das meiste Dioxin aus Lebensmitteln über die Milch und Milchprodukte, sagte Rappolder. Es folgen 15 bis 20 Prozent über Fisch, 12 Prozent über Rindfleisch, 8 Prozent über Eier, insgesamt 6 Prozent über Obst und Gemüse sowie 5 Prozent über Schweinefleisch. "Rindfleisch ist höher mit Dioxin belastet als Schweinefleisch, weil die Tiere beim Schlachten älter sind", erläutert Rappolder. Dadurch hätten sie mehr Dioxin angereichert.

Laut Umweltbundesamt nimmt ein erwachsener Mensch in Deutschland täglich eine Menge von Dioxinen und dioxinähnlichen PCB (Polychlorierte Biphenyle) auf, die der Giftigkeit von zwei Pikogramm (pg = Billionstel Gramm) des Seveso-Giftes TCDD entsprechen. Die Aufnahme sei nur noch halb so hoch wie 1990, sagt Rappolder, dennoch bleibe noch viel zu tun. In den 1980er Jahren wurden Abfallverbrennungsanlagen verändert, so dass sie drastisch weniger Dioxin in die Umwelt pusten. Zudem wurden bestimmte Zusatzstoffe im Benzin verboten.

Die Dioxin-Aufnahme müsse sich weiter verringern, weil viele Menschen in Deutschland nach wie vor mehr Dioxin aufnähmen, als die Weltgesundheitsorganisation als Vorsorgewert empfehle. Möglichkeiten sieht Rappolder beispielsweise in der Überwachung der Futtermittel und deren Produktion.

"Grenzwert für Eier zu streng"

Der Toxikologe Dieter Schrenk von der Universität Kaiserslautern hält den Grenzwert von 3 Pikogramm Dioxin pro Gramm Eifett für zu streng: "Ich habe Zweifel, ob der Grenzwert für Eier wirklich sinnvoll ist. Vor allem ist er ungerecht, da andere Lebensmittel nicht in gleicher Weise behandelt werden", sagte er der Zeitung "News Frankfurt". "Würde man ähnliche Grenzwerte beim Fisch setzen, würde man sein blaues Wunder erleben." Bei Fisch gelte etwa ein Anteil von bis zu 4 pg pro Gramm Gesamtgewicht nicht als problematisch.

Bei der Erstellung der Grenzwerte wird auch die Menge des Nahrungsmittels berücksichtigt, die ein Mensch aufnimmt, und Eier spielen eine größere Rolle auf dem Speiseplan als Fisch. Besonders belastet sind Fische mit hohem Fettgehalt wie Hering und Lachs.

Simone Humml/DPA/DPA

Wissenscommunity